Rohrbach RHEINPFALZ Plus Artikel Südpfälzerin rettet misshandelte Schwäne aus Ebertpark

Mittlerweile geht es dem durch Schläge auf den Kopf verletzten Schwan wieder besser.
Mittlerweile geht es dem durch Schläge auf den Kopf verletzten Schwan wieder besser.

Innerhalb kurzer Zeit sind im November zwei Schwäne aus dem Ludwigshafener Ebertpark so massiv verletzt worden, dass sie ohne Hilfe gestorben wären. Sandra Manier aus Rohrbach arbeitet ehrenamtliche in der Wildvogel-Auffangstation Nonnenhof in Bobenheim-Roxheim. Sie hat die Tiere gerettet. Vermutlich stecken Menschen hinter den Blessuren.

Sandra Manier ist eine von fünf sogenannten Päpplerinnen der Wildvogel-Auffangstation Nonnenjhof (WVAS), die sich um verletzte Vögel in der Region kümmern. Normalerweise sind Rabenvögel, Meisen, Schwalben, Enten und Gänse ihr Spezialgebiet. Doch Anfang November nahm sie einen Schwan aus dem Ebertpark auf, der unter einer massiven Entzündung im Fußwurzelgelenk litt. Er konnte nicht laufen und war von einer Frau bei einer Tierärztin in Bad Dürkheim abgegeben worden. „Wir vermuten anhand der Verletzungen, dass ein Hund den Schwan angegriffen hat“, sagt Manier. Dies sei ein häufigeres Problem, wenn freilaufende Vierbeiner in Parks auf Wasservögel treffen.

Einige Tage konnte der Schwan bei Manier wieder zu Kräften kommen. Mittlerweile lebt er in einer Station in Rastatt, die auf Wasservögel spezialisiert ist. Dort kann er in einem See schwimmen. „Das ist die einzige Möglichkeit, sein Sprunggelenk zu retten“, erklärt Manier. Laufen falle dem Vogel noch schwer, und ohne Bewegung würde das Gelenk weiter versteifen. Doch auch mit dieser Art „Wassertherapie“ sei noch unklar, ob man das Tier noch mal auswildern könne. Ohne Hilfe hätte der Vogel nach Maniers Einschätzung in der Natur keine Chance gehabt.

Tritte oder Schläge gegen den Kopf

Der zweite Schwan kam Mitte November über die Feuerwehr Ludwigshafen zu Manier. Die Einsatzkräfte waren von einem besorgten Bürger in den Ebertpark gerufen worden, der das Tier apathisch im Wasser treiben gesehen hatte. „Als er in der Box bei mir ankam, dachte ich zuerst, er sei schon tot“, erinnert sich Manier. Der Schwan litt unter massiven neurologischen Ausfällen und war dadurch weder in der Lage, Kopf oder Hals selbstständig zu heben, noch zu essen oder zu trinken. „Ich habe das noch nie in dem Ausmaß gesehen“, sagt Manier.

Die erfahrene Päpplerin dachte zuerst an eine Schwermetallvergiftung, doch der Test darauf war negativ. Auch alle weiteren medizinischen Untersuchungen liefen ins Leere. Da dem Vogel äußerlich nichts fehlte, kann es laut Manier nur eine Möglichkeit geben, was ihm zugestoßen ist: „Wir gehen davon aus, dass es massive Gewalteinwirkung durch Tritte oder Schläge gegen den Kopf gegeben haben muss.“ Dies könne kein anderes Tier gewesen sein. Manier hat deshalb Berichte an das Veterinäramt geschickt, das weitere Schritte bei der Misshandlung von Tieren einleiten kann.

In diesem Jahr 120 Vögel zu Hause aufgepäppelt

Der Schwan kämpfte bei der Päpplerin ums nackte Überleben. Über zwei Wochen hinweg sondierte Manier den Vogel alle drei Stunden und legte ihm Infusionen. Über ihr Helfernetzwerk kontaktierte sie andere Vogelexperten in ganz Deutschland, um rettende Tipps für den Schwan zu bekommen. Nun, rund drei Wochen später, haben die Ausfälle nach Maniers Berichten aufgehört, und der Schwan lebt wieder selbstständiger. „Es ist ein unheimliches tolles Gefühl, wenn man es geschafft hat, den Vogel zu retten“, sagt Manier. Sie wisse, dass er ohne ihre Hilfe schnell verendet wäre. „Jetzt faucht er wieder“, sagt sie und lacht erleichtert.

Bald soll der Schwan wieder in Freiheit kommen. Normalerweise bringen die Päpplerinnen die Vögel wieder an ihren Fundort zurück, doch beim Ebertpark ist sich Manier mittlerweile unsicher. „Zwei der sieben Schwanenkinder wurden nun schon verletzt, eines ist sogar ganz verschwunden“, berichtet sie. Deshalb denke sie über einen Platz an einem Rheinarm bei Wörth nach. Die Rettung der zwei großen Wasservögel sei vergleichsweise teuer gewesen, informiert Manier auf Nachfrage. Für die tierärztlichen Behandlungen seien rund 450 Euro angefallen, die Kosten für Futter und Pflege kommen hinzu. Finanziert werde die Versorgung über Spenden, die die Auffangstation bekommen hat.

„Ich habe dieses Jahr schon so einiges erlebt“, sagt Manier, die in dem Zeitraum 120 Vögel bei sich zu Hause in Rohrbach in verschiedenen Volieren in Garten und Hof betreut hat. Eine Graugans zum Beispiel, die mit einem Besen malträtiert worden war, oder eine Stadttaube mit verschnürten Füßen. „Ich habe dafür absolut kein Verständnis und hoffe, die Leute wachrütteln zu können, damit sie mehr die Augen offen halten oder ihre Hunde nicht auf die Tiere loslassen“, betont die ehrenamtliche Helferin.

Info

Weitere Infos zur Arbeit der Wildvogel-Auffangstation Nonnenhof Bobenheim-Roxheim, Kontaktdaten und Spendenmöglichkeiten gibt es im Netz unter

www.wvas-nonnenhof.de

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Fast zu Tode geprügelt: verketzter Schwan aus dem Ebertpark.
Fast zu Tode geprügelt: verketzter Schwan aus dem Ebertpark.
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