Herxheim
„Selbst Eltern heizen durch die Käsgasse“
Familie Wasella kaufte vor etwa zwei Jahren ein Haus in der oberen Hälfte der Käsgasse, dieser Teil der Gasse war damals noch eine Anliegerstraße. Die Käsgasse ist eine Seitenstraße, die von der Unteren Hauptstraße abgeht, also von der Hauptverkehrsstraße, die durch Herxheim führt. Begegnungsverkehr ist erlaubt, obwohl die Käsgasse eigentlich zu schmal dafür ist. Seit aus der engen Gasse eine Spielstraße wurde, „herrscht hier reger Verkehr und die Autos fahren meist viel zu schnell. Anstatt in erlaubter Geschwindigkeit von sieben Stundenkilometern, heizen viele mit 50 durch“, ärgert sich Benedikt Wasella. Das Spielstraßenschild wird einfach übersehen, da es 2,80 Meter hoch hängt, „damit das Müllauto durchfahren kann“. Diese Begründung erhielt Wasella auf Nachfrage von der Gemeinde.
„Die Käsgasse wird als Abkürzung zur Grundschule genutzt. Ich finde es schlimm, dass auch die Leute, die eigene Kinder haben, keine Rücksicht nehmen. Auf dem Hinweg fahren sie noch langsam, doch wenn sie die Kinder abgesetzt haben, heizen sie“, sagt Wasella. Problematisch sei, dass die Käsgasse auf beiden Seiten keinen Gehweg habe. „Sobald mein Kind einen Schritt aus dem Hof läuft, steht es auf der Straße.“ Passiert sei bisher zum Glück noch nichts, aber ein Ball sei platt gefahren worden. Die Familien leben in ständiger Angst um die Sicherheit ihrer Kinder.
Aus Verzweiflung Wimpelkette aufgehängt
Aus Verzweiflung über die Situation haben sie Wimpelketten aufgehängt, die die Straße überspannen. „Damit man sieht, dass hier Kinder leben“, erklärt Sabrina Wasella. Noch lieber wäre der zweifachen Mutter, auf der Straße würden Symbole aufgemalt, weiße Männlein, und zusätzlich noch Holzfiguren aufgestellt, wie es auch bei der Zufahrt zur Habertsgasse der Fall ist. Eine andere Idee wäre, im oberen Teil der Käsgasse Temposchwellen, sogenannte Poller, auf der Straße zu fixieren, wie es auch im unteren Teil der relativ langen Gasse geschah.
„Begegnungsverkehr geht hier eigentlich gar nicht, dafür ist die Käsgasse viel zu schmal.“ Benedikt Wasella wünscht sich eine Einbahn- oder Anliegerstraße – oder besser noch – eine Sackgasse. „An der Klingbach-Brücke könnte die Straße einfach zugemacht werden.“ Bis jetzt haben Wasellas an ihrem Haus noch kein Hoftor. „Wir wohnen seit zwei Jahren hier, und es ist immer noch teilweise eine Baustelle. Das Hoftor wird noch kommen.“ Die Familien weisen aber darauf hin, dass in Neubaugebieten auch meist keine Hoftore an den Häusern sind, da dies eigentlich in Spielstraßen nicht notwendig sei. „In einer Spielstraße haben Fußgänger immer Vorrecht.“
Verkehrszählung in den Sommerferien
Bahar Atal wohnt etwa mittig in der Käsgasse, wo sich Poller auf der Straße befinden und eine Tempo-30-Zone beginnt. Ihr Haus ist Start und Ziel der Spielstraße, „da, wo die Spielstraße endet, hört mein Grundstück auf, bei uns ist es am gefährlichsten, weil die Leute dann so richtig aufs Gas treten. Jeder denkt, es wäre eine Abkürzung und heizt durch.“ Dabei kaufte Familie Atal das Haus unter anderem, da es in einer Spielstraße liegt und der Schulweg kurz sei.
Die Straße sei noch eine Anliegerstraße gewesen, als er das Haus kaufte, berichtet Wasella. Der jetzige Zustand sei seiner Meinung nach eine Wertminderung. Weiter unten in der Straße leben Menschen mit Beeinträchtigung. „Auch für sie ist die Situation gefährlich“, bemerkt Atal. Zu dem regen Verkehr kommen die Autos der Sozialstation, die sich, laut Wasella, meist ebenfalls nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten. Verkehrszählungen wurden angekündigt, durchgeführt und bewirkten, dass die Straße in dieser Zeit schwächer frequentiert war. „Die Zählungen waren in den Sommerferien, also in der Ferienzeit. Das ist eine Unverschämtheit“, sagt Wasella. Er wünscht sich, dass die Bürgermeisterin sich einmal morgens um halb acht bei ihm in den Hof stellt und die Autos an sich vorbeirasen sieht. Wenn jemand von Rang und Namen in der Käsgasse wohnen würde, wäre die Situation schon längst geändert worden, vermutet Wasella.
Keine Mehrheit für Einbahnstraße
Bürgermeisterin Hedi Braun möchte sich aufgrund der langen Vorgeschichte und der Komplexität des Themas nicht äußern und verweist an Klaus Knoll, den Fachbereichsleiter für Ordnung und Soziales in der VG-Verwaltung. Knoll berichtet, dass die Verkehrsregelung in der Käsgasse in den vergangenen Jahren wiederholt vom Ortsgemeinderat und der Straßenverkehrsbehörde beraten wurde. Ein weiteres Ehepaar aus der Käsgasse wollte 2018 die Bewilligung für eine Einbahnstraße erreichen. Damals lehnte die Mehrheit der Bewohner ab. Unabhängig davon würden durch eine Einbahnstraße die Anwohner anderer Straßen, beispielsweise des Badstubenweges, mehr Verkehr erhalten. Alle Klagen des Ehepaares wurden vom Verwaltungsgericht Neustadt abgewiesen, „somit unsere Rechtsauffassung bestätigt. Die Straßenverkehrsbehörde sieht keinen Handlungsbedarf“, sagt Knoll.
Dieser Beschluss ist aus dem Jahre 2018. „In diese Straße werden noch mehr Familien mit Kindern ziehen“, vermutet Wasella. Die älteren Generationen, die derzeit noch die Überzahl in der Käsgasse darstellen, werden in den nächsten Jahren vermutlich von jungen Familien abgelöst.