Bad Bergzabern
Schüler unterstützen beim Umbau der Druckerei zum Sozialzentrum
Mit Schmackes bringt Phillip die Trennwände der Alten Druckerei in Bad Bergzabern zum Einsturz. Dort sollen Wohnungen für Obdachlose und für Menschen mit Rollstuhl gebaut werden, weiß er. Und das findet er gut. Mit von der Partie sind an diesem Freitag auch Ashlee, Max, Simon und Guylord, alle 16 Jahre alt. Und ihre Lehrer Peter Jung und Sandro Marinelli, die ebenfalls mit anpacken. Nach einem Frühstück, das das protestantische Dekanat spendiert hat, geht es los.
Der Vorschlaghammer ist an diesem ersten Projekttag das Werkzeug, das am meisten gebraucht wird. „Es macht ziemlich viel Spaß“, findet Ashlee. Sie weiß, dass im Erdgeschoss der Alten Druckerei ein Sozialkaufhaus entstehen soll und im Obergeschoss ein Jugendraum. Sie kann sich vorstellen, später bei den Projekten ehrenamtlich mitzuhelfen. „Meine Oma hilft im Möbellager“, erzählt sie. Max haut ebenfalls kräftig drauf. Ob der morgen Muskelkater haben wird? Er lacht. Nee, meint er, zu Hause helfe er im Winzerbetrieb mit. Auch Guylord hat keine Probleme, mit dem schweren Hammer draufzuhauen. „Ich schraub’ gern an Autos rum“, erzählt er.
Projekt Alte Druckerei langfristig angelegt
„Es ist die Klasse 10 BO der Realschule plus, die an diesem Projekt teilnimmt“, erzählt Lehrer Peter Jung. BO steht für Berufsorientierung. 13 Schulen in Rheinland-Pfalz haben diese Form des Schulabschlusses, die aus drei Tagen Unterricht und zwei Tagen Praktikum in der Woche besteht. In der Realschule plus in Bad Bergzabern sind zehn Schüler in dieser Klasse, die ihr Praktikum in der Alten Druckerei machen werden. „Die Berufsorientierungsklassen, auch bekannt als ,Keiner ohne Abschluss’, laufen schon im elften Jahr erfolgreich“, zieht Peter Jung Bilanz.
Auch die Allgemeinheit zieht Nutzen daraus. Der Sinnesgarten in der „Pro Seniore“-Residenz oder Arbeiten im Freibad der Kurstadt waren schon Projekte von Schülern. „Zwei Tage vor den Schulschließungen haben wir noch eine Streuobstwiese im Kurpark angelegt“, erinnert sich Jung. Und wie fiel die Wahl nun auf die Alte Druckerei? Er habe mit der Leiterin des Hauses der Familie, Helga Schreieck, gesprochen. So sei die Idee entstanden, das jetzige Praktikum dort zu machen. Diesmal als langfristiges Projekt, denn auch die Folgeklassen sollen am Entstehen des „Zentrums für Zusammenleben und Nachhaltigkeit“ mitwirken. Nach einem Besichtigungstermin und der Vorstellung des Gesamtkonzepts vor den Ferien wurde zunächst ein Tag lang entrümpelt. In den kommenden Wochen werden die Schüler zunächst jeden Freitag in der Alten Druckerei arbeiten danach mindestens zweimal im Monat.
Sozialkaufhaus, Wohnungen und Co. geplant
Im August vergangenen Jahres hat die protestantische Kirchengemeinde das massive Industriegebäude an der Ecke Luitpold- und Weinbergstraße gekauft. 1700 Quadratmeter Nutzfläche und ein kleiner Grünflächenbereich sollen zu ganz neuem Leben erweckt werden. Entstehen soll ein Sozialkaufhaus, in dem Menschen für kleines Geld Möbel, Haushaltwaren und Kleidung kaufen können. Geplant ist auch ein Bistro als Begegnungszentrum, in dem Lebensmittel, die ansonsten entsorgt würden, verwendet werden. Zudem werden kleine Appartements gebaut für Menschen mit Handicap und kleinem Geldbeutel, um ihnen die Möglichkeit zu geben, selbstständiges Wohnen auszuprobieren. Ein kleiner Waschsalon, ein Raum für die Jugend und eine Möglichkeit, Obdachlose vorübergehend unterzubringen, sind ebenfalls vorgesehen. Baubeginn soll im Frühjahr sein.
Dekan Dietmar Zoller ist am ersten Projekttag der Schüler und seinem letzten Urlaubstag auch dabei und reißt mit Begeisterung Wände ein und die alte Elektrik raus. „Es ist lange her, aber zum Abreißen reichts noch“, sagt er lachend, auf seinen ersten Beruf als Elektriker angesprochen. Er findet es klasse, dass die Schule das Projekt so tatkräftig unterstützt. Denn es sei ein Projekt für alle Generationen. Einer der erwachsenen Helfer und Mitkoordinator der Arbeiten ist Rentner Willi Rincker, der sich entschlossen hat, ehrenamtlich mitzuarbeiten. „Ich bin beeindruckt und positiv überrascht“, freut er sich über den tatkräftigen Einsatz der Jugendlichen.
Unbekannter entsorgt Sondermüll auf Gelände
Koordinator für die Einsätze in der Alten Druckerei ist der Seniorenbeauftragte des protestantischen Dekanats, Rainer Brunck. Für ihn kamen die Abrissarbeiten gerade recht. „Das baut Aggressionen ab“, sagt er. Denn die hat er gleich am Freitagmorgen, als er in den vermeintlich leeren Container schaut, der mit dem Bauschutt gefüllt werden soll. Dieser ist nämlich nicht mehr leer, sondern mit sage und schreibe 15 schwarzen Müllsäcken gefüllt. Alle voll mit Glaswolle. „Ich bin entsetzt, das ist unverschämt“, findet Brunck. Denn der Sondermüll stammt nicht aus der Alten Druckerei, sondern wurde von einem Unbekannten entsorgt. „Rechtlich ist es jetzt unser Müll, den wir entsorgen müssen. Er ist auf unserem Grundstück, damit sind wir zuständig“, ärgert sich Brunck. Zudem sei es Sondermüll, und das werde teuer. Die Polizei habe den Sachverhalt aufgenommen, sagt er. Er bittet mögliche Zeugen darum, sich bei der Polizeiinspektion in Bad Bergzabern, Telefon 06343 93340, zu melden.
Und wer auf der Baustelle mithelfen will, könne sich bei ihm melden. „Weitere Ehrenamtliche sind jederzeit willkommen, wir können noch Leute brauchen.“ Erreichbar ist er unter Telefon 06343 7002150.