Kreis Südliche Weinstraße Stimmung wie an Fasching
Billigheim-Ingenheim: Dass Tradition, Fröhlichkeit und Gemeinschaftssinn in Billigheim-Ingenheim groß geschrieben werden, ist kein Geheimnis. Der Purzelmarkt, der heuer seine 567. Auflage erlebte, lockte gestern wieder ungezählte Menschen in die ehemalige Reichsstadt. Vor allem zum farbenprächtigen Umzug.
Schon vor 10 Uhr hatte sich in den Billigheimer Straßen trotz wolkenverhangenem Himmel eine erwartungsfrohe Menschenmenge aufgestellt, um den Festumzug – unbestrittener Höhepunkt des Purzelmarktes – mitzuerleben. Landau-Land-Bürgermeister Torsten Blank, auch Vorsitzender des Purzelmarktvereins, und Ortsbürgermeister Dietmar Pfister hatten allen Grund zur Freude. An mehreren Ecken wurde, zum Teil mit belegter Stimme vom Vorabend, das „Purzelmarktlied“ angestimmt. Als sich der Festzug mit 40 Gruppen und Wagen ohne die traditionellen Böllerschüsse – weil es Anwohnern nicht gefällt – in Richtung Reitwiesen in Bewegung setzte, waren die Straßen dicht gesäumt.
Domguggler und Spielmannszug sorgen für Stimmung
Die Teilnehmer kamen aus dem gesamten gesellschaftlichen und kulturellen Leben der Region. Themen des bäuerlichen Lebens wie die „Weinlese anno 1950“, „Danielas Herbstgesellschaft“, die „Ernte der königlichen Knolle“ oder auch die „Rebmeerpiraten“ und „Auf dem Weg zur Jagd“ setzten ebenso bunte Akzente wie die Trachtengruppen oder die „Wisse- und Stroßepurzler mit ihrem Tanz unter dem Motto „Wär des nit en Knall, am Purzelmarkt do gäb’s en Ball?!“ Die Laienspielgruppe der August-Becker-Trachtengruppe Klingenmünster ließ den Frankenkönig Dagobert in die ehemalige Reichsstadt einziehen. Auch die Musik vom Spielmannszug Ingenheim und die Domguggler Speyer, die mit viel Trommeln und Trompeten zu dem Festumzug gekommen waren, sorgten für Stimmung.
Purzelmarkt als sechste Jahreszeit
Zur am Freitagabend inthronisierten Purzelmarkkönigin Melanie II. gesellte sich eine ganze Reihe von Weinhoheiten, mit der noch amtierenden Pfälzischen Weinkönigin Anastasia Kronauer an der Spitze. Selbst das Prinzenpaar des Carnevalvereins Narrhalla Herxheim erwies der Purzelmarktkönigin ihre Reverenz und winkte den Zaungästen zu. Wie meinte doch ein Besucher, der von jenseits des Rheins in die ehemalige Reichsstadt gekommen war: „Gilt der Karneval allgemein als fünfte Jahreszeit, dann ist der Billigheimer Purzelmarkt so etwas wie die sechste Jahreszeit, zumindest was den Festzug angeht“. In den Motivwagen und überall am Straßenrand schlugen die Stimmungswogen hoch, zwischendurch unterbrochen durch den lauten Ruf des Brezelverkäufers.
Traditionelles Purzeln über Festwiese
Als der Umzug mit einiger Verzögerung auf der Reitwiese ankam, wartete fort schon eine große Menschenmenge. Und rechtzeitig zum Start des Spektakels auf der Billigheimer „Wiesn“ wagte sich die Sonne hinter den Wolken hervor und trug fortan zur guten Laune der Festbesucher bei. Bis zum Nachmittag konnte niemand über mangelnde Teilnehmer- oder Zuschauerresonanz klagen. Nach den Tänzen der Trachtengruppe und dem Trachtenrennen kamen die Buben beim traditionellen Purzeln über die Festwiese, von dem das Fest seinen Namen hat, auf ihre Kosten. Die ganz Kleinen waren ebenso begeistert wie die etwas Größeren. Als Lohn gab es Brezeln en masse. Die ersten Preise wurden beim Dreibeinlaufen der Buben und Mädchen vergeben. Zu einer Mordsgaudi wurde der Wettlauf der männlichen Teilnehmer unter und über 50 Jahren, Das gleiche wiederholte sich dann bei den weiblichen „Sprintern“.
Begeisterung beim Sackhüpfen
So richtig nass wurden allerdings die Matadore auf der Festwiese beim Wassertragen. Helle Begeisterung und Jubelschreie lösten wie immer das Sackhüpfen oder das Rapstuchspringen aus. Mit dem „Pfälzer Lied“ klang das Festprogramm auf der Wiese aus.