Hainfeld / Usedom
Südpfälzer Weingut hilft bei Kirchenrenovierung auf Usedom
Die St. Marienkirche in Usedom auf der gleichnamigen Ostseeinsel ist ein wunderschöner Backstein-Kirchenbau – aber sie kann verdammt kalt sein. Denn die vier mannshohen gusseisernen Öfen in den Ecken des Kirchenschiffs sind durchgebrannt und dürfen nicht mehr betrieben werden. Schließlich soll das in Teilen bereits renovierte Kircheninnere nicht zugerußt und schon gar nicht durch Funkenflug in Brand gesetzt werden. Immerhin war die Kirche 1475 schon einmal abgebrannt. Unter anderem mit Wein aus Hainfeld will Pastor Christoph Tiede (ungeachtet ihres katholischen Namens ist die Marienkirche heute protestantisch) nun eine Bankheizung finanzieren.
Viele Zufälle im Spiel
Damit es so weit kommen konnte, hat es einiger Zufälle – oder waren es Fügungen? – bedurft: Tiede, als Pommer eher mit Bier konfrontiert, ist Weinfreund und irgendwie einmal an einen Weißburgunder des Bioweinguts Matthias Glaser aus Hainfeld gekommen. Als er und eine Freundin einem gemeinsamen Patenkind zur Konfirmation eine Reise schenkten, fiel die Wahl auf den Rhein. Dabei hat er außer Worms und Speyer auch erstmals die Pfalz besucht. „Bei uns kann man auch weit gucken, da ist im Frühjahr alles gelb vom Raps, aber Wein so weit das Auge reicht – das kannte ich nicht“, sagt Tiede, der begeistert war und ist von der sanft gewellten Weinlandschaft am Fuß des Pfälzerwaldes mit den Speyerer Domtürmen am Horizont. So hat er sich dann vor zwei Jahren in einer Ferienwohnung des Hainfelder Weinguts zu einem Wanderurlaub einquartiert, und mit dessen Inhaber Matthias Glaser hat er bei der Weinprobe dann auch seine Sorgen geteilt: das Problem, eine teure Kirchenrenovierung in etlichen Abschnitten zu stemmen.
Winzer Glaser und der Orgelwein
An dieser Stelle wusste Glaser Rat, der schon einmal einer anderen Kirchengemeinde mit einem Orgelwein unter die Arme gegriffen hat. So stand dann schnell der Plan, dass Glaser vergünstigt Weine abgibt, die mit einem eigenen Etikett versehen und mit einem kleinen Aufschlag als „Usedomer Kirchenwein“ verkauft werden. Das Etikett mit der Zeichnung der Kirche hat ein Kirchenmusiker aus Wolgast, der von Haus aus Architekt ist, entworfen und mit einem passenden Schriftzug gestaltet, erzählt Tiede, und Glaser hat es drucken lassen. So sind dann auch schon einige hundert Flaschen Weiß-, Rośe- und Rotwein aus der Pfalz an die Ostsee gegangen. In Kürze soll auch noch Sekt folgen, rechtzeitig zu Weihnachten und Silvester.
Abnehmer sind die vielen Besucher der schmucken Kirche und Gemeindemitglieder, aber auch der Usedomer Bürgermeister kauft die eine oder andere Flasche für besondere Gäste oder besondere Anlässe. Und bei Veranstaltungen in der Kirche, beispielsweise bei Konzerten während des Usedomer Musikfestivals, oder auch beim Gemeindefest wird Hainfelder Wein ausgeschenkt. „Es gibt inzwischen etliche Liebhaber“, sagt Tiede.
Füße und Hintern müssen warm sein
Damit sind dem Pastor, der gerade erst wieder in Hainfeld war, zwar nicht alle Sorgen genommen, aber es komme schon ein ganz netter Betrag für die Kirche zusammen, sagt er. Künftig werden dann keine Eisenöfen mehr für Wärme sorgen. „Die Luft erwärmen zu wollen, ist Unsinn. Man muss die Wärme an den Füßen und am Hintern haben“, sagt der Pfarrer. Weshalb St. Marien demnächst mit einer elektrischen Sitzheizung ausgestattet werden soll. Das wird zwar von der Landeskirche bezuschusst, aber etwa 10.000 Euro muss die Kirchengemeinde aus Eigenmitteln aufbringen – allein für die Verkabelung. Die Heizgeräte für die 470 Sitzplätze selbst kosten dann „noch ein paar Tausender“, so Tiede. Aber mit viel Engagement aller Beteiligten und mit Hainfelder Kirchenwein wird es schon irgendwie gehen.