Annweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Pension Bergterrasse: Gründer-Paar feiert heute Eiserne Hochzeit

Irmgard und Karl Michel feiern heute Eiserne Hochzeit.
Irmgard und Karl Michel feiern heute Eiserne Hochzeit.

Das Fest der Eisernen Hochzeit miteinander feiern zu dürfen, ist nur wenigen Ehepaaren vergönnt. Heute vor 65 Jahren haben sich Irmgard und Karl Michel in Annweiler das Ja-Wort gegeben.

„Dass du das mit mir so lange ausgehalten hast!“, ulkt Karl Michel am Frühstückstisch in der Pension Bergterrasse und schaut verschmitzt seiner Angetrauten in die Augen. Die beiden sind stets gut aufgelegt und trotz ihres Alters von 88 Jahren geistig und körperlich recht wohlauf. Vor mehr als 50 Jahren haben sie begonnen, ihr Einfamilienhaus zur Fremdenpension zu vergrößern und nach und nach durch Anbauten zu einem prosperierenden, weithin bekannten Hotel mit etwa 80 Betten und zwei Ferienwohnungen auszubauen.

Der Gedanke zu einem solch aufwendigen Unterfangen kam den beiden eher durch Zufall. Karl war 40 Jahre bei der Post in Annweiler beschäftigt. Irmgard arbeitete als Schneiderin in einem Modehaus in Landau. Nach der Eheschließung wohnte das junge Paar zunächst in Albersweiler im Haus von Karls Eltern. Nicht lange, da kamen die beiden ersten Kinder, Klaus und Gabi, zur Welt, und die Michels zogen in eine geräumige Dienstwohnung im Postgebäude. Dort vergrößerte sich die Familie um zwei weitere Kinder, Karin und Sabine. Als sich dann noch Andrea anmeldete, war es auch in der Post zu eng geworden.

„Du, Irmgard, wir bauen eine Kapelle“

Karl sah sich nach einem Bauplatz um. Er fand etwas Passendes oberhalb der Trifelsstraße. 1969 war das Eigenheim fertig. Den Anstoß zur Pension gaben zwei Urlauber aus dem Rheinland, die sich in der Post nach einem Zimmer erkundigten. Karl bot ihnen sein Gästezimmer an. Das war der Beginn für das Anwesen, das sich heute über das ganze Plateau ausdehnt. Gäste gibt es das ganze Jahr über. Wenn im Spätsommer die Weinfeste beginnen und die „Keschdezeit“ im Herbst einlädt, ist die Bergterrasse in der Regel ausgebucht. Darüber hinaus fördern die Michels mit dem familieneigenen Restaurant „Zur alten Gerberei“ in der Innenstadt den Fremdenverkehr.

Seit 2009 krönt die Kuppe des Geländes die Friedenskapelle. Auch sie entstammt einem zufälligen Gedankenblitz. Eine Kirchengemeinde war 2005 mit ihrem Pfarrer zu Gast. Jeden Morgen hielt die Gruppe eine Andacht auf der Wiese ab. Aber einmal goss es in Strömen, und der Pfarrer regte an, einen überdachten Unterstand errichten zu lassen. Bei seinen täglichen Spaziergängen platzte es schließlich aus Karl heraus: „Du, Irmgard, wir bauen eine Kapelle.“ Von der Bevölkerung wird das Gotteshaus gerne für Andachten angenommen, aber auch für Trauerfeiern der nahe gelegenen Naturbegräbnisstätte.

Mit Kutsche durch die Stadt

Vor wenigen Jahren haben Karl und Andrea Michel die Verantwortung für das Unternehmen übernommen, das den Eltern zu umfangreich geworden war. Sie sind die neuen Eigentümer der Pension. Die bisherige Wohnung im Haus gehört den Seniorchefs weiterhin. Karl ist zuversichtlich, dass der Betrieb erfolgreich weitergeführt wird. Irmgard versorgt den Haushalt gewissenhaft wie bisher. Sie sitzt aber auch gerne auf der Bank draußen in der Sonne und hängt Gedanken eines reich erfüllten Lebens nach.

Kürzlich regte Tochter Andrea für das Jubiläum an: „Wenn dann noch die Hochzeitskutsche vorfahren könnte“, schwärmte sie. „Aber das geht ja wohl mit euch nicht mehr.“ Irmgard widersprach heftig. Also wird heute Vormittag eine offene Pferdedroschke das Jubelpaar abholen und es zum Dankgottesdienst in die Kapelle bringen und anschließend durch die Stadt kutschieren.

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