Billigheim-Ingenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Schreinerei Steigerwald arbeitet nachhaltig

Chef Peter Steigerwald und Schreinermeisterin Antje Grieß bei der Arbeit.
Chef Peter Steigerwald und Schreinermeisterin Antje Grieß bei der Arbeit.

Die Südpfalz ist gesegnet mit historischen Gebäuden, Fachwerkhäuser stehen in nahezu jedem Ort. An deren Sanierung traut sich nicht jeder Handwerker. Holztechniker Peter Steigerwald und sein Team schon. Die Firma aus Billigheim legt großen Wert auf eine nachhaltige Ausrichtung. Upcycling ist ihr Spezialgebiet.

Eine Altbau-Sanierung oder die Renovierung eines Fachwerkhauses sind immer auch eine Reise in die Vergangenheit. Nicht alle Materialien dürfen eingesetzt werden, nicht jede Idee ist umsetzbar. „Der Denkmalschutz ist da ein Riesenthema“, sagt Jana Steigerwald, Ehefrau des Chefs. „Aber wir prüfen alle Möglichkeiten und suchen nach einer passenden Lösung, natürlich nach den geltenden Vorschriften.“ Jana Steigerwald ist gelernte Industriekauffrau und ausgebildete Eventmanagerin. „Beim Thema Holz war ich Laie“, sagt sie. Obwohl sie das Handwerk auch früher schon fasziniert hat.

Weiter gestiegen ist ihr Interesse am Schreinerberuf, nachdem sie Holztechniker Peter Steigerwald kennengelernt hat. Lange Zeit hat Jana Steigerwald selbst jeden Tag in der Werkstatt mit angepackt. „Am Tag, bevor unser Sohn geboren wurde, habe ich noch an der Furnierpresse gestanden“, erzählt sie und muss schmunzeln. In einem Familienbetrieb geht es manchmal nicht anders. Gelegentlich hilft sie in der Werkstatt noch aus. Hauptsächlich ist sie aber fürs Marketing zuständig und pflegt die Firmenhomepage.

„Nachwuchssorgen kennen wird nicht“

2009 hat sich Peter Steigerwald als staatlich geprüfter Holztechniker selbständig gemacht. Zunächst hatte er nur einen Helfer, eine Werkstatt oder ein Büro gab es nicht. „In den ersten Jahren ist er mit einem alten Bus durch die Gegend gefahren und hat Aufträge angenommen. Er hat mit Möbelmontage begonnen“, erzählt seine Ehefrau. 2015 wurde dann die Werkstatt in der Industriestraße in Billigheim bezogen.

Eine Schreinermeisterin und einen Schreinermeister beschäftigt das Unternehmen, dazu kommen in der Regel noch ein bis zwei Auszubildende. „Nachwuchssorgen kennen wir nicht“, betont Jana Steigerwald. Eine wichtige Rolle in dem kleinen Unternehmen spielen Praktikanten. „Wir haben in der Regel immer Praktikanten, manche bleiben auch eine längere Zeit“, sagt Jana Steigerwald. Es sei sehr wichtig, intensiv in den Job hineinzuschnuppern, bevor man sich entscheide, eine Schreinerlehre zu beginnen. Die Steigerwalds versprechen ihren Praktikanten, dass sie richtig ins Tagesgeschäft eingebunden werden: „Nur zum Ausfegen der Werkstatt brauchen wir keinen Praktikanten.“ Für ein Unternehmen dieser Größe habe man überdurchschnittlich viele Auszubildende. „Das liegt daran, dass nicht jeder Auszubildende danach bei uns bleibt. Manche möchten ein Studium dranhängen, anderen machen im Anschluss ihren Meister.“

Upcycling als Gemeinschaftsprojekt

Upcycling ist das Spezialgebiet der Firma Steigerwald. „Das ist ein Gemeinschaftsprojekt von uns allen, das ich koordiniere“, sagt Jana Steigerwald, „wir müssen mit unseren Rohstoffen generell verantwortungsvoll umgehen.“ Beim Upcycling werden Abfallprodukte oder scheinbar nutzlose Stoffe in neuwertige Produkte umgewandelt. Ziel ist es, durch die Wiederverwertung von bereits vorhandenem Material die Verwendung von Rohstoffen zu reduzieren. Bei den Steigerwalds werden aus Holzresten oder Altholz individuelle Möbelstücke gefertigt, häufig ausgefallene. „Durch viele Altbauprojekte, die dort verwendeten Materialien, aber auch unsere generelle Einstellung zum Umgang unserer Ressourcen entstand das Upcycling“, betont Jana Steigerwald. Der Kreativität sind da kaum Grenzen gesetzt. „Wir schauen uns das übrige Material an und überlegen dann gemeinsam, was sich daraus machen lässt. Dazu treffen wir uns auch schon mal am Samstag in der Werkstatt. Wir haben hier eine Möglichkeit gefunden, Möbel oder Wohnaccessoires neu zu entwickeln“, erzählt Jana Steigerwald.

Einen weiteren Schub hat die Upcycling-Sparte durch Antje Grieß bekommen. Die Schreinermeisterin ist 2015 ins Unternehmen gekommen und hauptverantwortlich für den Möbelbau. Außerdem ist Grieß für den Bereich Raumkonzepte zuständig. „Wir legen großen Wert auf ein ganzheitliches Raumkonzept“, sagt Jana Steigerwald. Das unterscheidet das Unternehmen von vielen anderen Schreinerbetrieben. Natürlich werden auf Wunsch auch einzelne Möbelstücke hergestellt. „Aber wir entwerfen gerne Konzepte für einzelne Räume oder das ganze Zuhause.“ Dabei würden die bereits vorhandenen Möbel berücksichtigt, ebenso die verwendeten Farben und Materialien. Auch die komplette Neugestaltung eines Hauses wird übernommen.

Großes Interesse an Sanierung von Altbauten

Winzerhöfe gehören zu den Kunden, aber auch den Gastronomiebereich des 2017 eröffneten Bahnhofs Rohrbach hat das Unternehmen ausgebaut. „Die Budgetvorstellungen unserer Kunden spielen eine entscheidende Rolle“, sagt Steigerwald. Dass man vielleicht etwas tiefer in die Tasche greifen müsse, bestreitet die Chefin nicht. „Ich denke, unsere Kunden entscheiden sich bewusst für einen regionalen Schreinerbetrieb, der individuell berät und entsprechende Lösungen anbietet.“ Die Besitzer von Altbauten kaufen eher selten in einem großen schwedischen Möbelhaus ein. Es gebe Punkte, die Kunden wichtig seien, und andere, die eher nebensächlich seien, auf diesem Weg könne der Budgetrahmen eingehalten werden.

„An der Sanierung von Altbauten haben wir großes Interesse“, betont Jana Steigerwald. Und auch inzwischen viel Erfahrung. „Wir berücksichtigen dabei die historischen Vorlagen. Altbausanierung ist sehr zeitaufwendig, aber es lohnt sich“, meint die Chefin. Aber allein von Altbausanierung kann das Unternehmen nicht leben. „Wir bestreiten die komplette Angebotspalette einer Schreinerei, vom Bau einer Treppe bis zum Einbau von Fenstern und Türen.“

Info

www.holztechnik-steigerwald.de
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