Burrweiler
Steineklau aus historischen Sandsteinmauern
Aus einer uralten Trockenmauer Richtung Burrweiler Mühle wurden Sandsteine herausgetrennt und mitgenommen. Auch in einer aufgesetzten Mauer in der Gemarkung hinter dem Schlossberg fehlen Steine. Anwohner hatten Ortsbürgermeister Christian Weber Ende Oktober darauf aufmerksam gemacht. Er geht davon aus, dass die Diebe die Steine für private Zwecke nutzen wollen. „Es ist eine Unverschämtheit, ein Stück Kulturgut abzutragen“, findet er. Dass es sich um Vorsatz handele, sehe man auf den ersten Blick. „Die Steine wurden frisch rausgeholt. Da liegen keine Steine auf dem Boden, die auf ein Abrutschen des Hangs hindeuten.“
Michael Baron, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Edenkoben, betont: „Die Steine sind Eigentum der Gemeinde.“ Die Polizei ermittle in der Sache. Dabei stellten die Beamten fest, dass im Zeitraum vom 26. bis 27. Oktober 15 Meter Wingert-Sandsteine aus Trockenmauern gestohlen wurden. Von den Tätern fehlt laut Baron bislang jede Spur. Den Wert des Diebesguts kann sowohl die Polizei als auch der Ortschef schwer einschätzen. Um den Schaden zu beheben, dürften 1500 Euro vermutlich nicht ausreichen, mutmaßt Weber. Ob die Diebe die Steine zum Eigenbedarf oder zur Weiterveräußerung verwenden, sei ebenso unklar, sagt Baron.
Steine-Klau bereits vor zwei Jahren
Das Steine-Klau-Phänomen trat bereits vor zwei Jahren schon einmal in Burrweiler auf. „Da wurden Steine von der Trockenmauer am Weg zur St.-Anna-Kapelle entwendet“, berichtet Weber. Zu der römisch-katholischen Wallfahrtskirche auf dem Annaberg pilgern Gläubige jedes Jahr im Sommer. Entlang des Weges hinauf werden die Hänge mit alten Trockenmauern abgestützt. „Dort wurden immer wieder Steine entnommen. Irgendwann hat das dann nachgelassen.“
Die Steine seien einst mit viel handwerklicher Erfahrung raffiniert aufeinander geschichtet worden, wodurch die Trockenmauern lange überdauern konnten, erklärt der Ortschef. Die Arbeit vieler Generationen von Steinmetzen und Maurern bereichere noch heute die Naherholung und den Tourismus. Die eineinhalb bis zwei Meter hohen Mauern sind vermoost und weisen eine alters- und witterungsbedingte Patina auf. „Historische Natursteinmauern sind nicht bloß aufeinandergeschichtete Steine, sondern Zeitzeugen der örtlichen Kultur“, macht Weber deutlich. Wer sie zerstöre, zerstöre kulturelles Erbe und zeige keinen Respekt gegenüber der Arbeit der Ahnen.
Wieso werden Natursteine gestohlen?
Aber es komme immer wieder zu solchen Taten, weiß Markus Höbel, Betriebsleiter des Steinbruchs Hanbuch & Söhne in Neustadt: „Öffentlicher Steine-Klau ist uralt.“ Er und seine Angestellte Tanja Kraus bedauern, dass „Diebstahl von Kulturgut leider immer mal wieder vorkommt – und das bezieht sich nicht nur auf historische Steine“. Er bekomme des Öfteren gezielte Anfragen nach alten Steinen. „Mediterranes Flair mit Natursteinen im heimischen Garten wirkt umso authentischer, wenn die Steine alt sind.“ Manche Kunden wollten aber auch einfach nur ihre alte Mauer aufstocken, und da passten meist frisch gebrochene Sandsteine aus dem Steinwerk optisch nicht.
Die Polizei Edenkoben hofft auf Hinweise aus der Bevölkerung zu dem unbekannten Täter. Hinweise können unter Telefon 06323 9550 mitgeteilt werden. Auch die Gemeinde sei weiterhin wachsam, sagt Ortsbürgermeister Weber.