Annweiler / SÜW RHEINPFALZ Plus Artikel Schulsanitätsdienst: Schon vierte Schule im Kreis dabei

Ausbilder Andreas Matz erklärt den Schülern an einer Übungspuppe die Wiederbelebung.
Ausbilder Andreas Matz erklärt den Schülern an einer Übungspuppe die Wiederbelebung.

Jemand ist verletzt oder erleidet einen Herzstillstand. Was ist zu tun? Das haben gerade Annweilerer Realschüler erlernt. In der Trifelsstadt geht am Mittwoch die vierte Schulsanitätsdienst-Gruppe im Landkreis an den Start. Weitere sollen folgen.

We are all in a yellow submarine ... „Wenn ihr den Beatles-Song vor euch hinsummt, habt ihr den richtigen Rhythmus drauf beim Drücken.“ Andreas Matz vom Deutschen Roten Kreuz weiß, was er sagt. Mit Schülerinnen und Schülern kniet er auf dem Fußboden der Bibliothek in der Realschule plus in Annweiler. Er übt mit ihnen Reanimation bei Herzstillstand. Die Runde ist gespannt um einen nachgeformten Torso eines männlichen Oberkörpers mit aufsetzbarem Kopfteil versammelt.

„Ihr kniet euch dicht seitlich am Körper, setzt einen der Handballen in der Mitte einer gedachten Linie zwischen den Brustwarzen auf die Brust, fixiert die Hand mit der anderen, beugt euch über den Körper und drückt mit beiden Armen den Brustkorb ruckartig nach unten, fünf bis sechs Zentimeter tief“, erklärt Matz, der als Ausbilder beim DRK Landau fast täglich Erste-Hilfe-Kurse leitet. Doch nicht immer sind die Teilnehmer so jung wie diesmal. An der Schule haben sich spontan 28 Freiwillige der Klassenstufen sieben bis neun gemeldet, um bei dem Grundkurs mitzumachen. Nach fünf Unterrichtseinheiten sind die Schüler für den Schulsanitätsdienst (SSD) befähigt. Am Mittwoch erhalten sie von Landrat Dietmar Seefeldt die Urkunden.

Herxheim, Maikammer und Edenkoben schon dabei

„Den SSD haben wir schon vor der Corona-Pandemie bei uns ins Leben gerufen“, berichtet Lehrerin Ute Sauer. „Nur konnten wir ihn wegen der Einschränkungen noch nicht durchführen.“ Sie und ihre Kollegin Nina Geisberger betreuen den SSD an der Realschule plus in Annweiler und organisieren die Abläufe der Ausbildung in Kooperation mit dem örtlichen Jugendrotkreuz, in dessen Räumen die Jugendlichen ihre Kenntnisse und praktischen Übungen vertiefen.

Solche Schulsanitätsdienste laufen bereits seit Längerem im Pamina-Schulzentrum in Herxheim sowie an den Realschulen plus in Maikammer und Edenkoben, wie DRK-Kreisgeschäftsführer Jürgen See berichtet. Annweiler ist das jüngste Mitglied. Man brauche dafür ein aktives Jugendrotkreuz und eine Schule, die Interesse habe, ist ihm bewusst. In der Trifelsstadt habe sich im Sommer ein Jugendrotkreuz gegründet, das die Schulausbildung unterstütze. „Wir wollen damit die Selbsthilfekompetenz der jungen Leute stärken.“ Denn oft wollten sie helfen, es hapere dann aber am Wissen, was im Notfall zu tun sei.

Auch Training mit Defibrillator

Im Mittelpunkt der Schulung steht die Wiederbelebung. Im Rhythmus von 100-mal pro Minute sollen die Schüler die Übungspuppe drücken – im Takt der Beatles-Melodie. Nach dem 30. Mal wird beatmet. Das übernimmt der Partner. Also Nase der Puppe zuhalten, zwei Atemstöße in den Mund, dann wird weitergedrückt. Nach zwei Minuten wird wegen der Anstrengung gewechselt. Solch eine Herzdruckmassage dürfe erst bei Herzstillstand ausgeführt werden, erklären die Ausbilder. Der Patient müsse vorher angesprochen, die Atmung kontrolliert und der Notruf abgesetzt werden.

Die Schüler sind eifrig bei der Sache. Die Lehrerinnen bescheinigen ihnen enorme Motivation. Es gibt sogar zwei Gruppensprecher, die den SSD nach außen vertreten, Malika aus der 9b und André, ihr Stellvertreter, aus der 9a und schon mit etwas Erfahrung bei der Jugendfeuerwehr. Natürlich sind sie auch dabei, als Matz an einem Übungsgerät die Funktion des automatisierten externen Defibrillators (AED) demonstriert. Dieses wichtige Gerät zur Wiederbelebung gibt über ein Metronom sogar den richtigen Takt für das Reanimieren vor.

Eigene Einsatzmaterialien

Die Schulsanitäter verfügen in der Annweilerer Schule über einen eigenen Sanitätsraum mit zwei Liegen und Schränken voller Einsatzmaterial. Dazu hat ihnen der DRK-Kreisverband ein reichhaltiges Start-Set geliefert einschließlich eines Notfallrucksacks und eines Erste-Hilfe-Pavillons etwa für Schulfeste. Die Sparkassenstiftung SÜW, vertreten durch Landrat Dietmar Seefeldt, der auch Präsident des DRK-Kreisverbands ist, sponsore den teilnehmenden Schulen mobile SSD-Versorgungscontainer, berichtet See. Ausgestattet würden die Schulen auch mit einem Defibrillator und einer Reanimationstrainingspuppe, macht er interessierten Schulen Mut mitzumachen. Die Annweilerer Schule hat über die Initiative „Retten macht Schule“ der Björn-Steiger-Stiftung kostenlos 15 Übungspuppen, einen Trainingsdefibrillator und einen sofort einsetzbaren Laiendefibrillator. Zudem bildet die Stiftung Lehrer in Reanimation aus, die ihrerseits ihr Wissen weitergeben an ihre Schüler als die Lebensretter von morgen.

„Unsere Schüler haben hier eine riesige Chance, Verantwortung zu übernehmen und ihr soziales Engagement zu stärken“, sind sich die beiden Organisatorinnen einig. Denn auch das Erstellen von Einsatzplänen oder die Nachbestellung von Material gehört dazu. Vor einer Woche sei die Leitung des Kreis-Jugendrotkreuzes neu gewählt worden. „Sie hat sich auf die Fahnen geschrieben, den SSD im Landkreis noch breiter aufzustellen“, berichtet See, der erste Entwicklungen für Frühjahr 2023 erwartet. „Wenn eine Schule Interesse hat, kann sie sich bei uns melden und wir vermitteln den Kontakt“, so der DRK-Kreisgeschäftsführer.

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