Kreis Südliche Weinstraße Selbstbestimmt leben
Seit Anfang März ist die Edith-Stein-Fachklinik in Bad Bergzabern die einzige Einrichtung in der Südpfalz für geriatrische Rehabilitation. Ziel ist es, den Patienten, möglichst lange ein selbstständiges Leben zu ermöglichen, ohne auf Pflege angewiesen zu sein. 55 der 240 Betten stehen für Patienten ab 70 Jahren zur Verfügung. Damit ist die Klinik jetzt nicht nur Fachklinik für Orthopädie und Neurologie, sondern auch für Geriatrie.
Ein Barren – wie im Turnunterricht – steht im Flur der Abteilung fünf, in der die Reha-Patienten der Edith-Stein-Fachklinik untergebracht sind. Er soll aber nicht an die sportlichen Leistungen der Jugend erinnern, sondern dient als Therapiegerät zum Laufen und für die Koordination. 37 Fachkräfte arbeiten in der geriatrischen Reha-Abteilung. Der Chefarzt der altersmedizinischen Abteilung, Karl-Heinz Müller, kam mit viel Erfahrung in der Altersmedizin im vergangenen Jahr nach Bad Bergzabern. Er schildert den typischen Fall eines Patienten: „Ein alter Mensch stürzt, zieht sich einen Oberschenkelhalsbruch zu und kommt dann zu uns in die Reha.“ Der Patient höre und sehe zudem schlecht, seine Ernährung sei nicht optimal, er habe Diabetes und Funktionseinschränkungen im Alltag. In der Klinik werde zunächst eine Beurteilung des Patienten vorgenommen, die sich aus Tests und Untersuchungen zusammensetze, sagt Müller. Dann werden im Team zusammen mit dem Patienten die Ziele der Behandlung formuliert. „Unter anderem gehören Ernährungstherapeuten, Ergo- und Physiotherapeuten, Sprach- und Schlucktherapeuten und Psychologen zum Team, ein alter Mensch braucht eine andere Behandlung als ein junger“, erläutert Oberärztin Fiona Kullick. „Wie erheben Messwerte, zum Beispiel wie der Patient gehen kann oder wie viel Kraft er hat. Das wird in einem Punktesystem bis 100 Punkte festgehalten“, erklärt Oberarzt Thorsten Fischer. Einig sind sich alle drei Internisten und Altersmediziner, dass die Patienten nach der Reha deutlich besser dastehen als zuvor. „Auch nach allgemeinen Studien gewinnen sie 20 oder mehr Punkte“, sagt Müller und schildert die drei Wege, um Patienten aufnehmen zu können. Erstens: Sie kommen aus einem Krankenhaus mit der Kostenzusage der Krankenkasse. Zweitens: Reha geht vor Pflege, das heißt, vor der Einstufung in eine Pflegestufe muss die Möglichkeit einer Rehabilitation geprüft und eventuell veranlasst werden. Als dritte Möglichkeit können Hausärzte einen Aufenthalt in der geriatrischen Reha beantragen. Die Fachärzte in der Edith-Stein-Klinik sehen die Behandlung alter Menschen als erfüllend an. „Wenn Patienten die Hoffnung haben, wieder selbstständig leben zu können, empfindet man große Dankbarkeit“, sagt Thorsten Fischer, der seit 2013 Arzt in der Klinik ist. „Bei einem Zertifizierungsverfahren hat sich die Edith-Stein-Fachklinik im Dezember 2016 qualifiziert und das Qualitätssiegel ,Geriatrische Rehabilitation Rheinland-Pfalz’ erhalten“, betont der kaufmännische Direktor der Klinik, Jens Schinske. Die aktuellen Zahlen zeigten den hohen Bedarf für die Versorgung von geriatrischen Patienten. 2020 seien rund 23 Prozent der in Rheinland-Pfalz lebenden Menschen älter als 65 Jahre, der Anteil der über 80-Jährigen liege bei mehr als sieben Prozent. „Wir haben uns mit einer zukunftsweisenden neuen Ausrichtung rechtzeitig auf den Weg gemacht, um auf diese Entwicklung in der Südpfalz reagieren zu können“, sagt Schinske.