Landau / SÜW
Preissteigerung: Wenn die Hochzeit immer teurer wird
Sandra und Benjamin Lutz aus Landau haben ihre Hochzeit vor der Pandemie geplant. Als das Coronavirus dann auch in Deutschland grassierte, „ging auf einmal gar nichts mehr“, wie Benjamin Lutz erzählt. Das Ja-Wort gab sich das Landauer Paar am 15. Mai 2020. Dabei erfuhr es erst einen Tag vor der standesamtlichen Trauung, dass Eltern und Trauzeugen mit Maske ins Standesamt dürfen. Die Feier mit 45 Gästen, die sie in einem Hotel im Landkreis SÜW geplant hatten, verschoben sie um ein Jahr.
Die Feier sollte 8000 Euro kosten, das Paar leistete eine Anzahlung von 3500 Euro. Ihm wurde garantiert, dass die Bedingungen im Folgejahr gleich blieben. Als es im darauffolgenden Jahr immer noch massive Einschränkungen gab, verschob es die Feierlichkeiten um ein weiteres Jahr. Ende 2021 kam dann eine E-Mail vom Hotel, in der Sandra und Benjamin Lutz mitgeteilt wurde, dass die Kosten bei gleichen Bedingungen mehr als 30 Prozent steigen werden.
Wieso Lokalitäten preislich aufschlagen
Als Grund gab das Hotel an, dass sich seit Vertragsabschluss vor zweieinhalb Jahren die Einkaufs- und die Personalkosten erhöht hätten. Das Angebot müsste dementsprechend angepasst werden. „Wir fanden es unverschämt. Wir haben dann alles storniert“, erzählt der Bräutigam. Und dann ging die Suche nach der passenden Lokalität von vorne los. Eine Örtlichkeit zu finden, erwies sich als schwierig: Schlösser wären zu teuer und von Weingütern, die sie sich als Schauplatz auch gut vorstellen konnten, kassierten sie Absagen.
Im Bioland-Weingut Stefan Kuntz in Mörzheim beispielsweise konnten sich Paare vor Corona im Freien trauen lassen. Seit Beginn der Pandemie ist das nicht möglich, mindestens bis Ende dieses Jahres steigen dort keine Hochzeitsfeiern. Und das, obwohl der Betrieb nach eigener Aussage unzählige Anfragen erhalte. „Es tut mir leid für die Menschen, denen ich absagen muss“, sagt Geschäftsführer Rudolf Keck. Problem sei aber der Personalmangel in der Branche.
Mit Ausfällen zu kämpfen
Es sei schwierig, Kräfte zu finden. „Obwohl wir bis zu 20 Euro die Stunde bieten.“ Hinzu komme, dass bei so einer Feier viel Personal benötigt werde für den Aufbau, den Service und hinterher zum Aufräumen und Putzen, erklärt Keck. Bei kurzfristigem Personalausfall sei es dann kaum möglich, Ersatz zu finden. Umgekehrt sei der Betrieb auch bis zum Ereignis im Ungewissen, da viele Feiern kurzfristig wegen Corona abgesagt würden. Dabei wird bis dahin durch Telefonate und Treffen viel Zeit investiert, um den Tag nach den Wünschen der Gäste gestalten zu können.
Nach langer Suche fanden die Eheleute Lutz im November vergangenen Jahrs eine neue Lokalität für ihre Feier. Eine, die preislich in ihr Budget passt. Über Beziehungen wurden sie auf ein Hotel in der Südwestpfalz aufmerksam. Zwei Jahre nach der standesamtlichen Trauung, am 15. Mai dieses Jahres soll es so weit sein, dann wollen sie mit Familie und Freunden feiern. „Zum Glück sind unser Fotograf und DJ an diesem Tag noch verfügbar, sonst hätten wir dann noch andere Dienstleister finden müssen.“
Hochzeitsfeier am Bildschirm
Der Landauer Jürgen Sedlmayr arbeitet unter den Namen „Der Fotoraum“ seit über 20 Jahren als Fotograf, wird dabei auch für Hochzeiten gebucht. Wegen der Pandemie fiel sein Umsatzes im vergangenen Jahr fast komplett weg. Weil auch viele Brautpaare ihre Hochzeit coronabedingt von Jahr zu Jahr verschieben. Sedlmayr wundert das nicht: „In manchen Kirchen durften nur 18 Leute mit Mundschutz rein. Das sieht auf den Fotos nicht gut aus.“
Eine Feier dagegen verlief komplett im Internet: Nach der Trauung verabschiedeten sich die 40 Gäste, um sich anschließend online wiederzusehen. Sedlmayr fotografierte das Brautpaar beim Eröffnungstanz und Anschneiden der Hochzeitstorte, im Hintergrund lief der Bildschirm mit den Gästen, die ihnen zusahen. Inzwischen hat sich bei Sedlmayr die Anzahl der Fototermine für Hochzeiten wieder fast normalisiert.
Nur begrenzte Anzahl an Gästen
Elke Stephan, Standesbeamtin in der Verbandsgemeinde Herxheim, hat schon von einigen Brautpaaren mitbekommen, dass sie lange nach einer passenden Feiermöglichkeit suchen müssen. Weil die Lokalitäten coronabedingt nur eine begrenzte Anzahl an Gästen zulassen. In der Villa Wieser beispielsweise sind eigentlich 80 bis 100 Traugäste erlaubt, derzeit dürfen wegen Corona nur bis zu 30 Teilnehmer der Trauung beiwohnen. Im Museum sind nur 15 Traugäste erlaubt. Wer größer feiern möchte, muss sich also nach anderen Orten umschauen,
Nicht nur die passende Lokalität muss für die Hochzeitsfeier gefunden werden und bezahlbar sein. Hinzu kommen noch weitere Dienstleistungen, die für dieses besondere Ereignis benötigt werden. Wer beispielsweise auf eine kirchliche Trauung verzichtet und sich dafür einen Trauredner wünscht, zahlt 1000 Euro und mehr. Was nicht fehlen darf, ist die Hochzeitstorte. Im Café und Konfisserie Theobald in Herxheim kostet eine mehrstöckige Hochzeitstorte mehrere Hundert Euro, sagt Inhaber Florian Theobald. Seit Corona wurden die Preise um etwa fünf Prozent erhöht. Da Butter, Milch und Sahne immer teurer werden, geht Theobald von weiteren Erhöhungen in seiner Branche aus.
Weniger DJs, mehr Anfragen, höhere Preise
Stefan Kietz sorgt auf Hochzeiten für Musik. Der Landauer ist DJ und Inhaber der Agentur Pfalz-DJs. Die Preise in seiner Branche seien in den vergangenen zwei Jahren um 15 bis 20 Prozent gestiegen. Wegen der gestiegenen Lebenshaltungs- und Energiekosten, auch die Technik, die benötigt wird, sei deutlich teurer in der Anschaffung geworden. Darüber hinaus hätten es viele DJs wirtschaftlich nicht durch die Krise geschafft. „Die Nachfrage steigt, das treibt den Preis in die Höhe“, sagt Kietz.
Sandra und Benjamin Lutz hat die Planerei und das Verschieben der Feier viele Nerven gekostet. Sie finden es schon merkwürdig, erst zwei Jahre nach der Trauung zu feiern. „Wenn es dieses Mal nicht klappt, lassen wir es ganz bleiben und fliegen in den Urlaub“, sagt Sandra Lutz. Das Pärchen hofft für alle anderen, die in dieser Zeit heiraten werden, dass sie es einfacher haben. Und dass sich die Zeiten auch für die Gastronomen bessern.