Kreis Südliche Weinstraße „Nicht mehr blubbern, sondern futtern“
In der Kita, die 2014 nach zehnjähriger Schließung wieder eröffnet wurde, wird täglich frisch gekocht. Die 34-jährige Sabine Ackermann ist selbst Mutter einer zweijährigen Tochter, die die Kita besucht, und liebt ihre Arbeit, für die sie gut zweieinhalb Stunden täglich, ohne den Einkauf, braucht. Der Speiseplan für eine Woche mit Fotos der Gerichte hängt für die Kinder aus. Zum Beispiel ein Foto von einem Schoko-Zucchinikuchen, der nach der Erfahrung der Köchin sehr gut ankommt. Heute ist der Paprika-Maissalat schon fertig und wird von einigen Kindern schon mal vorgekostet, als gut befunden und in Schälchen gefüllt. „Es ist alles eine Sache der Koordination“, findet die Köchin, die im vergangenen Jahr nach Birkenhördt gezogen ist, zufällig darauf aufmerksam wurde, dass die Kita eine Köchin sucht und ihren Job im Vertrieb einer Firma aufgegeben hat. Sie püriert Karotten, Zucchini und Zwiebeln, die Teil der Tomatensoße werden. „Die Kinder essen das Gemüse am liebsten, wenn es unsichtbar ist“, schmunzelt sie. Im Schnitt kocht sie täglich für 15 Kinder. Mittwochs ist Suppentag, oft mit Waffeln oder Pfannkuchen. Die Knirpse essen zum Beispiel auch Thunfischsoße oder Spinat-Sahnesoße mit Krabben. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Kinder hier Sachen essen, die sie zu Hause nicht essen würden, das macht wohl das Essen in der Gruppe“, ist die Erfahrung der Köchin. Begeistert von der Küche ist auch die Leiterin der Einrichtung, Anne Haus. Derzeit gehen 20 Kinder in die Kita. „Die Kinder nehmen das Essen toll an, zu Sabine haben alle einen Bezug, sie kommen auch in der Küche vorbei, um mal in die Töpfe zu gucken“, schildert sie den Alltag. Fünf Erzieherinnen teilen sich derzeit drei Stellen, dazu kommt eine Französischlehrerin, eine Anerkennungspraktikantin und zwei Stunden pro Woche eine Sprachförderkraft. Die Tomatensoße ist fertig und wird noch püriert, das Nudelwasser kocht. Eineinhalb Kilo Nudeln gehen heute zu den ungefähr drei Litern Soße weg, ein Teil Vollkorn, ein Teil Weißmehlnudeln. Erstere müssen nur etwas früher ins Wasser. „Nur Vollkornnudeln würden sie wahrscheinlich nicht essen, bunte Nudeln wollen sie überhaupt nicht, gemischt fällt es gar nicht auf“, sagt Sabine Ackermann, die noch den Nachtisch vorbereitet: Trauben und Melonen. „Es ist eine familiäre Atmosphäre, man kann auf jeden eingehen, ich muss ja auch auf Besonderheiten wie Allergien achten“, erzählt die Köchin zwischen Herd, Spüle und Vorratskammer. Derzeit besucht sie auch einen Fortbildungskurs beim Landesamt für Ernährung in Neustadt. Die Geburtstagskinder dürfen sich bei ihr ein Essen wünschen. Der Tisch ist inzwischen gedeckt. „Jetzt nicht mehr blubbern, sondern futtern“, ist ein Teil des Reims, der vor dem Essen gemeinsam aufgesagt wird, für das die Eltern 2,80 Euro bezahlen. Auf die Frage der RHEINPFALZ, ob es schmeckt, gehen alle Hände hoch. „Schmeckt’s dir auch?“, ist die Gegenfrage. Hand hoch, es schmeckt. Silvester, der es nicht bei einem Teller belässt, hat auch schon für die Erzieherinnen „gekocht“. „Einen raffinierten Nachtisch mit Obst, Mascarpone und Cookies“, erzählt die Leiterin. Während die Kinder mampfen, erledigt die Köchin die Pflichtaufgaben. Essen, in dem Milchprodukte, Eier oder Fleisch enthalten sind, muss in einer kleinen Portion eingefroren und zehn Tage aufbewahrt werden, die Kühlschrank- und Gefriertruhentemperatur täglich notiert werden. Und die Küche wird noch blank geputzt. Das Einräumen der Spülmaschine übernehmen die Kinder, den Boden wischt täglich eine Reinigungskraft. „Morgens frühstücken die Kinder das selbst mitgebrachte Essen zusammen, einmal pro Woche werden Obst und Gemüse im Rahmen der Aktion „Schulobst“ geliefert“, erzählt Anne Haus. Auch von Aktionen rund um die Natur. Montags ist Naturtag auf dem eigenen Waldstück, ein Gang durch Wald und Flur wird unternommen oder Tiere besuchen die Kita. „Ein Hund und ein Hase waren schon da“, erzählt die Leiterin. Auf dem großen Außengelände soll jetzt ein Nutzgarten angelegt werden. „Die Kinder ziehen gerade die Samen, das machen sie unheimlich gern“, freut sich die Köchin, die schon viele Ideen hat, welche Gemüsesorten oder auch Obststräucher gepflanzt werden könnten. Inzwischen sind die meisten Teller leer, auch Levin und Olivia hat es geschmeckt. Am Nachmittag darf wieder draußen getobt werden. „Wir haben es schön hier, das wirkt sich auch auf die Kinder aus“, freut sich die Leiterin beim Blick aus dem Küchenfenster auf die Frühlingslandschaft und riesigen Spielplatz, den die Kinder zur Verfügung haben. Für ihr Buchprojekt rund um das Essen in Kitas wird die Fotografin Marion Doering aus Niederhorbach der Köchin in der kommenden Woche über die Schulter schauen. (pfn)