Kreis Südliche Weinstraße Rostigstes Hobby der Welt

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Wo sie nur immer herkommen, die alten Maschinen – diesmal waren es exakt 77 bei der 32. Veteranenfahrt für Motorräder des ADAC- Ortsclubs Bad Bergzabern. In und um die Kurstadt herum tummelten sich am Samstag die Raritäten aus der Zweirad-Welt. Die Zuschauer und die Fahrer aus dem In- und Ausland – darunter Teilnehmer aus Großbritannien, Frankreich, Schweiz und Niederlande – waren begeistert.

Bei der zweigeteilten Ausfahrt für Motorräder geht es mehr um das Ankommen mit dem historischen Gefährt, um den Genuss der Fahrt in bacchantischer Landschaft sowie um das Zusammentreffen mit Gleichgesinnten als um Rekorde oder Pokale. Die ersten Sonnenstrahlen hatten sich hinter den Wolken hervorgewagt, als sich die 77 Zweirad-Oldtimer und Gespanne auf dem Schlossplatz eingefunden hatten. Rolf Beppler, der „Motor“ der Veranstaltung sowie Karlheinz Roth als Vorsitzender des ADAC-Ortsclubs Bad Bergzabern hatten allen Grund zufrieden sein: Wetter und Fahrerfeld stimmten. Dann war es soweit: Der erste Fahrer wurde auf die Reise geschickt. Die Motoren knatterten, Ballhupen gaben ihre Töne von sich und Abgase verschleierten den ohnehin schon verklärten Blick auf die kleinen Oldtimer mit zwei Rädern. Unter dem Jubel rollte die Karawane los. Am Vormittag ging es auf die erste Teilstrecke von 55 Kilometern über Schwanheim, Annweiler, Albersweiler zurück nach Bad Bergzabern. Beim zweiten Teil am Nachmittag waren 44 Kilometer zu bewältigen. Hier waren die Bienwaldmühle, Schweighofen, Schweigen und schließlich wieder Bad Bergzabern die Ziele. Neben viel handwerklichem Geschick verfügen Motorradbastler über ein gehöriges Maß Selbstironie. Als das rostigste Hobby der Welt wird diese Sparte gern bezeichnet. Einer der Bastker ist Noel Whittall aus Rawdon Leeds in Großbritannien, der mit seiner Triumph H Solo, Baujahr 1918 und vier PS stark, im Schlepptau die 1120 Kilometer Anreise auf den Buckel genommen hat. Im Gespräch mit der RHEINPFALZ schwärmte er über die Veranstaltung in Bad Bergzabern, lobte die Organisation und vor allem die Landschaft. Er verbindet die Reise nach Bad Bergzabern mit dem Besuch seines in Stuttgart lebenden Sohnes. Außerdem wird an einer weiteren Oldtimer-Ausfahrt in Süddeutschland teilnehmen. Bei der Zweirad-Parade ohne Altersgrenzen dabei auch Hans Huppert aus Gundersheim, der vor wenigen Tagen sein 83. Lebensjahr vollendet hat und sich nicht vorstellen kann, einmal nicht mehr mit seiner Puch, TL mit 7,5 PS, Baujahr 1952, an den Start gehen zu können. Das älteste Fahrzeug, das in Bad Bergzabern am Start war, hatte Reiner Bollach aus Oftersheim. Er war mit einer Triumph Modell H, Baujahr 1914, gekommen. Sein Motorrad hat er vor 20 Jahren auf der Veterama in Ludwigshafen für 1000 Mark erworben. Heute sei dieses „Gefährt“ nicht mehr bezahlbar. Bis zum heutigen Tag habe ihn, den Kraftfahrzeugmeister, das Motorrad bei seinen Fahrten quer durch Deutschland ebenso wenig im Stich gelassen wie bei seinen beiden Reisen nach Schottland, erzählt Reiner Bollach. Rekordteilnehmer in Bad Bergzabern war Erhard Trahmer aus Worms. Der 75-Jährige war bereits zum 30. Mal bei der Küchen-Gedächtnisfahrt dabei und ist seit vielen Jahren ein enger Freund von Rolf Beppler, den er bereits in seiner aktiven Zeit als Motorradsportler begleitet habe. Schon mit 16 Jahren habe er das erste Moped gefahren und bis heute von motorisierten Zweirädern nicht mehr los-gekommen, so Trahmer. Nur Gutes über die Veranstaltung in Bad Bergzabern hatte Richard Küchen aus Ingolstadt, ein Neffe des Konstrukteurs und erfolgreichen Motorenbauers Richard Küchen (1897 bis 1974), der in Bad Bergzabern gelebt und gewirkt hat, in seinem Resümee zu sagen. Der 74-Jährige, der mit einer Zündapp K 800, Baujahr 1933, bei der Ausfahrt dabei war, sagte zu, Rolf Beppler bei seinen Gedächtnisfahrten weiterhin großzügig zu unterstützen. „Ich finde es einfach toll, wie interessiert das Publikum in Bad Bergzabern mitgeht“, sagte Küchen. Die jüngsten Teilnehmer kamen – wen wundert’s? – aus dem Hause Beppler. Da war der 15-jährige Enkel Justin Beppler als „Benjamin“ der Veranstaltung auf seiner Hercules unterwegs, gefolgt von Louisa Beppler (18) auf ihrer Zündapp GTS, Baujahr 1972. Fast alle Teilnehmer, die an den Start gingen, haben es am Samstag übrigens geschafft, auch wieder am Ziel anzukommen. Nur eine Panne war am Vormittag zu beklagen.

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