Steinfeld RHEINPFALZ Plus Artikel Steinfeld sucht Nachfolger für Hausarztpraxen

Ein angehender Arzt untersucht eine Patientin. „Ländliche Praxen sind für junge Ärzte uninteressant“, sagt der Ortsbürgermeister
Ein angehender Arzt untersucht eine Patientin. »Ländliche Praxen sind für junge Ärzte uninteressant«, sagt der Ortsbürgermeister von Steinfeld.

Der eine ist in Rente, der andere hat es in den kommenden Jahren vor. Steinfeld sucht neue Hausärzte. Laut dem Ortsbürgermeister gelten Stellen im ländlichen Bereich für junge Ärzte als nicht attraktiv genug. Dabei hätten diese einiges zu bieten. Was kann die Gemeinde tun, um Nachwuchs zu finden?

Wer in den vergangenen Jahren in Steinfeld zum Arzt musste und nicht ins Nachbardorf fahren wollte, der ging in der Regel zu einem der beiden Mediziner: Karol Grodecki oder Helmut Breuner. Eine andere Hausarztpraxis gibt es in dem knapp 2000 Einwohner zählenden Dorf nicht.

Seit dem 8. Dezember praktiziert nur noch Breuner. Grodecki ist in Rente. Der Arzt im Ruhestand befürchtet, dass nicht alle seiner Patienten an neue Hausärzte vermittelt werden konnten: „Durch die kollegiale Bereitschaft der Kollegen aus direkter Umgebung sind aber zumindest alle Hausbesuchspatienten untergebracht.“

„Ländliche Praxen für junge Ärzte uninteressant“

Damit sei das Problem aber nur temporär gelöst. Die Patienten hätten gerne wieder einen Arzt in ihrem Dorf. Und da auch der 70-jährige Breuner in fünf Jahren in Rente gehen will und keine weiteren Patienten mehr aufnehmen kann, braucht es dringend einen Nachfolger. Breuner würde auch gerne jetzt schon etwas kürzertreten, wie seine Frau Brigitte verrät, die als nichtärztliche Assistentin in der Praxis arbeitet. „Wir suchen seit drei Jahren jemanden, der mitarbeitet. Wir würden ihn auch in Ruhe einarbeiten, sodass er die Praxis dann irgendwann übernehmen kann“, sagt sie.

Die Suche nach einem Nachfolger ist aber gar nicht so einfach, wie Ortsbürgermeister Matthias Neufeld weiß: „Ich habe mit unseren beiden Ärzten gesprochen, die haben mit vielen anderen Ärzten gesprochen. Der Verwaltungsaufwand und die ständige Präsenz machen das Übernehmen einer ländlichen Hausarztpraxis für junge Ärzte uninteressant.“ Als Facharzt oder als Arzt in der Stadt hätte man einfach zu festen Zeiten geöffnet und müsse nicht ständig für seine Patienten da sein.

Genereller Fachkräftemangel erschwert die Suche

Grodecki sieht das Hauptproblem aber im generellen Fachkräftemangel der Medizinbranche. „Das ist ein bundesweites Problem. Die Studienplätze wurden reduziert. Außerdem hat man verkannt, dass die Medizin und ihre Aufgaben sich aufgrund der demografischen Entwicklung verändert haben“, sagt der Pensionär. Die Digitalisierung sei eine zusätzliche Belastung für „Einzelkämpfer“ mit eigener Praxis. Diese hätten zum Teil Probleme, die Praxisarbeit auf Dinge wie elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen umzustellen. „Da sind Praxisnetzwerke oder Kooperationspraxen in Zukunft besser gerüstet und so auch attraktiver.“ Hinzu komme, dass Hausärzte durch die Pandemie dazu aufgefordert würden, nebenbei massenweise zu impfen. Laut Neufeld gehen viele Medizinstudenten nach ihrem Abschluss in die Forschung und nicht in die Praxis.

Der kommende Hausarztpraxenmangel in Steinfeld betrifft nach Einschätzung des Ortsbürgermeisters nicht nur die Bewohner des 2000-Einwohner-Dorfes, sondern die des ganzen Viehstrichs – sprich der umliegenden Dörfer. Auch beispielsweise aus Kapsweyer oder Niederotterbach habe der ein oder andere Bewohner die Dienste von Grodecki und Breuner in Anspruch genommen.

Stellenausschreibung über Ärzte-Netzwerk

Neufeld bedauert, dass die Gemeinde selbst dagegen wenig tun kann. Sie könne dem potenziellen neuen Arzt lediglich ihre volle Unterstützung anbieten. „Zum Beispiel bei der Wohnungssuche, bei der Suche nach einem Bauplatz oder beim persönlichen Ankommen“, verspricht der Ortschef.

In der vergangenen Gemeinderatssitzung hat die Ortsgemeinde nun entschieden, dem „Netzwerk junger Hausärzte – Südpfalz-Docs“ als Fördermitglied beizutreten. Dadurch kann sie über die regionale Hausarzt-Stellenbörse eine Stellenausschreibung vornehmen. „Die Südpfalz-Docs entwickeln verschiedene neue Konzepte. Dort sind viele junge Ärzte mit kreativen Ideen für den ländlichen Bereich“, erklärt Neufeld. Ein Projekt der Südpfalz Docs sei zum Beispiel die Errichtung eines medizinischen Versorgungszentrums in Kandel, das den dort umliegenden Verwaltungsbereich zentralisiert. Laut Neufeld soll künftig auch Steinfeld von den Ideen des Netzwerks profitieren.

Intensivere Betreuung der Patienten

Was spricht aber für eine Hausarztpraxis im ländlichen Raum? Im Dorf ist laut Grodecki eine ganzheitlichere und intensivere Betreuung der Patienten möglich, da die Ärzte mit diesen wachsen und beispielsweise über soziale Umstände Bescheid wissen. Auch Neufeld kann das Einrichten einer Hausarztpraxis auf dem Land empfehlen: „Man hat keinen gestressten Klinikalltag mit Schichtdienst, man kann das dörfliche Leben genießen und vor Ort für seine Patienten da sein.“ Und was spricht für Steinfeld? „Unsere Kinder konnten hier immer alleine draußen spielen und alleine draußen unterwegs sein“, sagt Brigitte Breuner. „Hier gibt es einen Sportverein, einen Musikverein und eine super Infrastruktur für junge Familien.“

Die ehemalige Praxis von Grodecki befindet sich laut Stellenausschreibung mitten im Ort, wurde 1999 speziell für den Praxisbetrieb konzipiert und ist ebenerdig, barrierefrei und unterkellert. Außerdem ist sie klimatisiert und für alle technischen Bedürfnisse ausgestattet. Es besteht Anschluss an die Telematik-Infrastruktur, und es stehen eigene Parkplätze zur Verfügung.

Info

Stellenausschreibung unter www.suedpfalzdocs.de/Stellenboerse/Ich-biete/

Bleibt die Praxis künftig leer? Helmut Breuner sucht bisher vergebens nach einem Nachfolger.
Bleibt die Praxis künftig leer? Helmut Breuner sucht bisher vergebens nach einem Nachfolger.
Mehr zum Thema
x