Kreis Südliche Weinstraße Nimmermüde durch die Nacht

Mit der Pilgerlaterne: Erhard Steiger führt die Gruppe an.
Mit der Pilgerlaterne: Erhard Steiger führt die Gruppe an.

Morgens um 6 Uhr am Friedhof in Harthausen: Etwas mehr als ein Dutzend Menschen in Wanderkleidung wartet auf die große Pilger-Gruppe, die am Vorabend kurz vor Mitternacht an der St.-Anna-Kapelle in Burrweiler zum Mariendom in Speyer aufgebrochen ist. „Von Mutter Anna zu Mutter Maria“ lautet das Motto der nächtlichen Fußwallfahrt, die das Bistum erstmals angeboten hat, bewusst am Fest Mariä Himmelfahrt.

Die Pilgergruppe verspätet sich. Die Wartenden kommen ins Gespräch. Sie erzählen von ihren Beweggründen, die Pilger auf dem letzten Wegabschnitt zu begleiten. Für Matthias Münster aus Speyer geht es vor allem um das Erleben der Gemeinschaft. Gerhard Herrle aus Waldsee kennt solche Wallfahrten nur aus anderen Diözesen und freut sich, dass er nun auch hier die Gelegenheit dazu bekommt. Die Sonne geht auf und wird spontan von Beate Simon aus Harsberg mit einem Lied begrüßt. Sie wäre gerne die ganze Strecke gewandert, ist aber nach einer Erkältung noch nicht fit genug. Um 6.30 Uhr kommt die Vorhut, eigentlich die Nachhut: Thomas Sartingen von der mitveranstaltenden Katholischen Erwachsenenbildung ist mit einem Kleinbus ständig in Rufbereitschaft. Im Gommersheimer Waldhaus hat er für die Pilger Kaffee gekocht und tatsächlich einige Pilger aufgelesen, die den Rest der Route lieber mitfahren möchten. Allen voran läuft Erhard Steiger vom Bischöflichem Ordinariat, in der Hand die Pilgerlaterne, mit der er die Gruppe durch die Nacht geführt hat. 24 Kilometer haben die Wanderer nun schon hinter sich. Müde seien sie kein bisschen, sagen sie. Sie schwärmen vom einmaligen Erlebnis, eine Nacht durchzuwandern. Nach dem Pilgersegen von Domkapitular Franz Vogelgesang sind sie durch Felder, Wälder und Dörfer gezogen. „Wenig asphaltierte Strecke, ein super Weg“, erzählt Simone Pikula. „Wir haben die Milchstraße, das Siebengestirn und den Mars sehen können“, sagt Isabella Adams aus Ludwigshafen. Dann wird die Gruppe leise. Erhard Steiger spricht das Gebet „Gott unsere Mutter“. „Jeder nimmt aus so einem Impuls etwas anderes mit, über das er beim Weitergehen nachdenkt“, erklärt er. Die Pilger setzen sich wieder in Bewegung, ziemlich flott geht es hinaus aus Harthausen durch Felder, dann am Speyerbach entlang. Manche gehen schweigend, ganz in Gedanken verloren, andere unterhalten sich über Gott und die Welt. Beim Pilgern nehme man die Umgebung viel bewusster wahr, aufmerksamer als beim Wandern. Bei Nacht werde das noch verstärkt. Kurz vor Speyer geht es dann nur noch über Asphalt. Die Gruppe nähert sich dem Bischöflichen Ordinariat, wo ein Frühstück für sie gerichtet ist, bevor es zum Festgottesdienst am Patronatsfest in den Dom geht. „Komisch, ich bin überhaupt nicht müde, und eigentlich habe ich auch noch gar keinen Hunger“, sagt Anita Alexander aus Ingenheim. „Von nun an soll die Fußwallfahrt jährlich stattfinden“, verkündet Erhard Steiger, der überrascht über die Anzahl von rund 90 Pilgern war.

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