Bad Bergzabern
Sanierung der Altstadt: Was bisher erreicht wurde
Das Städtebauförderungsprogramm des Landes „Historische Stadt“ hat 2010 begonnen, 2024 wird es enden. Gefördert wurden und werden kommunale und private Projekte. Sanierungs- und damit Fördergebiet ist im Wesentlichen die historische Altstadt mit 300 Gebäuden, viele davon sind denkmalgeschützt. „Gemessen an der Einwohnerzahl gab es keine Stadt in Rheinland-Pfalz mit einem so großen Sanierungsbedarf“, hatte Stadtplaner Hans Dennhardt nach seinen ersten Erhebungen 2010 festgestellt.
Sieben Millionen Euro standen damals insgesamt als Fördersumme zur Verfügung. Ein Büro wurde in der Kurstadt eingerichtet, Kopf der hunderten von Beratungsgesprächen mit Hausbesitzern, Gewerbetreibenden und der Stadt war Hans Dennhardt, bis 2006 Professor für ländliche Ortsentwicklung und Ortserneuerung. Er hat hunderte von Gemeinden, unter anderem St. Martin, beraten und viel Erfahrung mit dem Denkmalschutz, zu dem er seine eigene Meinung hat. Seinen Vertrag mit der Stadt Bad Bergzabern hat der 1941 in Speyer geborenen Professor zum Jahresende gekündigt. In Ausnahmefällen wird er für Beratungen noch zur Verfügung stehen. Wie bei der Fotovoltaikanlage der Villa Zick-Zack.
Förderung aufgestockt
Ansprechpartnerin ist jetzt Jutta Henß vom Büro Deubert in Quirnheim, seit vielen Jahren schon an der Seite von Hans Dennhardt und auch Fachfrau für Förderanträge. „Bisher wurden mehr als 80 private Modernisierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen im Sanierungsgebiet umgesetzt“, informiert Henß. An Fördermitteln seien 2,9 Millionen Euro geflossen, die private Investitionen von 16 Millionen Euro ausgelöst hätten. Zwischen zehn und zwanzig Prozent beträgt die Förderung, maximal 50.000 Euro. Zudem kann eine attraktive Abschreibung der Gesamtinvestition von bis zu zehn Prozent jährlich in Anspruch genommen werden. Die Gesamtbilanz in der Kurstadt bisher: Zirka 110 Wohnungen und 45 Gewerbeeinheiten wurden in der Stadt modernisiert, 25 junge Familien haben sich im Sanierungsgebiet angesiedelt und saniert.
Rund zwei Millionen Euro der Gesamtfördersumme wurden bisher für kommunale Projekte beantragt. Einige davon sind das Jugendhaus am alten Rathaus, die Sanierung des Storchenturms und die kommende Sanierung des ehemaligen Gasthauses zum Engel mit Tourismusbüro. Für dieses ist ein Zuschuss von 3,5 Millionen Euro vorgesehen. „Die Gesamtfördersumme wurde deshalb auf 8,5 Millionen Euro aufgestockt, das komplizierte Planungsverfahren zum Engel läuft derzeit“, informiert Henß.
Problemfall Villa Zick-Zack
Realisiert wird derzeit die Sanierung eines Gebäudes der Stadt in der Pfarrgasse 9. „Hier werden neun Wohnungen saniert, die dann für kleines Geld vermietet werden sollen“, sagt Stadtbürgermeister Hermann Augspurger. Er sieht das Sanierungsprogramm für die Altstadt sehr positiv. „Das Stadtbild hat sich über die Jahre verändert“, sagt er.
Dass der Denkmalschutz bei der 1680 erbauten Villa Zick-Zack in der Zeppelinstraße verhindert, dass die Besitzer eine Fotovoltaikanlage bauen, kann er allerdings nicht nachvollziehen. Zumal diese Entscheidung auch für die Stadt negative Folgen hat. Wie die RHEINPFALZ bereits berichtete, wollen Klaus Erfurth und Carla Schutt, die mehr als zehn Jahre das riesige Anwesen mit einer sehr großen Investition nach allen Vorschriften des Denkmalschutzes saniert haben, eine Fotovoltaikanlage neben der Villa bauen. Diese soll dann das Gebäude und zwei Autos mit Strom versorgen. Sinnvoll in Zeiten der Energiewende, finden sie. Klaus Erfurth ist durch sein Berufsleben Spezialist für Fotovoltaikanlagen. Dass die Stadt der Bauanfrage dafür gestimmt hat, nützt ihm nichts.
Das Denkmalamt, das den geplanten Standort wohl zweimal außerhalb des Privatgeländes besichtigt hat, die Besitzer waren bei diesen Terminen nicht dabei, sieht eine „erhebliche Beeinträchtigung“ des Denkmals. Obwohl die Anlage das Haus nicht tangiert. Viel Ärger haben die Hausbesitzer deswegen seit mehr als einem Jahr, der das Tüpfelchen auf dem i für einen radikalen Schnitt war: Die Villa Zick-Zack steht zum Verkauf. Auch die Stiftung, die das Paar bereits zugunsten der Stadt gegründet hatte und die die Sach- und Vermögenswerte der Besitzer erben sollte, ist Geschichte, sie wurde aufgelöst. Zweck der Stiftung wäre es gewesen, den historischen Hintergrund der berühmtesten Besitzerin der Villa, Mary von Bode, lebendig zu erhalten, das Haus mit dem Vermögen zu erhalten und für diverse Veranstaltungen nutzen zu können.
Ärger mit dem Denkmalschutz
Das Verfahren wegen der Fotovoltaikanlage liegt inzwischen beim Kreisrechtsausschuss. „Die Stiftung wäre wichtig für die Stadt gewesen, ich habe selbst Gespräche mit der Kreisverwaltung geführt und verstehe die unnachgiebige Haltung des Denkmalschutzes nicht, er sollte an die Herausforderungen der Neuzeit angepasst werden“, äußert sich Stadtbürgermeister Augspurger.
Die Villa Zick-Zack gehört zum Sanierungsgebiet „Historische Altstadt“ und hat auf Anfrage der RHEINPFALZ auch Hans Dennhardt auf den Plan gerufen. Er hat sich zusammen mit Jutta Henß und den Eigentümern ein Bild vor Ort gemacht und eine Stellungnahme abgegeben. „Nach meiner Überzeugung kann ich in diesem Fall der Ablehnung durch die Denkmalpflege nicht zustimmen“, ist seine Schlussfolgerung. Zudem stehe die Anlage außerhalb des abgegrenzten Denkmalbereichs. Die Bedeutung des Gebäudes und der Standort des Carports mit der Fotovoltaikanlage entspreche nicht der Verhältnismäßigkeit und könne seiner Erfahrung auch vor Gericht nicht bestehen.
Hans Dennhardt schildert seine Erfahrungen vieler Jahrzehnte mit dem Denkmalschutz, mit dem es durchaus „konfliktreiche“ Gespräche gegeben habe.
Seiner Meinung nach muss er den Bedürfnissen der Menschen und ihren existenziellen Ansprüchen gerecht werden. Zum Thema regenerative Energien wie im Fall der Villa Zick-Zack tut er das nicht. „Die Entscheidungen des Denkmalschutzes zu Solaranlagen werden nicht durch die Vorgaben der Energiewende beeinflusst“, teilt die Kreisverwaltung mit.
Info
Beratungen und Beantragung von Fördermitteln für private Gebäude können noch in Anspruch genommen werden. Es sind noch Mittel für private Maßnahmen frei. Ansprechpartnerin ist Jutta Henß unter der Telefonnummer 06359 801680
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