Maikammer
Südpfälzer fahren mit dem Rad bis nach Peru
Dass Jonas Hormuth und Pauline Rudolph derzeit in Frankreich weilen, spiegelt sich auch in ihrem Speiseplan wider. „Wir ernähren uns derzeit oft von Baguette und Croissants“, erzählt der 21-Jährige. Notgedrungen. Denn der Benzinkocher, den die Südpfälzer eingepackt haben, hat den Geist aufgegeben. Deswegen haben sie umplanen müssen. Worauf sie aber nicht verzichten müssen, sind Kekse. 19 Packungen haben sie seit Beginn ihrer Tour vor vier Wochen verdrückt. Das berichten sie eines Abends, nachdem sie ihr Zelt auf einem privaten Grundstück in der Nähe von Toulouse aufgebaut haben. Die Kalorien dürften sie schnell wieder abtrainieren.
Tausende Kilometer werden Hormuth und Rudolph am Ende ihrer Reise von der Kalmit zur peruanischen Hauptstadt Lima auf dem Tacho haben. Die genaue Zahl lasse sich derzeit nicht beziffern. „Zum einen nehmen wir nicht den schnellsten Weg zum Ziel“, erzählt Rudolph. Derzeit ist sie mit Hormuth in Richtung Biarritz an der französische Atlantikküste unterwegs. Dort wollen sie weiter auf dem Jakobsweg in Richtung Santiago de Compostela, bevor sie von dort den Küstenweg gen Süden zur portugiesischen Metropole Porto fahren. Ein Schiff soll sie über den großen Teich bringen. Je nachdem, an welchem Hafen der Dampfer anlegt, ob Mexiko, Brasilien oder sonst wo, werden Hormuth und Rudolph in Südamerika mehr oder weniger Kilometer mit dem Rad bis zu ihrem Ziel zurücklegen.
Abenteuer mit Spendenaktion verknüpft
Schätzungsweise zwischen 15.000 und 20.000 Kilometer werden die beiden jungen Erwachsenen am Ende geradelt sein. Derzeit führt sie der Weg meist auf gut ausgebauten Radwegen entlang von Flüssen und Bächen. „Es gab bisher nur einmal einen Abschnitt, bei dem der Weg geschottert und so breit war wie ein Fahrradreifen“, erzählt Hormuth lachend. Das Navi auf ihrem Smartphone haben sie eingeschaltet. „Meist haben wir das aber gar nicht nötig. Ein Blick auf die Karte am Morgen genügt, dann folgen wir der Beschilderung.“
Hormuth und Rudolph hatten sich vorgenommen, bis zu 120 Kilometer täglich zurückzulegen. „Doch da haben wir uns etwas verschätzt“, sagt Hormuth. Sie würden im Schnitt täglich um die 70 Kilometer radeln, mit jeweils fünf voll gepackten Taschen an ihren Drahteseln. Selbst für Leistungssportler ist solch eine Distanz eine Herausforderung. Macht sich Muskelkater bemerkbar? „Eher am Anfang unserer Tour, in der ersten Wochen. Seitdem geht es. Wir sind nach den Etappen zwar körperlich müde, aber wir haben uns daran gewöhnt, uns täglich bis zu fünf Stunden aufs Rad zu schwingen.“ Im Frühjahr 2022 rechnen sie mit ihrer Ankunft. Dass die aus St. Martin und Maikammer stammenden Abenteurer das Fernweh gepackt hat, ist auch der Situation geschuldet.
Exotisches Ziel vor Augen
Corona hat sie letztlich dazu gebracht, ihren Traum wahr werden zu lassen. Schließlich haben sie ihr Studentenleben etwas anders vorgestellt. Den neuen Lebensabschnitt verbrachten sie bisher überwiegend am PC-Bildschirm statt in Hörsälen ihrer Universität. Hormuth folgte den Veranstaltungen im Fach Sicherheitstechnik meist von zu Hause statt in Wuppertal. Rudolph war schon nach Kiel gezogen, um dort die Veranstaltungen im Fach Geografie zu besuchen. Doch auch sie konnte kaum Zeit mit Kommilitonen verbringen.
Dabei hatten das Duo von Anfang an ein exotisches Ziel vor Augen. Eine Tour durch Europa, nach Nordamerika, Australien oder Neuseeland kam nicht infrage. Hormuth und Rudolph wollten zunächst nach Tansania. Afrika? „Ja, unsere Eltern schauten auch etwas überrascht, als wir es ihnen sagten“, berichten die beiden Südpfälzer im RHEINPFALZ-Gespräch. Freunde, die sich dort auskennen, rieten ihnen aber mangels Radwegen davon ab. „Hinzu kam, dass die aktuelle politische Lage in verschiedenen Ländern es nicht zulässt,“ erzählt Rudolph. Auch die Corona-Situation sei dort angespannt.
Wieso Lima das Ziel der langen Reise sein soll
Weil auch die zweite Wahl, Südostasien, wegen coronabedingter Grenzschließungen nicht infrage kam, rückte anschließend Südamerika in den Fokus. Die Wahl fiel auf Lima. Zum einen stand Peru bei ihnen als Reiseziel hoch im Kurs. „Zum anderen wollten wir unsere Tour mit einem sozialen Projekt verbinden“, erläutert die 20-jährige Rudolph. Sie wollten unbedingt ein Bildungsangebot für Kinder unterstützen. Über das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ erfuhren sie von Yancana Huasy, was aus der Quechua-Sprache stammt und übersetzt so viel wie „Haus der Arbeit“ bedeutet.
Das Zentrum befindet sich in einem peruanischen Elendsviertel und ist ein Lernort für körperlich und geistig beeinträchtigte Kinder. Nach Angaben des Kindermissionswerks gibt es dort Therapien, Bewegungsangebote, auch eine psychologische Beratung gehört zu den Angeboten. 25.000 Euro an Spenden wollen Hormuth und Rudolph während ihrer Weltreise zusammenbekommen. Sie machen auf ihrer für das Projekt eingerichtete Webseite darauf aufmerksam, erzählen davon, auch Berichte in Reisemagazinen sei denkbar. Doch auch sie selbst lernen während der Fahrt dazu.
Wo die Übernachtungen eingeplant sind
„Wir haben bisher sehr viele nette Menschen kennengelernt“, erzählt Hormuth. Der Kontakt mit den Einheimischen entstehe meist spontan. Dann etwa, wenn sie sie um einen Schlafplatz in deren Gärten bitten. Ihre Erfahrungen seien positiv. Oft ergeben sich an den Unterkünften spannende Gespräche mit den Bewohnern. Auch ein eigenes Cello-Konzert bekamen sie von einem Künstler zu hören.
Die Abende seien aber kurz. „Wir merken, dass wir viel Schlaf brauchen“, verrät Hormuth. So rufen sie nach den Touren regelmäßig ihre Lieben zu Hause an. „Unsere Familien unterstützen uns voll. Sie haben beispielsweise alle Freunde im Ausland kontaktiert, deren Wohnort auf unserer Route liegt.“ Auch den Blog füttern sie mit Berichten über das Erlebte. Zudem laden sie Fotos auf Instagram hoch, bevor sie sich schlafen legen und sich am nächsten Tag wieder von Land und Leute begeistern lassen. „Es ist bemerkenswert, wie intensiver wir alles genießen, da wir nur Stück für Stück vorankommen“, betont Rudolph.
Info
Interessierte werden online unter www.2bikesacrosstheworld.de auf dem Laufenden gehalten. Dort gibt es auch Infos zur Spendenaktion.