Vorderweidenthal
Pfalzwerke buchen jahrelang doppelt vom Konto eines Senioren ab
Rechnungen bezahlt niemand gerne. Manche sind aber nicht zu vermeiden. Sie fallen für Dinge an, ohne die der Alltag kaum bis gar nicht denkbar ist. Zum Beispiel für Strom. Den gibt es bekanntermaßen nicht zum Nulltarif. Ganz egal, welcher Anbieter liefert, es muss Monat für Monat Betrag x überwiesen werden beziehungsweise es wird alle vier Wochen abgebucht. Das geht auch Heinz Werle so. Bei dem 85-Jährigen ziehen die Pfalzwerke regelmäßig Geld als Gegenleistung für die Stromlieferung ein. Doch bei dem Vorderweidenthaler ist ein großes Problem aufgetreten.
Wie erst nach längerer Zeit aufgefallen ist, buchen die Pfalzwerke doppelt Geld für Strom vom Konto des 85-Jährigen ab. „Es geht um etwas mehr als 2000 Euro“, beziffert dessen Sohn Frank Werle den Betrag, den der Senior zu viel bezahlt hat. Angesammelt hat sich diese Summe seit März 2020. Ans Licht gekommen ist die Sache jedoch erst im Herbst vergangenen Jahres. „Meine Mutter war immer die Geschäftsfrau“, erzählt Frank Werle. Mittlerweile müsse sich sein Vater aber um deren Pflege kümmern und damit auch um den Papierkram zu Hause. Weil Heinz Werle dabei zwar bemerkt hat, dass zu viel Geld in Richtung Pfalzwerke wandert, irgendwann aber nicht mehr weiterwusste, suchte er Hilfe bei seinen Kindern. Also hat sich Frank Werle der Sache angenommen – und zunächst auf Granit gebissen.
Zwei Vertragskontonummern, ein Bankkonto
Dabei fing alles vielversprechend an. Denn der Grund für den Fehler war schnell gefunden. Bei einem Telefonat habe ein Pfalzwerke-Mitarbeiter mitgeteilt, dass Lastschriften von zwei Vertragskontonummern eingezogen werden, erzählt Werle. Eine davon gehört zu dem 85-jährigen Vorderweidenthaler, die andere zu einem Pfalzwerke-Kunden aus dem Donnersbergkreis. Sven Claus, Sprecher des Stromversorgers, bestätigt das auf RHEINPFALZ-Anfrage. Die rasche Klärung der Ursache führte jedoch nicht dazu, dass Heinz Werle direkt das von ihm zu viel bezahlte Geld wieder zurückbekam.
Am 28. November 2023 wandte sich Frank Werle im Namen seines Vaters schriftlich mit der Bitte an die Pfalzwerke, die falschen Abbuchungen zu erstatten. Wie ihm am Telefon geraten wurde, habe er den Brief per Einschreiben verschickt, erklärt Werle. Daraufhin passierte – nichts. Mehrfach versuchte Werle in den folgenden Wochen erfolglos herauszufinden, wie der Sachstand ist. Im Januar bekam er schließlich in einem Telefonat erklärt, dass das Einschreiben aus dem November nicht angekommen sei. Also verschickte Werle den Brief am 24. Januar erneut, samt Einlieferungsbeleg des ersten.
„Seitdem rufe ich alle zwei Wochen an“, erzählt Frank Werle beim Gespräch mit der RHEINPFALZ vor rund drei Wochen. Denn passiert ist monatelang rein gar nichts. Er bekomme am Telefon immer wieder erklärt, dass man ihn verstehe, man aber nichts tun könne. „Meine Eltern haben ja nichts falsch gemacht“, beteuert Werle, der so langsam aber sicher auch der Verzweiflung nahe ist. „Es geht ja nur darum, dass sie ihr Geld wieder bekommen.“ Mittlerweile zieht Werle in Betracht, sich juristischen Beistand zu holen. „Ich will eigentlich nicht zum Anwalt“, betont er allerdings – und sein Wunsch wird erhört.
RHEINPFALZ-Anfrage bringt Bewegung in die Sache
Denn Pfalzwerke-Sprecher Claus hat als Antwort auf eine entsprechende RHEINPFALZ-Anfrage eine gute Nachricht parat. „Die interne Analyse des Falls von Herrn Werle ist abgeschlossen, und der erste Verdacht hat sich bestätigt. Herr Werle hatte in einem Schreiben zur Änderung seiner Bankverbindung einen Zahlendreher in der Vertragskontonummer, sodass seine Bankverbindung im System eben nicht bei der richtigen Vertragskontonummer hinterlegt wurde“, schreibt er. Zwischen 20. März 2020 und 24. November 2023 habe der Vorderweidenthaler den Strom eines anderen Kunden mitbezahlt. „Was in diesem Zusammenhang sehr schade ist: Die Person, für die Herr Werle in den letzten Jahren die Stromrechnung bezahlt hat, muss ja mitbekommen haben, dass keine Abschlagszahlung et cetera mehr abgebucht wurde. Gemeldet hat sie sich bei uns nicht.“ Und dann die entscheidende Information: „Der Vorgang wurde nun bereinigt und das Guthaben für Herrn Werle bereits zur Auszahlung freigegeben.“
Nur wenige Tage nach dieser Ankündigung meldet sich Frank Werle wieder bei der RHEINPFALZ. Überaus erleichtert berichtet er, dass sich das Beschwerdemanagement der Pfalzwerke bei ihm gemeldet habe, um die Rückerstattung des Geldes an seinen Vater anzukündigen. Und das Geld ist daraufhin direkt auf dem Konto eingegangen. Die Geschichte des doppelt bezahlten Stroms hat damit ein glückliches Ende genommen – allerdings erst, nachdem sich die RHEINPFALZ bei den Pfalzwerken gemeldet hatte.