Kreis Südliche Weinstraße
SÜW: Widerstand gegen Ölförderung wächst
Jetzt wächst auch der Widerstand gegen eine mögliche Förderung von Erdöl bei Offenbach in der politischen Klasse. Nach den Grünen machen nun auch die Christdemokraten mobil – und rufen andere Parteien, Gruppen und Gemeinden zur Zusammenarbeit auf. Über ein Erwachen der Macht.
Der Widerstand gegen eine mögliche Förderung von Erdöl in der Nähe von Offenbach wächst – und scheint sich auch in der politischen Klasse zu organisieren. Bereits seit einiger Zeit gibt es eine Bürgerinitiative – Titel: „Kein Erdöl aus Offenbach“ –, die Kreisgrünen hatten das Thema bei ihrer jüngsten Mitgliederversammlung auf der Agenda. Jetzt erklären der CDU-Gemeinde- und der Ortsverband Offenbach, es gehe nun darum, gemeinsam ein Zeichen gegen das Projekt des Firmenkonsortiums aus Neptune Energy und Palatina Geocon zu setzen. Wie soll das gehen?
„Es darf kein politischer Zankapfel werden“
„Der CDU-Gemeinde- und der Ortsverband begrüßen die von den Kreisgrünen signalisierte Unterstützung der Offenbacher im Kampf gegen die geplante Erdölbohrung“, heißt es in dem Schreiben, das der RHEINPFALZ vorliegt. Wer Klimaschutz wirklich ernst nehme, könne nicht für eine weitere Ausbeutung fossiler Brennstoffe sein, betont Marcus Roth, CDU-Fraktionschef im Verbandsgemeinderat. Dabei machen die Christdemokraten deutlich: „Das Thema darf kein parteipolitischer Zankapfel werden. Im Gegenteil: Wir laden die politischen Kräfte in der Verbandsgemeinde Offenbach und den umliegenden Orten ein, gemeinsam ein starkes politisches Signal für den Umweltschutz zu senden und die Bürgerinitiative zu unterstützen.“
„Thema nicht schwarz, grün, rot, sondern ernst“
Noch in dieser Woche wollen der CDU-Gemeinde- und der Ortsverband Einladungen für einen Austausch an die Partei- und Wählergruppenvorsitzenden in den umliegenden Gemeinden versenden. Ziel sei es, gemeinsam mit der Bürgerinitiative zu erörtern, wie die Kommunalpolitik diese unterstützen könne, steht in dem Schreiben der Christdemokraten. Einfließen in diese Gespräche sollen auch jene Informationen, die die Mitglieder des Gemeinderats Offenbach von einer Fahrt zur Erkundungsbohrungsstätte in Schwegenheim mitbringen möchten. Neptune Energy und Palatina Geocon suchen dort seit einigen Wochen nach Öl. Dafür ist eine Anlage mit einem rund 50 Meter hohen Turm aufgebaut worden, die eine Probebohrung ermöglicht. „Wir laden politische Vertreter unabhängig vom Parteibuch ein, denn die Drohkulisse Erdölförderung und die möglichen Folgen für Umwelt und unsere Gesundheit gehen uns alle an. Das Thema ist nicht schwarz, grün, rot oder bunt. Es ist ernst“, sagt Marco Gensheimer, Fraktionschef der CDU im Gemeinderat.
Angst vor mehr Verkehr und Rissen in Häusern
Wie berichtet, war im vergangenen Jahr bekannt geworden, dass das Konsortium von einem Feld bei Offenbach aus nach Öl suchen möchte – und es nach einer erfolgreichen Suche auch fördern würde, wenn das wirtschaftlich machbar wäre. Das Grundstück gehört inzwischen dem Unternehmen, das die Pfarrpfründestiftung des Bistums Speyer an dieses verkauft hat. Um sicher sein zu können, dass tatsächlich Öl im Boden schlummert, braucht es eine Erkundungsbohrung, wie Neptune Energy kürzlich gegenüber der RHEINPFALZ erklärte. Dafür müsste – wie in Schwegenheim – eine Anlage errichtet werden. Anschließend würde die Anlage laut Neptune Energy wieder abgebaut. Wann eine Erkundungsbohrung in Angriff genommen werden könnte, ist derzeit noch nicht klar. Das hänge maßgeblich vom weiteren Verlauf des Genehmigungsverfahrens ab, hieß es von dem Unternehmen. Wie groß das vermutete Ölvorkommen in Offenbach ist, sei ebenfalls noch nicht bekannt. Das werde sich erst nach der Erkundungsbohrung herausstellen. Das Projekt bereitet jedoch einigen Bürgern Sorge. Die Bürgerinitiative fürchtet unter anderem, die Bohrungen könnten zu Schäden an Häusern in Offenbach führen – aufgrund von Absenkungen. Außerdem sorgen sich deren Vertreter um die Reinheit des Grundwassers und befürchten einen Anstieg des Schwerverkehrs in den umliegenden Gemeinden, weil Lastwagen das geförderte Öl zu einer Raffinerie bringen müssten.