Bad Bergzabern RHEINPFALZ Plus Artikel Schreibwaren Herzog schließt nach knapp 90 Jahren

Margit Christmann arbeitete fast 43 Jahre in Rolf Herzogs Schreibwarenladen.
Margit Christmann arbeitete fast 43 Jahre in Rolf Herzogs Schreibwarenladen.

Die Kurstadt muss einen großen Verlust hinnehmen. Schreibwaren Herzog schließt Ende Januar nach knapp 90 Jahren. Weit und breit gibt es kein Geschäft mehr mit diesem Sortiment. Am Personal liegt es nicht.

Tausende von Einzelartikeln gab es bei Schreibwaren Herzog in der Königstraße, zwischen dem historischen Gasthaus Engel und dem Schloss. Von der Heftklammer bis zum edlen Füller, Hunderte von Papieren aller Größen und Qualitäten, Ordner, Schreibwaren, Geschenk- und Briefpapier, Quittungsblöcke und Haushaltsbücher. Ein Fachgeschäft eben, mit Fachberatung. Jetzt schließen sich die Türen endgültig.

„Es war vorher schon mäßig, aber in den vergangenen drei Jahren ging der Umsatz um rund 35 Prozent zurück, seit mindestens drei Jahren schreiben wir rote Zahlen“, sagt der Besitzer des Geschäfts mit einer Verkaufsfläche von rund 150 Quadratmetern, Rolf Herzog. Das Einkaufsverhalten habe sich grundsätzlich durch das Internet geändert, die Pandemie habe dem Geschäft dann den Todesstoß versetzt, ist seine traurige Bilanz. Er ist 1946 in diesem Haus geboren, das jetzt zum Verkauf steht. Das kleine Büro im Geschäft, in dem das Gespräch mit der RHEINPFALZ stattfindet, war einst die Küche seiner Tante Lina.

Ein Mehrgenerationen-Unternehmerhaus

1924 hat die Familie den um 1900 errichteten Gebäudekomplex gekauft. Der Küche von Tante Lina schloss sich das Wohnzimmer an, dann der Lebensmittelladen, den sie damals geführt hat. Später kam der Papierwarenladen dazu, den die Mutter von Rolf Herzog, Edith Herzog, geführt hat. Ein Mehrgenerationen-Unternehmerhaus, in dem auch alle unter einem Dach wohnten. Und in dem auch die Druckerei Pfeifer und Weßbecher gegründet wurde, Hermann Pfeifer war der Großvater von Rolf Herzog, Hermann Weßbecher der Schwager des Großvaters.

Die Druckerei Ecke Luitpold-/Weinstraße wurde 1924 gegründet und hatte zwischenzeitlich 100 Angestellte. Rolf Herzog hatte zunächst nicht viel mit Papierwaren oder der Druckerei zu tun, er studierte in Saarbrücken Betriebswirtschaft, kam aber 1974 in die Heimat zurück, um der Druckerei aus schwierigem Fahrwasser zu helfen. Heute hat er einen eigenen Betrieb in Rohrbach, den er zusammen mit seinem Cousin Volker Pfeifer aufgebaut hat: „Wir machen alles, was klebt, Etiketten für Lebensmittel und Wein und Etiketten für die Industrie.“

Mitarbeiterin seit 43 Jahren im Geschäft

Der Schreibwarenladen wurde bis vor 15 Jahren von seiner Mutter Edith geführt, die bis 2007 im Haus gewohnt hat. Und dort auch ihren Mann, Gerd Herzog, kennengelernt hat. Als Kunden vor vielen Jahrzehnten. Vor 43 Jahren spricht Edith Herzog die damals 18-jährige Margit Christmann an, um sie als Hilfe im Geschäft zu gewinnen. Sie hat ja gesagt und ist geblieben. „Sie war die Chefin in den vergangenen 15 Jahren“, ist das große Lob von Rolf Herzog. „Es hat mir Spaß gemacht, ich habe es gerne gemacht“, sagt Margit Christmann, der der Abschied nach fast 43 Jahren nicht leicht fällt. Sie kennt jeden Artikel im Geschäft und braucht keinen Computer, um zu sehen, was fehlt und nachbestellt werden muss. Und wenn es nur ein Bleistift ist. Sie hat schon die Mütter der Kinder bedient, die heute mit ihren Kindern kommen. „Sie war die Seele des Geschäfts, eigentlich war es ihr Laden“, sagt ihr Chef, der sich noch gut erinnern kann, dass er und seine Geschwister nicht üppig mit Schreibwaren ausgestattet wurden, nur weil sie einen Papierwarenladen hatten. Sparsamkeit war oberstes Gebot.

Das Geschäft sei bis in die 90er-Jahre richtig gut gelaufen, auch mit damals weiteren Festangestellten. „Der durchschnittliche Einkaufswert pro Kunde betrug 3,50 Euro, starke Monate waren der Schulanfang und Weihnachten“, blickt Rolf Herzog heute zurück. Seit Anfang Januar wird jetzt alles zum halben Preis verkauft. „Die ersten beiden Januartage standen die Leute auf der Straße Schlange, wir mussten teilweise abschließen“, erinnert sich Margit Christmann. Zumindest bot ihr der Ansturm keine Zeit zum Nachdenken. „Ich gehe mit Wehmut, ich habe mein Leben hier verbracht, viele kennen mich von Anfang an“, sagt sie heute. Bei Rolf Herzog sind es gemischte Gefühle. „Einerseits ist es Nostalgie wegen unserer langen Familientradition, andererseits aber auch Erleichterung“, sagt er. Und glaubt, dass es eine Belebung der Innenstadt mit Inhaber geführten Geschäften nicht mehr geben wird.

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