Bad Bergzabern
Pendler stranden wegen Zugausfalls am Bahnhof
Am Bahnhof zu stehen und eine Stunde auf den nächsten Bus zu warten, bereitet gewiss niemandem Freude. Wenn es dann noch regnet und dazu ein kalter Wind bläst, ist das umso schlimmer. Genau dieses zweifelhafte Vergnügen hatte Andreas Fritz am Montagabend. Er pendele zwischen Birkenhördt und Karlsruhe, berichtet er der RHEINPFALZ. Dazu muss er mit dem Bus nach Bad Bergzabern fahren, dann mit der Regionalbahn (RB) nach Winden, wo er in den Zug nach Karlsruhe umsteigt – oder eben umgekehrt.
So mühsam das wegen mehrerer Umstiege klingen mag: Das funktioniert recht gut. Die Fahrzeiten sind so aufeinander abgestimmt, dass die Busse von Bad Bergzabern ins Umland ohne großartige Rennerei zu erreichen sind. Ein Blick in die Fahrpläne bestätigt das. So fahren sämtliche Buslinien in Richtung Landau, Niederotterbach, Weißenburg und Dahn stets zur vollen Stunde in der Kurstadt ab. Die RB 54 aus Winden trifft laut Plan immer zur Minute 48 am Bahnhof ein. Zwölf Minuten Zeit zum Umsteigen reichen tatsächlich locker aus. An der Stelle klappt also das Zusammenspiel zwischen Deutscher Bahn (DB), die für die Züge verantwortlich ist, und der Queichtal Nahverkehrsgesellschaft (QNV), die den Busverkehr abwickelt.
Regionalbahn fährt bis Jahresende nicht
Doch das System hat einen Haken. Und zwar dann, wenn die RB 54 zwischen Winden und Bad Bergzabern nicht fährt. Das ist immer mal wieder der Fall – so auch derzeit. Wegen Personalmangels verkehrt bis Jahresende kein Zug auf besagter Strecke, wie die DB Regio jüngst mitteilte. Ein Schienenersatzverkehr (SEV) ist eingerichtet. Das Problem: Statt der regulären Ankunft mit dem Zug zur Minute 48, kommt der Bus aus Winden erst zur Minute 59 in Bad Bergzabern an.
Von den Auswirkungen dessen berichtet Andreas Fritz. „Der Übergang vom Zug zu den Ersatzbussen und umgekehrt scheint zu funktionieren“, schreibt er. „Woran aber mal wieder keiner gedacht hat, sind die Fahrgäste, die von Bad Bergzabern mit dem Bus weiterfahren müssen.“ Die Umsteigezeit sei so gering, dass es schon vorher klar gewesen sei, dass die Übergänge nicht funktionieren. Dass seine Vorahnung richtig war, stellte Fritz am Montagabend fest. „Die Hälfte der Busse, die mit einem normalen Zugverkehr problemlos zu erreichen gewesen wären, konnten nicht erreicht werden“, schreibt er zu dem, was er um 18 Uhr erlebt hat. „Das bedeutete für mich und zahlreiche andere Fahrgäste eine volle Stunde Wartezeit in Bad Bergzabern.“ Bei dem Wetter sei dies „ein schreckliches Erlebnis“ gewesen.
Fritz fragt sich, wieso die Busse, die von Bad Bergzabern aus weiterfahren, nicht einfach warten können bis der SEV eingetroffen ist. „Es geht um Wartezeiten im Bereich von zwei bis drei Minuten.“ Mit seinem Anliegen hat sich der Birkenhördter laut eigener Aussage bereits an den QNV gewandt – und er handelte sich einen Korb ein. Das wiederum sehe er als Aufforderung, die nächsten sechs Wochen lieber mit dem Auto nach Bad Bergzabern oder Winden zu fahren. „Nur: Wer das tut, fährt dann auch den Rest seiner Strecke mit dem Auto“, mutmaßt Fritz.
Anschlussbusse können nicht warten
Dass die Busse tatsächlich nicht in der Kurstadt warten können, bestätigt QNV-Betriebsleiter Jan Demand auf RHEINPFALZ-Anfrage. Als Grund nennt er Anschlüsse, etwa in Klingenmünster oder Dahn, die erreicht werden müssen. „So leid es mir tut, aber die können wir nicht liegenlassen.“ Neu ist das Problem laut Demand nicht. „Das ist jedes Mal so, wenn der Zug ausfällt.“ Er sieht die DB in der Verantwortung. Der Plan für den SEV liege dort in der Schublade und werde immer wieder herausgeholt, wenn kein Zug fährt. „Die ganzen Anschlüsse finden darin nicht statt“, sagt Demand.
Auch die Kreisverwaltung SÜW, deren Aufgabe der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) grundsätzlich ist, weiß um das Problem. Und auch aus dem Kreishaus geht der Blick in Richtung DB, genauer gesagt zum Zweckverband ÖPNV Rheinland-Pfalz Süd mit Sitz in Kaiserslautern (ZÖPNV). „Die Kreisverwaltung hat dem ZÖPNV einen Vorschlag für einen verbesserten Ersatzverkehr gemacht – einen auf den Bus- und Zugverkehr abgestimmten Fahrplan –, der nach unserer Erkenntnis aktuell geprüft wird“, teilt Benjamin Klar, ÖPNV-Referent des Kreises, mit.
ZÖPNV-Sprecher Fritz Engbarth bestätigt, dass über einen geänderten Ersatzfahrplan nachgedacht wird. „Wir müssen nachsteuern und eine Balance finden zwischen dem Sicherstellen des Anschlusses in Winden und den Busanschlüssen in Bad Bergzabern“, teilt er mit. Die Fahrzeit des Busses sei für beides zu lang. Trotzdem schließe er nicht aus, „dass wir in eine Probephase mit insgesamt knapperen Umsteigezeiten hineingehen müssen, mit der Option, den Busfahrplan wieder zurückzudrehen“. Klar ist: Wenn die Busse früher in Bad Bergzabern ankommen sollen, müssen sie auch früher in Winden losfahren. Das wiederum könnte dazu führen, dass der Umstieg in Winden vom Zug in den SEV-Bus nicht mehr klappt. „Wir werden mit der DB Regio eine Änderung besprechen“, versichert Engbarth. Und er hält fest: „Es zeigt sich, dass der Zug doch das bessere Verkehrsmittel ist.“ Wenn er denn auch fährt, möchte man hinzufügen.