Kreis Südliche Weinstraße RHEINPFALZ Plus Artikel Offenbach: Geschäftsleben leidet unter Baustelle in der Hauptstraße

Die Geschäftsleute in Offenbach fühlen sich abgeschottet. Sie fordern eine bessere Beschilderung, damit die Kunden sie erreichen
Die Geschäftsleute in Offenbach fühlen sich abgeschottet. Sie fordern eine bessere Beschilderung, damit die Kunden sie erreichen.

Vor wenigen Tagen entdeckte Ralf Gensheimer den ersten Spargel bei sich auf dem Feld. „Ich bin überrascht, wir sind früh dran“, erzählt der Gemüsebauer. Noch vor Ostern werde der Verkauf starten. Die Nachfrage dürfte da sein, ist die Königin des Gemüses doch nur für kurze Zeit zu haben. Die Frage ist aber, ob die Spargel-Liebhaber auch bei Gensheimer Halt machen. Vor allem jene, die aus Richtung Landau kommen. Sie müssten bis ans Ende der Offenbacher Hauptstraße, um zu seinem Hof zu gelangen. Doch das ist seit Mitte Januar nicht mehr möglich. Wie berichtet, wird die Ortsdurchfahrt saniert, und zwar bis 2021. Aber schon jetzt klagen Gensheimer und andere Geschäftsleute über rückläufige Umsatzzahlen.

Auf seiner Homepage hat Gensheimer beschrieben, wie sein Hof derzeit zu erreichen ist. Der Großteil seiner Kunden, die aus Richtung Landau kommen, müssten den Umweg über Insheim oder Mörlheim in Kauf nehmen. Das dürfte nicht allen lieb sein. „Schätzungsweise 15 bis 20 Prozent Einbußen habe ich bislang zu verkraften“, sagt Gensheimer. „Wobei es in den Wintermonaten generell etwas ruhiger bei uns ist.“ Er sei deshalb umso mehr darauf gespannt, wie sich die Situation noch entwickelt. Wenn der Verkauf von lang ersehntem Obst und Gemüse wie Spargel und Erdbeere losgeht.

Supermarkt wird vorgezogen

Wenige Meter von seinem Hof entfernt sind die Bauarbeiter am Werk. Trotz Regens sind sie guter Laune. Weniger gut gelaunt sind die Gewerbetreibenden, die wenige Meter weiter ihre Filialen haben. Der fehlende Durchgangsverkehr macht sich beispielsweise bei der Bäckerei Scheurich bemerkbar. Vor allem werktags laufe das Geschäft schlechter, sagt Constanze Scheurich. Die Bauarbeiter sind zwar noch gut 500 Meter von der Ladentür entfernt, erst kommendes Jahr dürften sie vor der Bäckerei tätig werden. „Es gibt aber Kunden, die nun beim Wasgau halten und dort ihre Einkäufe erledigen“, weiß Scheurich. Und das, obwohl ihre Filiale noch gut anzufahren ist. Manche dürften von dem Schild irritiert sein, das in der Nähe der Neugasse steht. Es untersagt die Durchfahrt, nur Anlieger dürften bis zur Baustelle weiterfahren. Schon viel früher, an den Offenbacher Ortseingängen, könnten Autofahrer abgeschreckt werden, weiterzufahren. Schon dort wird auf die Sperrung der Ortsdurchfahrt hingewiesen. Vor allem Personen, die nicht ortskundig sind, wüssten manchmal nicht weiter.

Dazu kann Werner Danner vom „Sportshop Danner“ eine Anekdote erzählen. „Eine Kundin aus Hochdorf hat mich dreimal angerufen, weil sie nicht wusste, ob und wie sie zu mir kommen kann.“ Allerdings komme das wiederum selten vor, gesteht Danner. „Meine Stammkunden wissen Bescheid.“ Laufkundschaft, die durch die Sperrung weniger geworden sei, machten einen geringen Teil seines Geschäfts aus.

Beschilderung soll ergänzt werden

Auch Augenoptiker Peter Waltenberger schätzt sich glücklich, eine Stammkundschaft zu haben. „Laufkundschaft gibt es ja gar nicht mehr.“ Um die Situation zu verbessern, habe er angeregt, an den Ortseinfahrten Schilder aufzuhängen, die darauf hinweisen, dass die Geschäfte noch angefahren werden können. Er sei deshalb mit dem Landesbetrieb Mobilität im Gespräch. „Die Genehmigung liegt vor“, sagt Waltenberger. Die Kosten müssten die Geschäftsinhaber in der Hauptstraße tragen.

Egal wie, aber „die Pille müssen wir schlucken“, sagt Werner Danner. Er hätte sich aber gewünscht, dass die für den normalen Verkehr gesperrten Straßen Böhlweg und Brühlfahrt benutzt werden können, damit der von Herxheim kommende Verkehr keiner Umleitung folgen muss. Kunden des Bio-Gemüseladens Gensheimer dürfen diese Strecke ausnahmsweise fahren, und zwar zu den Öffnungszeiten. „Das ist nur logisch, sonst müssten auch Offenbacher mehrere Kilometer über die Autobahn fahren, um zu mir zu kommen. Wegen ein paar Karotten oder Kartoffeln macht das keiner“, sagt Gensheimer. Aber nicht alle machen von dieser Genehmigung Gebrauch. „Einige scheuen davor zurück, möchten nicht von der Polizei kontrolliert werden.“

Marion Trauth, die mit ihrem Mann Peter die Bäckerei Trauth betreibt, würde wie Danner gerne Brühlfahrt und Böhlweg nutzen. Dreimal am Tag beliefere sie von Herxheim aus die Filiale in Offenbach. Zwar habe sie bisher weniger Einbußen hinnehmen müssen, als sie befürchtet hatte. Dafür lege sie aber deutlich mehr Kilometer mit dem Auto zurück, da sie immer über Mörlheim fahre, um zur Filiale zu kommen.

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