Bad Bergzabern RHEINPFALZ Plus Artikel Senioren-Wohnpark: „Sorglos wohnen“ war einmal

Park-Leiterin Natalie Schwöbel und Martin Schmitt, einer der Geschäftsführer der neuen Betreibergesellschaft, wagen einen erneut
Park-Leiterin Natalie Schwöbel und Martin Schmitt, einer der Geschäftsführer der neuen Betreibergesellschaft, wagen einen erneuten Neustart für die Seniorenresidenz in Bad Bergzabern.

Der Senioren-Wohnpark in Bad Bergzabern hat einen neuen Betreiber. Die Wohnungseigentümer übernehmen selbst das Ruder. Sie stehen vor einem Scherbenhaufen.

Plötzlich steht ein Mann vor der Tür und erklärt, er sei gekommen, um das Gas abzustellen. Wie ernst es ihm ist, verdeutlicht er mit einem großen Vorhängeschloss, das er als Antwort auf die Nachfrage des verdutzten Hausherren aus seiner Tasche zieht. Nein, diese Szene ist nicht fiktiv. Sie spielt auch nicht am 1. April – der steht ja erst noch vor der Tür –, ist kein schlechter Scherz. Anfang des Monats ist dieses Horrorszenario tatsächlich eingetreten, und zwar im Senioren-Wohnpark in Bad Bergzabern.

Der erwähnte Hausherr ist Martin Schmitt. Genauer gesagt ist er einer von mehreren Hausherren. Denn zum 1. März hat eine neue Betreibergesellschaft, die Wohnpark Südliche Weinstraße GmbH mit den Geschäftsführern Schmitt und Gregor Zenkner, die Anlage mit 61 betreuten Wohnungen, zwei Pflege-Wohngemeinschaften und 16 Tagespflegeplätzen übernommen. Im Gebäudekomplex im Südwesten der Kurstadt gibt es also wieder einmal einen Neustart, den mittlerweile dritten seit der Eröffnung im Oktober 2021.

Mit sorglosem Wohnen ist es schnell vorbei

Die wechselvolle Geschichte der Einrichtung in der Tischbergerstraße wird bei einem Besuch vor Ort schnell deutlich. Auf dem Schild am Haupteingang steht „Convivo Parks – Leben, wie ich bin.“ Es stammt aus der Anfangszeit und weist auf den ursprünglichen Betreiber, die Convivo GmbH aus Bremen, hin. „Sorglos wohnen“ lautete damals das Versprechen an Personen, die mindestens 60 Jahre alt sind oder Pflegestufe eins haben. Nur sie durften – und dürfen bis heute – einziehen. Eine Wohnung kaufen kann hingegen jeder, der sein Geld in Immobilien anlegen möchte. Die Eigentümer vermieten die Wohnung an den Betreiber, der die Appartements wiederum an ältere Menschen weitervermietet.

Mit dem sorglosen Wohnen war es allerdings schon bald zu Ende. Im Januar 2023, also nur gut ein Jahr nach der Eröffnung des Wohnparks, musste die Convivo-Unternehmensgruppe Insolvenz anmelden. Bewohner, Eigentümer und Pflegepersonal blickten also allesamt in eine ungewisse Zukunft. Entsprechend groß war die Erleichterung im Juni 2023, als sich mit der wenige Monate zuvor gegründeten Levantus AG aus Bielefeld ein neuer Betreiber vorstellte. Von dieser Episode – mehr als das sollte es auch nie sein, wie sich schon bald herausstellte – zeugen die Schilder an den Wohnungen, auf denen noch heute der Levantus-Schriftzug aufgedruckt ist.

Nie den Optimismus verloren

„Levantus war Chaos pur“, sagt Natalie Schwöbel heute. Die Park-Leiterin blickt auf acht Monate unter dem einst hoffnungsfroh begrüßten Betreiber zurück, in denen nichts lief. Wartungen für Aufzüge und sogar für die Feuerlöscher im Haus wurden nicht in Auftrag gegeben, Rechnungen wurden reihenweise nicht bezahlt. Auch die rund 40 Mitarbeiter schauten in die Röhre. Das Grundgehalt sei immer gezahlt worden, erzählt Schwöbel. Das Weihnachtsgeld sei jedoch von November auf Dezember verschoben worden – und schließlich nie ausbezahlt worden. Denn Ende des vergangenen Jahres meldete die Levantus AG Insolvenz an.

Damit begann das Hoffen und Bangen für die Menschen, die mit dem Senioren-Wohnpark in Bad Bergzabern zu tun haben, wieder von vorne. Den Optimismus hat auch nach diesem zweiten Nackenschlag binnen weniger Monate niemand verloren. Von den Bewohnern ist keiner ausgezogen, und auch das Personal blieb dem Wohnpark treu. „Das wird schon gut gehen, wir stehen das zusammen durch“, beschreibt Schwöbel das Meinungsbild in ihrem Team während der vergangenen Monate. Nur drei hätten von 44 hätten gekündigt. Allerdings, wusste jeder: Wenn sich bis zum 1. März – an diesem Datum wurde das Insolvenzverfahren gegen die Levantus AG eröffnet – kein neuer Betreiber findet, gehen die Lichter aus.

Die Katastrophe kann verhindert werden

Was das bedeutet, zeigt ein Blick ins Ruhrgebiet. In Recklinghausen hatte Levantus eine ähnliche Einrichtung wie in Bad Bergzabern betrieben. Weil kein Nachfolger gefunden wurde, mussten über 50 Bewohner Ende Februar Knall auf Fall aus der Seniorenresidenz ausziehen. Alle Mitarbeiter der Einrichtung erhielten die Kündigung – eine Katastrophe.

Dass die in Bad Bergzabern verhindert werden konnte, liegt in erster Linie an den Eigentümern der Wohnungen. In einer Versammlung erteilte sie sechs Personen aus ihrem Kreis das Mandat, nach einem neuen Betreiber zu suchen. „Wir haben 30 bis 40 potenzielle Betreiber angeschrieben“, erzählt Schmitt. Viele hätten erst gar nicht geantwortet, einige direkt abgewinkt. Am Ende gab es nur einen Bewerber, der sein Konzept den Eigentümern vorstellte. Wirklich überzeugend kann das nicht gewesen sein, denn die Versammlung entschied sich einhellig für Lösungsvariante zwei: Die Eigentümer gründen eine eigene Gesellschaft und übernehmen selbst das Ruder.

Eine Buchhaltung des vorherigen Betreibers gibt es nicht

„Wir haben die Katze im Sack gekauft“, sagt Martin Schmitt. Der Co-Geschäftsführer der Wohnpark Südliche Weinstraße GmbH und seine Kollegen stehen vor einem riesigen Scherbenhaufen. „Wir haben keine einzige zuverlässige Zahl vom vorherigen Betreiber.“ Auch der Insolvenzverwalter könne nicht weiterhelfen, weil auch er so gut wie nichts in der Hand hat. Bücher, aus denen etwas herausgelesen werden könnte, gibt es schlichtweg nicht. Das Ergebnis sind unter anderem solche Besuche wie die des Mannes, der den Gashahn abdrehen wollte. Schmitt konnte dieses Horrorszenario gerade noch verhindern, sodass niemand im Kalten sitzen musste. Weitere unangenehme Überraschungen kann er nicht ausschließen.

Jedenfalls beginnen die fünf Gesellschafter mit Zenkner und Schmitt an der Spitze bei null. „Wir arbeiten jetzt Listen ab“, sagt Schmitt. Darauf stehen all die Dinge, von denen bekannt ist, dass sich monatelang niemand darum gekümmert hat – Stichwort Feuerlöscher- und Aufzugswartung, um nur ein Beispiel zu nennen. Froh ist er darüber, dass „wir uns nicht um die Pflege kümmern müssen“. Das übernimmt Schwöbel, die der Einrichtung seit Tag eins die Treue hält. Schmitt selbst ist Rentner und bringt aus seinem Berufsleben einen betriebswirtschaftlichen Hintergrund mit. Mit Pflege habe er noch nie etwas zu tun gehabt, sagt er. Ebenso wenig seine Mitstreiter.

Neue Betreiber wollen Einrichtung stabilisieren

In erster Linie gehe es nun darum, das Tagesgeschäft abzuwickeln, sagt Schmitt. „Wir versprechen nichts“, betont er. Man sage nur zu, dass „wir alles prüfen und unser Bestes versuchen“. Als Ziel gibt er aus, eine stabile Einrichtung zu haben, auch dann, wenn es mal etwas stürmischer sei. „Es geht ja auch um unser Geld“, sagt Schmitt, um zu unterstreichen, dass nun endlich vernünftig gewirtschaftet werden soll. Als finanziellen Grundstock habe man von den Eigentümern eine Einlage in Höhe eines sechsstelligen Eurobetrags in der Hinterhand.

Die erste Großbaustelle, die die neuen Betreiber angehen möchten, ist das Marketing. Kurz gesagt soll die Werbetrommel gerührt werden, um den Wohnpark Südliche Weinstraße bekannt und „die Bude vollzumachen“. Denn daran hapert es bislang. Die 61 Wohnungen sind laut Schwöbel derzeit zu 80 Prozent ausgelastet, die Tagespflegeplätze nur zu 50 Prozent und die zweite Pflege-WG, für die es bereits eine Warteliste gibt, ist noch nicht vollends bezugsfertig.

Ob in der Einrichtung in der Tischbergerstraße nun endlich Ruhe einkehren wird, wird sich zeigen. „Natürlich ist eine gewisse Zurückhaltung da“, bekennt Schwöbel nach den bitteren Erfahrungen der Vorjahre. Die Park-Leiterin sagt aber klipp und klar: „Ich schaue für die Einrichtung in eine gute Zukunft.“

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