Rohrbach RHEINPFALZ Plus Artikel Sero übernimmt holländisches Elektronik-Unternehmen

Sero schlägt mit dem Firmenzukauf ein neues Kapitel in der Unternehmensgeschichte auf.
Sero schlägt mit dem Firmenzukauf ein neues Kapitel in der Unternehmensgeschichte auf.

Der Elektronikbereich erlebt einen riesigen Hype. Vor knapp 30 Jahren als Zwei-Mann-Betrieb gegründet, hat sich Sero zu einem Marktführer seiner Branche entwickelt. Jetzt haben die Rohrbacher ein holländischen Unternehmen aufgekauft. Wohin geht die Reise?

Auf 10.000 Quadratmeter werden im Rohrbacher Industriegebiet Leiterplatten und Elektronikmodule gefertigt. Wer kein IT-Kenner ist, wird damit jetzt wenig anfangen können. Wenn man aber erfährt, dass die Produkte von Sero in Lichttechnik für Autos, in Smart-Home-Geräten, in W-Lan-Modulen, Maschinen, Pumpen oder Tracking-Systemen stecken, wird schon greifbarer, wie verbreitet sie in unserem Alltag sind.

Die Krise der deutschen Automobilbranche und die Einschnitte durch die Corona-Pandemie gingen auch an den Rohrbachern nicht spurlos vorbei. Die Kunden hätten höchste Flexibilität gefordert und teilweise im Stundenrhythmus festgelegte Lieferabrufe revidiert, berichtet Geschäftsführer Bernd Welzel. Anderseits hätten einige Industriekunden ihre Abrufe unerwartet stark gesteigert. Das habe dazu geführt, dass teils Drei-Schicht-Betrieb gefahren, teils ein Großteil der Mannschaft in Kurzarbeit geschickt worden sei. „Dank dem Zusammenhalt der Mannschaft für mitunter einschneidende und unpopuläre Maßnahmen konnten wir vergleichsweise gut durch die Krisenzeit steuern“, zieht Welzel Bilanz.

Große Umwälzungsprozesse

Nun soll mit der Übernahme einer holländischen Firma ein neues Kapitel in der Unternehmensgeschichte aufgeschlagen werden. Sero hat in den vergangenen Jahren große Umwälzungsprozesse mitgemacht. Mit 29 Jahren gründete Armin Schröder den Elektronik-Dienstleister. Der Name Sero steht für Schröder Elektronik Rohrbach. Mit seiner Innovationskraft und der zunehmenden Orientierung auf die Automobilbranche erschuf Schröder aus dem Kleinstbetrieb einen „Hidden Champion“, der ein jährliches Wachstum von 10 bis 15 Prozent hinlegte.

2018 verkaufte der Gründer seine Firma an die Deutschen Beteiligungs AG (DBAG) mit Sitz in Frankfurt, nachdem er mehrere Interessenten genau unter die Lupe genommen hatte. Einerseits wollte Schröder einen finanzstarken Investor ins Boot holen, damit das Unternehmen sein hohes Wachstumstempo halten kann. Andererseits hatten ihn familiäre Umstände dazu bewogen, wie er damals sagte. Um für einen reibungslosen Übergang zu sorgen, hatte er sich Norbert Reiling, zuvor Geschäftsführer der DBK-Gruppe in Rülzheim, als zweiten Geschäftsführer zur Seite geholt. Dieser ist mittlerweile von Bernd Welzel abgelöst worden. Die DBAG habe ihn 2019 an Bord genommen, um das Unternehmen breiter aufzustellen, sagt der neue Mann an der Spitze und meint damit sowohl die Kundenstruktur als auch das Umsatzwachstum und die Internationalisierung.

Neue gemeinsame Dachmarke

Beim Verkauf des Unternehmens beschäftigte Sero 270 Mitarbeiter, hatte einen Umsatz von 85 Millionen und peilte eine Umsatzverdopplung in den kommenden fünf bis sechs Jahren an. Die Elektronikbranche boomt, trotzdem galt es, Krisen durchzustehen. Aktuell sind nach Unternehmensangaben rund 210 Mitarbeiter bei Sero tätig, das einen Umsatz von knapp 80 Millionen Euro erwirtschaftet. Um seine Wachstumsziele zu erreichen, strebt Sero nun nach außen, denn der Rohrbacher Standort ist am Limit.

Dafür hat Sero jetzt die Solid Semecs B.V. vollständig übernommen. Semecs ist ein holländisches Elektronik-Unternehmen, dessen Produktionswerk im slowakischen Vráble liegt und das rund 70 Millionen Euro mit rund 460 Mitarbeitern erwirtschaftet. Zudem betreibt Semecs ein Engineering Center im niederländischen Uden und Vertriebsbüros in Mosbach, München und Slagelse in Dänemark. „Wir werden unter einer neuen gemeinsamen Dachmarke einen der in Europa führenden EMS-Dienstleister aufbauen“, kündigt Welzel an. Ziel sei es, die Stammkundschaft zu halten und neue Kunden zu erschließen, um das Unternehmen so auf internationalen Expansionskurs zu bringen.

Geschäftsführung erweitert

Rund 85 Prozent seines Umsatzes erwirtschaftet Sero über die Automobilbranche, den Rest über Industrieelektronik. Bei Semec ist es genau andersherum, der Großteil des Umsatzes wird über Industrie und Medizin generiert, nur 15 Prozent über die Automobilindustrie. Indem die beiden Firmen zusammengeführt werden, soll sich das Angebot ausgleichen. Zudem will Sero davon profitieren, dass Semecs andere Produktionsschritte mitbringt. So sind die Holländer beispielsweise auf Verfahren wie Beschichten, Vergießen, Kleben und Montage spezialisiert. „Damit ergänzen wir das Portfolio von Sero“, erläutert Semec-Chef Jan-Frederik Kalee, der Teil der neuen Geschäftsführung wird.

Das neue Führungsteam (von links): Jan-Frederik Kalee (Semecs), Sven Merkel und Bernd Welzel (Sero) .
Das neue Führungsteam (von links): Jan-Frederik Kalee (Semecs), Sven Merkel und Bernd Welzel (Sero) .
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