Albersweiler / Kommunalwahl
Opaglück statt Doppel-Job: Ernst Spieß hört nach 30 Jahren als Ortschef auf
In der größten Ortsgemeinde im Trifelsland endet mit den anstehenden Kommunalwahlen eine Ära. 30 Jahre war Ernst Spieß der politische Steuermann von Albersweiler. Nun tritt er nicht erneut als Ortsbürgermeister an. Den Entschluss dazu habe er aber bereits vor fünf Jahren gefasst. „Ich habe bereits damals gesagt, dass es meine letzte Amtsperiode sein wird. Alles hat seine Zeit. Und jetzt müssen auch mal Jüngere drankommen – mit neuen Ideen und anderen Ansätzen“, findet der 66-Jährige. Und nicht zuletzt möchte er nach drei Jahrzehnten Engagement für das Dorf auch wieder mehr Raum für sich und seine Familie haben.
Denn Bürgermeister einer Ortsgemeinde zu sein, ist auf dem Papier ein Ehrenamt, im Endeffekt aber ein Rund-um-die-Uhr-Job. 25 bis 30 Stunden habe er jede Woche dafür aufgewendet, überschlägt Spieß. Zusätzlich zu seinem Hauptberuf als stellvertretender Leiter der internen Revision bei der Deutschen Rentenversicherung in Speyer, den er bis zu seiner Pensionierung vor drei Jahren ausführte. Sein Arbeitgeber habe ihm zwar immer viel Freiraum für sein Amt gelassen, aber es sei nicht selten vorgekommen, dass er zweimal am Tag zwischen Albersweiler und der Domstadt hin- und herpendelte, wenn parallel etwas in seiner Heimatgemeinde anstand und berufliche Dinge noch erledigt werden wollten.
„Bürger sollten echte Wahl haben“
In den vergangenen 30 Jahren sind unter seiner Regie etliche Projekte verwirklicht worden – wie die Fertigstellung der Löwensteinhalle, der Neubau des Busbahnhofs, die Sanierung des Albersweiler Kanals oder die Erschließung von drei Baugebieten. In jener Zeit hat er aber auch miterlebt, wie sich die Kommunalpolitik und die Anforderungen daran verändert haben. „Es kommt immer mehr auf die Ehrenamtlichen zu. Auf E-Mails werden Antworten innerhalb von wenigen Stunden erwartet, und die Verwaltungsansprüche sind höher geworden“, berichtet er.
Als er vor knapp 40 Jahren zur Politik kam, war die Welt noch eine andere. 1987 trat er in die SPD ein. „Weil ich etwas verändern wollte. Und dafür muss man sich auch einbringen“, erklärt er seinen Beweggrund. Zwei Jahre später wurde er in den Gemeinderat gewählt, wo er gleich den Fraktionsvorsitzendenposten übernahm, bis er 1994 Ortsbürgermeister wurde. „Bei meinen ersten fünf Wahlen hatte ich jeweils einen oder zwei Gegenkandidaten“, erinnert er sich. „Und das finde ich auch richtig und wichtig, denn der Wähler sollte auch eine Wahl haben.“ 2019 war er dann der einzige, den seinen Hut in den Ring war. „Heutzutage wird es immer schwerer, jemanden zu finden, der sich ehrenamtlich engagieren will. Da muss man froh sein, wenn überhaupt ein Bewerber antritt.“
Potenzieller Nachfolger bereits gebrieft
In Albersweiler sind die Weichen gestellt. Und es sieht alles danach aus, dass die sozialdemokratische Führung nahtlos fortgesetzt wird. Mit Andreas Gerdon kandidiert ein Parteikollege – erneut als einziger. „Seit klar war, dass es nur einen Wahlvorschlag gibt, setze ich mich jede Woche ein-, zweimal mit ihm zusammen, um ihn zu briefen“, berichtet Spieß. Denn nur zu gut weiß er, wie umfangreich das „Geschäft“ ist. Eines der Projekte, das er nicht mehr zu einem Abschluss führen konnte, ist die Umgestaltung des Dorfmittelpunkts. Die Gemeinde hat rund um das Rathaus einige Immobilien gekauft, etwa den alten Spar-Markt und die ehemalige Sparkassenfiliale. Doch mit Corona gerieten die Pläne ins Stocken. „Das wird wohl ein Ziel für den neuen Gemeinderat sein.“ Von der Ortspolitik will sich Spieß nach der Konstituierung des neuen Gremiums fernhalten. Lediglich im Verbandsgemeinderat Annweiler, dem er seit 2004 angehört, will er weiter tätig bleiben. Dass er wiedergewählt wird, ist sehr wahrscheinlich. Die SPD hat ihren Fraktionsvorsitzenden erneut auf Listenplatz 1 gesetzt.
Sein Bürgermeisteramt loszulassen, fällt ihm dabei nicht schwer. „Der Entschluss ist lange getroffen. Ich gehe ohne großen Wehmut. Irgendwann ist auch mal genug“, meint er schmunzelnd. Denn in den vergangenen drei Jahrzehnten gab es kaum einen Tag, an dem er nicht von 6.30 bis 22 Uhr im Einsatz für Gemeinde und Beruf war. „Da gibt’s dann auch so Highlights wie jemanden, der nachts halb zwölf bei mir anruft, um zu sagen, dass sein Mülleimer geklaut worden sei“, bemerkt er grinsend.
Mehr Zeit für kleine Enkelin
Für den Pensionär werden in Zukunft Garten, Haus, Familie im Vordergrund stehen. Und natürlich freut er sich, mehr Zeit für seine 28 Monate alte Enkelin zu haben. „Hier wird keine Langeweile aufkommen“, dessen könne man gewiss sein. Auch im historischen Arbeitskreis wolle er sich weiter engagieren. Und etwas mehr lesen. „Ich habe viel gelesen in den vergangenen Jahren“, sagt er mit Blick auf die unzähligen Dokumente, die es durchzuackern galt. „Aber jetzt werden es andere Sachen sein“, meint er lächelnd.
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