BILLIGHEIM-INGENHEIM RHEINPFALZ Plus Artikel Startschuss für Vorbild-Vorhaben: Wie kann Artenschutz in der Region gelingen?

Im Billigheimer Bruch finden auch gefährdete Vogelarten ein Zuhause. Künftig sollen es mehr werden.
Im Billigheimer Bruch finden auch gefährdete Vogelarten ein Zuhause. Künftig sollen es mehr werden.

Am Samstag fiel vor rund 50 Zuhörern auf einem Feld südlich von Billigheim-Ingenheim der Startschuss für eines der größten Naturschutzvorhaben in der Südpfalz. Mit dem „Wiederbelebungsprojekt Billigheimer Bruch“ möchte die Gemeinde einen großen Beitrag zur Aufwertung des eigenen Naturhaushalts leisten. Über die Frage, wie Artenschutz in der Region gelingen kann.

Auf einer Fläche von rund 54 Hektar liegt am Erlenbach und am Flutgraben ein Feuchtgebiet, dass aus mehreren, überwiegend landwirtschaftlich genutzten Flurstücken sowie ausgewiesenen Gräben und Wegen besteht. Auf diesem Gelände, das als Billigheimer Bruch bekannt ist, wurde früher Torf gestochen, wovon sich auch der in früherer Zeit weit häufiger als heute verwandte Beiname der Billigheimer Einwohner als „Torfhengste“ ableitet.

Die Stiftung zum Schutz von Landschaft und Natur in der Südpfalz, kurz NVS, und die Ortsgemeinde Billigheim-Ingenheim werden auf ökologisch wertvollen Flächen ein Biotop entwickeln, bewirtschaften und dieses naturschutzgerecht pflegen. Seltene Vogelarten sind dort noch zu finden. Oder diese sollen eine Umgebung finden, damit sie sich dort neu ansiedeln. So tauchte hier zuletzt unter anderem der Zwergtaucher wieder auf. Aber auch vom Aussterben bedrohte Vogelarten wie die Schnatterente, die Wasserralle, die Knäkente oder das grünfüßige Teichhuhn wurden hier bereits gesichtet. Nicht zuletzt aber auch Amphibien wie Kröten, Lurche und Frösche sollen sich hier wohlfühlen.

Gestrüpp soll weg

Zunächst haben Entbuschungen Vorrang, um blütenreiche Wiesen von Gestrüpp zu befreien. Das Schilf darf nicht vom Gehölz verdrängt werden. Auch das Höhenwachstum junger Erlen und Weiden muss im Interesse der Wiesenvögel begrenzt werden. Im Nordwesten des Gebiets gelegene Tümpel verlangen nach langjähriger Offenhaltung. Ziel des Projekts ist es, in diesem Gesamtgebiet den ökologischen Wert zu erhalten und zu steigern.

Die Gemeinde verpachtet das gesamte Gelände an die NVS und die Stiftung des Naturschutzverbands Südpfalz auf die Dauer von 30 Jahren zur nachhaltigen Aufwertung und Pflege. Ortsbürgermeister Dietmar Pfister und Dieter Zeiß als Vorsitzender der NVS unterzeichneten am Samstag einen Kooperationsvertrag. Dieser soll die erfolgreiche Umsetzung garantieren. „Die Gemeinde wird sich mit dem öffentlichkeitswirksam begleiteten Projekt in die vorderste Reihe der naturschutzaktiven Kommunen der Region schieben“, sagte Zeiß.

Einst ein eiszeitlicher See

Das Billigheimer Bruch lässt sich auf einen eiszeitlichen See zurückführen, der in ein Torfmoor überging. Seit 1786 wurde Torf abgebaut. Reste von Pfahlbauten und alte Steinwaffen fand man hier – und sogar eine Münze aus römischer Zeit. Die Sumpfwiesen bildeten ein Paradies für die Tier- und Pflanzenwelt. In einer alten Schrift ist nachzulesen: „Aber ein Sumpf oder Bruch liegt zwischen Barbelroth und Billigheim, in des letztern Feldbann. Dieser Bruch liefert Torf, welcher für den Brand der Einwohner von Billigheim verwendet wird.“ Vor 85 Jahren griffen die Nazis mit dem Reichsarbeitsdienst massiv in den Wasserhaushalt des ehemaligen Torfmoors ein. Dennoch bewahrte sich das Gebiet überwiegend seinen Landschaftscharakter und seine Bedeutung für die Vogelwelt.

Die NVS übernimmt als Pächterin die Gesamtverantwortung für das Projekt und organisiert Kooperationen mit Landwirten, die ökologisch arbeiten. Sie sollen davon keine finanziellen Nachteile haben, den Billigheimer Bruch zu bewirtschaften – durch staatliche Förderprogramme. Im Interesse der Gemeinde lag ein Informationspunkt für Besucher, die dort Wissenswertes über das Gebiet erfahren sollen. Dieter Zeiß wurde bezüglich der Anzahl der Besucher aber deutlich: „Wir wollen keine Menschenaufläufe, denn das würde dem Projekt zuwiderlaufen. Hier steht einzig und allein die Natur im Vordergrund.“

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