SÜW
RHEINPFALZ vermittelt Kontakt zwischen Pfalz und England
Unter der Rubrik „Gibt es das noch?“ stellte der „Marktplatz regional“ regelmäßig alte Gegenstände vor und fragte die Leser, ob sie diese noch zu Hause haben. Zum Kultwerkzeug Sesel, also Winzermesser, gingen so viele Zuschriften bei uns ein, dass wir am 8. August 2019 gleich eine ganze Seite dazu veröffentlichten. Unter anderem berichteten wir über Helmut Husenbeth aus Hainfeld, der nicht nur ein Winzermesser besitzt, sondern eine ganze Sammlung. Seine Geschichte veröffentlichten wir auch in der Online-Ausgabe der RHEINPFALZ – samt Foto. Und genau über dieses Bild stolperte Bob Burgess aus Großbritannien bei einer Google-Suche.
Das Interesse der beiden Herren ist sich sehr ähnlich, doch ein paar kleine Unterschiede gibt es aber. Seselmesser werden vor allem zum Weinanbau genutzt und sind deshalb besonders hier in der Region bekannt. Die ebenfalls sichelförmigen Billhooks, die Bob Burgess seit Jahren sammelt, sind meist etwas größer und werden für verschiedene Arbeiten im Garten oder im Wald verwendet. Trotzdem war das Interesse des Briten an der Pfälzer Sammlung geweckt und er wollte Kontakt zu Helmut Husenbeth aufnehmen. So wandte er sich an die RHEINPFALZ. Nach einigem Hin und Her gelang es der Landauer Redaktion, den Herrn vom Foto ausfindig zu machen, und sie vermittelte den Kontakt. Er schrieb Bob Burgess eine E-Mail, und seitdem tauschen sich die beiden Sammler regelmäßig aus. „Es hat sich ein recht lebhafter Kontakt ergeben“, erzählt Helmut Husenbeth. Und das, obwohl die beiden Männer keine gemeinsame Sprache haben. Helmut Husenbeth kann nur wenig Englisch, Bob Burgess spricht kein Deutsch. Sie behelfen sich mit Übersetzungsprogrammen.
Wer sind die beiden Sammler?
Helmut Husenbeths Begeisterung für Seselmesser fand schon vor 50 Jahren ihren Anfang. „Meine Frau und ich haben einen Bauplatz in Hainfeld gekauft, der vorher ein Weinberg war. Der Verkäufer hat mir dabei ein einfaches, gebogenes Messerchen geschenkt und mir gesagt, dass damit die Reben auf diesem Grundstück geschnitten worden seien: eben ein Sesel.“ Es sollte nicht bei diesem einen Messer bleiben. Inzwischen hat Helmut Husenbeth einige Dutzend davon. Ihn interessiert vor allem die Geschichte dahinter. So sollen 1682 bei einer Auseinandersetzungen zwischen französischen Offizieren und Hainfelder Winzern während des Niederländischen Krieges Seselmesser eingesetzt worden seien. Als Theologe ist Helmut Husenbeth auch auf eine Stelle in der Bibel aufmerksam geworden. Im Buch Jesaja heißt es: „Sie schmieden Schwerter zu Pflugscharen und Lanzen zu Winzermessern.“ Das sei doch eine tolle Friedensvision, findet er.
Seine Sammlung sei ein schönes Hobby, Bob Burgess hingegen sammle viel umfassender und systematischer, hat der Südpfälzer festgestellt. „Mr. Burgess ist mehr an den Objekten interessiert, ich eher an der Historie beziehungsweise auch an der Symbolik, der kulturellen und religiösen Bedeutung. Aber das kann sich ja ergänzen.“ Der Mann aus dem englischen Dorf Heytesbury sammelt ebenfalls seit über 50 Jahren die alte Werkzeuge – zuerst für die Hausrenovierung, später als Lehrmaterial. „Ich war Lehrer für Metallarbeiten und Design“, berichtet er. Mit mehreren tausend Werkzeugen aus Europa, Indien, Vietnam, China und Japan hat er eine beachtliche Sammlung. Vor Corona hat er seine Messer auch gerne bei Volksfesten und Shows gezeigt und die Arbeit damit vorgeführt.
Bereits zweiter Kontakt nach Deutschland
Bob Burgess geht es auch um die Vermittlung von Wissen. Auf seiner Website www.billhooks.co.uk gibt es reichlich Informationen über die speziellen Messer, zudem betreut er die Facebook-Seite „Billhook Junkies“ mit. Um sich mit Gleichgesinnten austauschen zu können, suche er regelmäßig über Google nach Bildern von Billhooks. Auch in anderen Sprachen: serpe (französisch), roncola (italienisch) oder Hippe (deutsch). „So habe ich die Bilder von Rebmessern gefunden, die in der RHEINPFALZ erschienen sind“, erzählt er. Aber dies ist nicht sein erster Kontakt nach Deutschland. Vor einigen Jahren schrieb er Clemens Alexander Wimmer an. Seitdem tauscht er sich regelmäßig mit dem deutschen Gartenhistoriker aus. „Meine Frau nennt meine Sammelleidenschaft schon eine Besessenheit“, gibt er zu.
Helmut Husenbeth will den Kontakt zu dem Engländer auf jeden Fall aufrecht erhalten: „Da ist noch einiges zu erledigen zwischen Mr. Burgess und mir. Viele Infos müssen und werden noch über den Kanal gehen, hin und zurück. Es macht Freude.“