Bad Bergzabern RHEINPFALZ Plus Artikel „Sepp’s Laden“ in der Innenstadt schließt

„Sepp’s Laden“ war Christian Albrechts privater Kaufladen.
»Sepp’s Laden« war Christian Albrechts privater Kaufladen.

Für die Bad Bergzabernern Innenstadt ist es ein herber Verlust, für Christian Albrecht ein persönlicher. Ende Januar wird er sein kleines Lebensmittelgeschäft „Sepp’s Laden“ in der Fußgängerzone schließen müssen. Was führte zu dieser Entscheidung?

Gerne geht Christian Albrecht, der die Edeka-Märkte in Bad Bergzabern, Bornheim und Herxheim betreibt, nicht mehr in seinen Laden in der Bärengasse am Ende der Fußgängerzone in der historischen Innenstadt Bad Bergzaberns. „Es war mein privater Kaufladen“, sagt er über das Geschäft, das er vor fast genau zehn Jahren eröffnet hat – und jetzt abwickelt. „Die Kirche hat damals eine Umfrage gemacht, und es stellte sich heraus, dass ein Nahversorger in der Innenstadt fehlt“, erzählt er. Vor allem für ältere Menschen, für die der längere Weg in die Kapellerstraße oder zu einem anderem Discounter vor den Toren der Stadt beschwerlich gewesen wäre. Daraufhin eröffnet Christian Albrecht Sepp’s Laden, benannt nach Vater und Großvater, die jeweils Josef hießen.

Christian Albrecht ist 1967 in der Bärengasse geboren und mit dem Lebensmittelhandel aufgewachsen. Das Haus kauft sein Großvater in den 20er-Jahren. Heute bewohnt es seine Mutter Gerlinde Albrecht, die auch oft in „Sepp’s Laden“ präsent war und gerne den Kontakt zur Kundschaft gepflegt hat. Mit der Kutsche betreibt der Großvater in den Zwanzigern einen ambulanten Milchhandel, verkauft Milch von Haus zu Haus. Später eröffnet er einen Milch- und Käseladen mit Produkten aus der Region. Der Vater von Christian Albrecht eröffnet dann vor rund 60 Jahren ein Edeka-Lebensmittelgeschäft, das 1994 geschlossen wird. Fast 20 Jahre sind dann zunächst eine Woolworth und dann eine Schleckerfiliale in dem Ladengeschäft mit rund 300 Quadratmetern Verkaufsfläche.

Eröffnung vor zehn Jahren

„Sepp’s Laden, klein und fein“ wird dann vor zehn Jahren gänzlich neu gestaltet. Mit einem Sortiment von 4000 Artikeln, die zu denselben Preisen wie im großen Edeka-Markt verkauft werden. „Wir haben noch nie schwarze Zahlen geschrieben, ein Laden in dieser Größe ist an diesem Standort nicht wirtschaftlich“, ist heute die erstaunliche Bilanz von Christian Albrecht. 10.000 bis 15.000 Euro habe er pro Jahr draufgelegt. „In schlechten Jahren waren es auch mal bis zu 50.000 Euro“, so Albrecht. Durchschnittlich kämen rund 300 Kunden pro Tag in den Laden, die im Schnitt für ungefähr zehn Euro einkaufen. Das reicht nicht, um schwarze Zahlen zu schreiben. „Wir haben lange überlegt, was wir tun sollen“, fasst Albrecht den Abschied von seinem „Kaufladen“ zusammen.

Sogar eine Lösung, bei der Roboter die Regale füllen und die Einkaufslisten zusammenstellen, ein Versuchsballon, den Edeka gerade in Baden-Württemberg gestartet hat, ist im Gespräch. Aber die Investition sei zu hoch und das System noch zu langsam, so Albrecht. Zudem stehe ein Umbau im Edeka-Markt in der Kapellerstraße im kommenden Sommer ins Haus. Für den Kaufmann gibt es nach zehn Jahren in den heutigen Zeiten des Strukturwandels keine Alternative. Denn es gibt nicht nur einen Grund für die Schließung zum jetzigen Zeitpunkt. „Die Preiserhöhungen bei Lebensmitteln sind ein Grund, die Kunden kaufen mehr die Preiseinstiegswaren, also die billigsten“, so Albrecht. Das führe dazu, dass der Umsatz bei Edeka, der normalerweise steigen müsste, stagniere. „Die Discounter machen rund zehn Prozent Plus, bei uns stagniert es, die Kunden sparen deutlich“, ist seine Erfahrung.

Es fehlt auch an Personal

Dazu kommen die Energiepreise für die Edeka-Märkte, von denen er noch gar nicht genau weiß, wie die Rechnung aussehen wird. „Rund 170.000 Euro mehr für Strom pro Markt würden ohne Strompreisbremse anfallen, geschätzt 40.000 werden es auch mit der Bremse sein“, lautet Albrechts erste Kostenschätzung. Zudem müsse er in Sepp’s Laden eine hohe Summe investieren, unter anderem für neue Kühltheken. Und schließlich lasse es die personelle Situation kaum zu, sagt er. „Wir haben im Laden fünf Angestellte, zwei gehen in Rente“, so Albrecht. Edeka habe gute Mitarbeiter, aber sowohl mit Neueinstellungen als auch mit dem Nachwuchs, den Edeka selbst ausbilde, sei es ganz schwierig. „Wir müssen aus vielen Gründen anfangen zu sparen“, bedauert Albrecht. Und dazu gehört auch die Schließung seines „privaten Kaufladens“.

„Es ist der Strukturwandel, auch in Bad Bergzabern, für mich ist es ist ein Stück Abschied, es ist traurig, aber wir müssen weiterdenken“, sagt er. Und er zeigt als Erinnerung an ganz andere Zeiten auf seinem Smartphone die Eröffnung der Fußgängerzone, die sei Vater Anfang der 80er-Jahre gefilmt hat. Fröhliche Menschenmassen mit bunten Luftballons, die das Ereignis feiern. Was aus „Sepp’s Laden“ wird, steht derzeit noch in den Sternen.

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