Bad Bergzabern RHEINPFALZ Plus Artikel Stadtwerke günstigster Stromanbieter weit und breit

Nur etwa 20 Prozent des Strompreises kann der Energieversorger tatsächlich beeinflussen.
Nur etwa 20 Prozent des Strompreises kann der Energieversorger tatsächlich beeinflussen.

Die Energiekosten steigen seit Monaten unaufhaltsam – weltweit. Manche Stromversorger erhöhen ihre Preise um bis zu 50 Prozent. Ganz anders sieht das bei den lokalen Anbietern aus, etwa bei den Stadtwerken Bad Bergzabern: Die Preise bleiben stabil. Woran liegt das? Und wird das auch in Zukunft so sein?

„Wir sind der günstigste Stromanbieter“, sagt Christian Müller, Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Bergzabern, „das gab es wirklich noch nie.“ Die Recherche bei den einschlägigen Vergleichsportalen im Internet bestätigt Müllers Aussage: Billiger kann man den Strom derzeit nicht bekommen als bei den Werken in der Kurstadt. Aber was machen Müller und seine Kollegen aus den Nachbarkommunen so viel besser als die vielen anderen Anbieter, die oftmals wesentlich größer sind als die kleine Konkurrenz in der Region. Müller befindet sich im steten Austausch mit den Werkleiter und Geschäftsführern in der Nachbarschaft, etwa den Stadtwerken Annweiler, den Gemeindewerken Herxheim oder der Energie Südwest in Landau. Auch dort ist der Strom vergleichsweise günstig.

„Wir planen langfristig und besorgen den Strom schon drei Jahre im Voraus“, erläutert Müller. Vor drei Jahren waren die Preise noch andere als heute. „Wir können das machen, weil wir einen sehr treuen Kundenstamm haben. Rund 85 Prozent aller Strombezieher in unserem Versorgungsgebiet sind Kunden bei den Stadtwerken“, betont Müller. Der Strom für 2022 ist im Kasten und wurde überwiegend günstig eingekauft. Das bedeutet, dass es bei Stadtwerken keine Preiserhöhung geplant ist. „Zwar müssen wir bestimmte Stromprodukte auch tagesaktuell sehr teuer einkaufen, aber hier können wir die Kosten unter anderem mit der gesunkenen EEG-Umlage auffangen“, sagt Müller.

Preise an Strombörse stark gestiegen

Der Strompreis setzt sich aus drei Blöcken zusammen. Das sind zum einen Steuern, Abgaben und Umlagen, die den dicksten Brocken ausmachen. Dazu gehört auch die EEG-Umlage, mit der der Ausbau der erneuerbaren Energien finanziert wird. Bezahlen müssen die Stromversorger auch Netznutzungsentgelte an die Netzbetreiber. Diese Netznutzungsentgelte machen über 20 Prozent des Strompreises aus. Die beiden genannten Posten können vom Stromanbieter nicht beeinflusst werden, das müssen alle zahlen. Spielraum gibt es nur bei der Energiebeschaffung beziehungsweise bei Service und Betrieb.

Eingekauft wird der Strom vom Energieversorger an der Strombörse. Es gibt den Terminmarkt für langfristige Einkäufe und den Spotmarkt für kurzfristige Stromeinkäufe. „Den größten Teil unseres Stromes kaufen wir auf dem Terminmarkt ein“, erklärt Müller. Und da unterscheiden sich die Stadtwerke von den Internetanbieter, die in der Vergangenheit mit billigen Angeboten warben. Deren Geschäftsmodell basiert auf der Wechselbereitschaft der Kunden. Das bedeutet aber auch, dass diese Versorger ihren Strom kurzfristig einkaufen müssen. „Zum Teil zahlt man bei solchen Anbieter bis zu 45 Cent pro Kilowattstunde und 300 Euro Grundpreis pro Jahr. Das ist Wahnsinn, entspricht aber dem aktuellen Marktpreis“, so Müller. Zum Vergleich: Bei den Stadtwerken zahlt der Kunde im Grundtarif „Bergzabern-Klassik“ 32 Cent pro Kilowattstunde und einen Grundpreis von elf Euro im Monat. Es gibt auch Tarife, die günstiger sind.

Energienachfrage weltweit stark gestiegen

Ob die allerdings in Zukunft noch angeboten werden können, kann auch Müller nicht garantieren. „Wir haben derzeit viele Anfragen von Bürgern, die zu uns wechseln wollen, denen kann ich aber nur den Grundversorgungstarif anbieten, die anderen Tarife sind nicht möglich“, so Müller. Die Stadtwerke müssen eine Grundersatzversorgung gewährleisten, das ist gesetzlich so festgeschrieben. Das heißt: Die Energieversorgungsunternehmen müssen in den Netzgebieten, in denen sie die Grundversorgung durchführen, die Bürger und auch kleine Gewerbekunden mit bis zu 10.000 Kilowattstunden pro Jahr in jedem Fall versorgen. Die Stadtwerke Bad Bergzabern sind für das Stadtgebiet und für Pleisweiler-Oberhofen verantwortlich. Einige Stromanbieter haben bereits Insolvenz angemeldet oder ihren Kunden gekündigt. Das ist auch ein Grund für die steigende Nachfrage bei lokalen Anbietern.

Ob der Strompreis auch über 2022 hinaus konstant gehalten werden kann, weiß niemand. Müller hat Zweifel: „Ein größerer Rückgang der hohen Energiepreise auf dem Weltmarkt ist im Moment nicht absehbar.“ Die Energienachfrage hat weltweit enorm angezogen, die Großhandelspreise für Kohle, Öl und Gas sind seit Jahresbeginn um teilweise über 400 Prozent gestiegen. Die konventionellen Energieträger, also Kohle, Gas und Kernenergie, spielen bei der Stromerzeugung nach wie vor eine wesentliche Rolle. Laut Statistischem Bundesamt waren sie im ersten Halbjahr für 56 Prozent des erzeugten Stroms verantwortlich. Bei den erneuerbaren Energien sind Windkraft, Photovoltaik und Biogas die wichtigsten Komponenten. „Ein Problem ist auch, dass 2021 ein windarmes Jahr war“, sagt Müller. Wurden laut Statistischem Bundesamt im ersten Halbjahr 2020 in Deutschland 72,3 Milliarden Kilowattstunden mittels Windkraft ins Stromnetz eingespeist, waren es im ersten Halbjahr 2021 nur 57,1 Milliarden.

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