Kreis Südliche Weinstraße Queichhambach: Tiere achten statt schlachten
„Wurst muss nicht aus Tieren sein“, sagt René Schärling von Peta. Seit drei Jahren schlägt die Tierrechtsorganisation Vereinen einen ungewöhnlichen Deal vor: Ändern sie ihr Schlachtfest in ein „Veggie-Fest“, bekommen sie 500 vegane Würstchen spendiert. Das Angebot machte Schärling jetzt auch dem VTG Queichhambach.
Ja, das stimmt. Aber es ist dringend nötig. Denn Schlachtfeste sind total veraltet und in unserer heutigen aufgeklärten Gesellschaft einfach nicht mehr vertretbar. Tradition rechtfertigt niemals Tierquälerei. Erfreulicherweise setzen bereits immer mehr Vereine verstärkt auf vegane Verpflegung. Auch in den großen Fußballstadien hält der Veganismus Einzug. Sie haben schon über 50 Schlachtfestverantwortliche kontaktiert. Konnten Sie denn schon jemanden überzeugen? Bisher gab es leider noch keine Veggie-Feste. Aber wir machen das Angebot ja immer für die Veranstaltung im kommenden Jahr – und da haben schon einige Vereine Interesse bekundet. So zum Beispiel ein Fußballverein in Wiesbaden, mit dem wir nun für den Sommer gemeinsam ein veganes Fest planen. Generell haben wir schon sehr viel positives Feedback bekommen und sind bereits an einigen Planungsprozessen für das kommende Jahr beteiligt. Was glauben Sie, wie die Schlachtfestbesucher auf die fleischfreien Würstchen reagieren werden? Wahrscheinlich werden einige erstmal gar nicht wissen, was das Ganze soll. Denn viele Leute haben ein ziemlich negatives Bild von Veggie-Produkten. Ich hoffe aber, dass zumindest einige offen für Neues sind. Ich bin selbst Fußballer, und bei unseren Vereinsfesten wird auch vegan gegrillt. Was ist eigentlich Ihr Lieblingsessen? Pizza. Mit viel Gemüse, Tomatensoße und veganem Streukäse. Die ist zwar nicht ganz so gesund, aber vegan und lecker. Leben Sie komplett vegan? Ja, seit knapp zehn Jahren. Damals bin ich durch die BSE-Krise Vegetarier geworden. Dann habe ich mich damit beschäftigt, wie sehr Tiere für unsere Ernährung leiden müssen und erkannt, dass tierische Produkte für mich ethisch nicht vertretbar sind. Gibt es Personengruppen, die für die vegane Lebensweise besonders empfänglich sind? Die meisten vegan lebenden Menschen sind gebildete weibliche Studentinnen über 20, die in größeren Städten leben. Aber natürlich gibt es Veganer in allen Altersklassen, sozialen Schichten und Regionen. Ich selbst bin in einem 500-Seelen-Dorf aufgewachsen und habe mich dennoch für ein Leben ohne tierische Produkte entschieden. Die Akzeptanz für Veggie-Produkte ist allgemein größer geworden. Das zeigt sich zum Beispiel an der steigenden Zahl von Kochbüchern mit veganen Rezepten. Mit welchen Argumenten überzeugen Sie am besten? Das kann man so pauschal nicht sagen. Ethik, Umwelt und Gesundheit spielen bei der Entscheidung eine Rolle. Außerdem muss man natürlich selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Wer sich auf das Thema einlässt, der erkennt, dass der Verzehr von Tieren einfach überhaupt nicht mehr zeitgemäß ist. Es handelt sich um fühlende Lebewesen, die als solche auch die nötigen Rechte bekommen sollten. Sie sind sicher nicht dazu da, teilweise bei vollem Bewusstsein getötet und dann gegessen zu werden. Wir von Peta leisten deswegen eine Menge Aufklärungsarbeit und wollen gute rein pflanzliche Alternativen aufzeigen. | Interview: Michelle Christin List