Kreis Südliche Weinstraße Slevogt-Skizzen im Gästebuch
Was hat Max Slevogt dem Gasthaus „Ochsen“ ins Gästebuch gezeichnet und geschrieben? Wie ist der Ursprung der heutigen Keysermühle? Und was hat der Glockenfriedhof, der in der Nachkriegszeit in Hamburg existierte, mit Klingenmünster zu tun? Geschichten aus der Geschichte, Kurioses und Interessantes bietet eine Broschüre, die der Arbeitskreis „Altes Klingenmünster“, eine Gruppe der Zukunftsinitiative Minschder, zusammengestellt hat.
Das 50 Seiten starke Heft mit dem Titel „Klingenmünster – Einblick in vergangene Zeiten“ versammelt Zeitdokumente, Bilder und Erinnerungen aus unterschiedlichen Epochen. Im Kapitel „Ein fast normales Richtfest“ wird zum Beispiel über den Neubau der protestantischen Kirche im Jahr 1958 berichtet. Ein anderer Text geht der wechselvollen Geschichte der Klingenmünsterer Klostermühle nach – heute das Hotelrestaurant Stiftsgut Keysermühle. Der Mühlbach und das Postamt der Gemeinde sind weitere Themen, die aus historischer Sicht beleuchtet werden. Im Postamt befand sich übrigens damals auch die Gendarmeriestation. Ein altes Foto beweist, dass die wackeren Polizisten in den 1950er-Jahren mit einer Isetta unterwegs waren; das winzige Auto war ihr erster Dienstwagen. Zum Schmunzeln lädt auch eine besondere Erinnerung an Max Slevogt ein: Der berühmte Maler kehrte gern im „Ochsen“ ein und schmückte dort das Gästebuch mit lustigen Skizzen und humorvollen Texten. Der Arbeitskreis hat dieses Schmankerl wiederentdeckt – nachdem es viele Jahrzehnte verschollen war. Wie die Klingenmünsterer das Ende des Zweiten Weltkriegs erlebten, wird im letzten Kapitel geschildert. Der Arbeitskreis hat mehrere ältere Mitbürger dazu interviewt und auch einen Film von dieser interessanten Zeitzeugenbefragung hergestellt: „Als die Amerikaner nach Klingenmünster kamen – 70 Jahre Ende des Zweiten Weltkriegs“. Autoren der Broschüre, die durch Sponsoren vorfinanziert wurde, sind Erich Laux, Ralf Litty, Jürgen Müsel und Eva Wagner-Seifert. Dazu beigetragen haben auch zahlreiche Bürger von Klingenmünster, die dem Arbeitskreis Bilder, andere Zeitdokumente und vor allem Informationen aus früheren Zeiten gegeben haben. Die Freizeithistoriker haben aus rund 570 alten Fotos, die sie erhalten haben, eine Bilderschau zusammengestellt. „Das Interesse unserer Arbeitsgruppe ist es, alte Dorfansichten und in Vergessenheit geratene Geschichten für kommende Generationen festzuhalten“, heißt es im Vorwort des Hefts. Info Die Broschüre mit historischen Beiträgen ist zum Preis von sechs Euro im Stiftsgut Keysermühle oder bei den genannten Autoren zu erwerben. (rire)