Kreis Südliche Weinstraße Steinernes Dornröschen wachküssen
Der Rohrbacher Bahnhof wurde 1855 als Durchgangsstation der Pfälzischen Maximiliansbahn eröffnet, die zwischen Neustadt und Weißenburg verkehrt. Doch seit 1968 steht er leer. Die fast fünf Jahrzehnte dauernde Vakanz wird voraussichtlich noch dieses Jahr enden. In dem Gebäudekomplex sollen sieben unterschiedliche Dienstleistungen angeboten werden. Das sieht das Nutzungskonzept für das altehrwürdige Gebäude an der Bahnstrecke Landau-Karlsruhe-Weißenburg unter dem Slogan „Kultur- und Event-Bahnhof“ vor, das gestern der Herxheimer Designer André Steverding bei einer Pressekonferenz erstmals der Öffentlichkeit vorstellte. Die „Sieben-Säulen-Strategie“ und damit ein mehrgleisiges Nutzungskonzept für den Bahnhof geht nach Aussage von Steverding davon aus, dass die sieben unterschiedlichen Dienstleistungen „ineinander greifen und für Kunden wie Partner Synergieeffekte bieten“. Das vernetzte Nutzungskonzept basiert auf Gastronomie, Küchendesign, Gästezimmer, Seminarraum, Marketingagentur, Kommunikationsdienstleistungen sowie einem Showroom mit Objekten des Designers André Steverding. Letzterer soll in einem zweiten Bauabschnitt erst im Jahr 2018 realisiert werden. Steverding, der im Bereich Wohn- und Objektdesign seit Jahren bundesweit Anerkennung erfährt („Es gibt keine Grenzen, nur Lösungen“), hat gemeinsam mit seiner Partnerin Eva Mendel die Immobilie von der Gemeinde erworben, die diese zuvor als „Rettungserwerb“ von der Bahn AG gekauft hatte. Neben einem Showroom mit André-Steverding-Objekten, der in der zweiten Bauphase in einem Erweiterungsbau zum Bahnhof entstehen soll, hält ein Küchenstudio Einzug, das Georg Mayr „Raum 1855“ in Anlehnung an das „Geburtsjahr“ des Bahnhofes nennt. Neben einer dauerhaften Küchenausstellung sollen dort in regelmäßigen Abständen Kochevents, Vernissagen und Vinossagen stattfinden. Mayr hat sich nach seiner Ausbildung beim früheren Küchenhersteller Lanzet in Herxheim auf den Verkauf von Küchen spezialisiert. Als eine weitere Säule gilt ein gastronomisches Angebot im nördlichen Flügel des Gebäudes. Daran angrenzen soll ein großzügiger Biergarten. Die Auswahl des Partners für diesen Bereich sei allerdings, so Steverding, dessen Bruder Peter in Gourmetkreisen mit dem „Isenhof“ in Knittelsheim bekannt ist, noch nicht endgültig getroffen, so dass er auch derzeit keine Einzelheiten nennen könne. Nach Steverdings Vorstellungen soll es ein regelmäßiges Kulturprogramm sowie eine Auswahl kreativer, saisonaler und regionaler Gerichte an allen Tagen ein Tagesessen und verschiedene Frühstücksvarianten geben. Zwei Dienstleistungsangebote sind im Dachgeschoss vorgesehen: Hier entstehen vier Gästezimmer sowie ein Seminarraum, der für Meetings oder Tagungen gebucht werden kann. „Ich bin zuversichtlich, dass wir für diesen gastronomischen Bereich bald den passenden Partner finden werden. Allerdings freue ich mich auch über jede weitere Bewerbung“, so Steverding gestern. Als weitere Säulen des Projekts in Rohrbach sollen ab Oktober die bislang in Herxheim ansässige Kreativ- und Full-Service-Marketingagentur „Heidi“ sowie das PR- und Kommunikationsbüro „hauspresse.de“ im Bahnhofsgebäude ihren Standort finden. Insgesamt steht – ohne die Kellerräume – eine Nutzfläche von rund 860 Quadratmetern zur Verfügung. Angaben über die Investitionskosten wollte Steverding auch auf Nachfrage nicht machen. Zu seiner Philosophie sagte er: „Wir bauen auf ein starkes Fundament, schützen Erhaltenswertes, erneuern Altes, schaffen Räume, sorgen für Umtrieb, behalten den Ursprung im Blick, bringen Menschen zusammen.“ (som)