Kreis Südliche Weinstraße Nicht zu bewältigende Mammutaufgabe
«Bad Bergzabern.»Der 73-jährige Günter Fröhlich lebt seit 20 Jahren in Bad Bergzabern. Auf den städtischen Friedhof kommt er oft, um ein Grab zu pflegen. Doch was er dort sieht, gefällt ihm gar nicht. Solch ein verwahrloster Zustand sei für einen Friedhof ganz und gar nicht angemessen, findet er. Er zeigt auf Wege, in denen kaum noch Kies liegt und die mit Unkraut bewachsen sind. Auf größere leere Flächen, die dem Wildwuchs preisgegeben sind. Auf Freiflächen, die schon von Büschen und Brombeerhecken zugewuchert sind. Und auf Gräber, um die sich schon lange niemand mehr gekümmert hat. „Hier sieht es ganz furchtbar aus, kein einziger Weg ist gepflegt“, findet auch eine ältere Dame, die gerade ein Grab gießt. Sie gieße das Grab gegenüber mit, weil es ihr leid tue, dass sich niemand darum kümmere, sagt sie. „Ist die Grabpflege eigentlich vorgeschrieben?“, fragt Günter Fröhlich und zeigt auf eine völlig von Unkraut zugewucherte Grabstätte. „Wenn Gräber verwahrlosen, schreiben wir zunächst die Angehörigen an, damit sie sich darum kümmern“, informiert die Leiterin des Garten- und Friedhofsamtes der Stadt Bad Bergzabern, Anja Ziegler, auf Nachfrage der RHEINPFALZ. Das funktioniere auch in rund 80 Prozent der Fälle, wenn nicht, kümmere sich das Garten- und Friedhofsamt darum. „Was hab’ ich hier schon Unkraut gejätet, in regenreichen Sommern ist es noch schlimmer“, sagt eine Bürgerin, die drei Gräber auf dem Friedhof pflegt und an diesem sehr heißen Abend schweißüberströmt gießt. „Wir finden den Zustand auch furchtbar. In der ganzen Verbandsgemeinde gibt es keinen Friedhof, der so aussieht“, sagt ein Ehepaar. Das Unkraut auf den Wegen und Freiflächen erschwere zudem die eigene Grabpflege und es stünden zu wenig Gießkannen zur Verfügung, kritisieren sie. Dass die Einnahmen des Friedhofs die Ausgaben nicht decken, ist für Günter Fröhlich kein Argument. „Die Bürger, die hier liegen, haben ein ganzes Leben lang Steuern bezahlt“, sagt er. 2018 sind im Haushalt der Stadt für den Friedhof Einnahmen von fast 109.000 Euro vorgesehen, dem gegenüber stehen Ausgaben von gut 172.000 Euro, ein Minus von rund 63.000 Euro. „Uns ist die Problematik bewusst“, sagt Anja Ziegler. Die Leiterin des Garten- und Friedhofsamtes ist Chefin von zwölf Mitarbeitern, die für die Bepflanzung und Pflege der gesamten Grünflächen und Blumenkübel in der Stadt zuständig sind. „Karlheinz Frank ist seit 28 Jahren die gute Seele des Friedhofs“, sagt sie. Und der einzige, der für das Areal von mehr als 21.000 Quadratmetern mit 1700 Gräbern zuständig ist. Nicht nur für die Grünpflege, sondern auch für die Vergabe von Gräbern. Er ist bei Bestattungen dabei, macht den Grabaushub für Urnenbestattungen, ist Urnenträger und für den Winterdienst zuständig. Eine Mammutaufgabe, die einer allein gar nicht bewältigen könne, findet Ziegler. Bewilligt worden sei jetzt zusätzlich eine 25-Prozent-Stelle mit zehn Wochenstunden, die ausgeschrieben sei. Aber auch das werde nicht reichen, um alles in Schuss zu halten, sagt Ziegler. Zudem dürften die Wege seit diesem Jahr nicht mehr mit Unkrautvernichtungsmitteln gespritzt werden, was die Pflege derzeit auf reine Handarbeit beschränke. „Wir können nicht mehr Personal einstellen. Die Kommunalaufsicht gibt den Stellenplan vor“, informiert die für den Friedhof zuständige Stadtbeigeordnete Monika Scheder. Der Stadt liege sehr viel an einem gepflegten Friedhof, das Verbot von Unkrautvernichtungsmitteln, das der Umwelt zuliebe natürlich gut sei, erschwere die Arbeit aber erheblich. Sie habe Hoffnung, dass die Stadt im kommenden Jahr ein Gerät anschaffen könne, dass das Unkraut thermisch vernichte. „Das ist mit rund 35.000 Euro sehr teuer“, so Scheder. Zusätzliche Helfer gebe es derzeit, seit 1. August würden zwei Asylbewerber insgesamt fünf Tage pro Woche auf dem Friedhof arbeiten. Und die Bewerbungsgespräche für die 25-Prozent-Stelle würden in dieser Woche abgeschlossen, informiert die Beigeordnete.