Weyher
Neuzugezogene planen Dorfladen im Alten Rathaus
Stephanie Hanel und Richard Zinken haben sich in Rheinhessen und in der Pfalz nach einem neuen Zuhause umgeschaut. Nach längeren Aufenthalten in New York und zuletzt in Heidelberg möchten sie die Zeit nun in einer ländlichen Region verbringen. Fündig wurden sie in Weyher. „Wir haben uns in den Ort verliebt. Die Lage, die schönen Häuser, die Atmosphäre – alles passt“, berichtet Zinken der RHEINPFALZ. Der Umzug ist noch nicht vollzogen, und doch haben Hanel und Zinken bereits ein Projekt vor Augen, mit dem sie ihren neuen Wohnort bereichern möchten.
Das Paar möchte im Alten Rathaus einen Dorfladen einrichten. Vorausgesetzt, der Gemeinderat gibt grünes Licht. Zwei seiner Fachausschüsse haben sich jedenfalls schon für das Paar ausgesprochen. Schließlich war im Ort nach einer Möglichkeit gesucht worden, etwas mehr Leben in das denkmalgeschützte Gebäude zu bringen. Dafür ist dort zuletzt auch Platz gemacht worden, und zwar im Obergeschoss, wo der Gemeinderat sein Sitzungszimmer und der Dorfchef sein Büro hatten. Beide sind seit Sommer dieses Jahres endgültig im Dorfgemeinschaftshaus zugegen, wo sie in den vergangenen Monaten coronabedingt ausgewichen waren. Der Vorteile in der dauerhaften Nutzung der dortigen Räume liegt laut Ortsbürgermeister Andreas Möwes (CDU) unter anderem darin, dass sie barrierefrei zugänglich sind.
Dorfladen seit 2016 im Gespräch
Eine Gruppe von Weyherern hatte sich bereits vor einigen Jahren dazu bereiterklärt, einen Dorfladen im Alten Rathaus zu etablieren. Ein Wunsch, der auch bei der Dorfmoderation 2016 geäußert wurde. Doch aus diesen Plänen wurde nichts. Die Ehrenamtlichen vertrieben dort aber anfangs Backwaren der Essinger Bäckerei Scheurich, bevor es der Betrieb später selbst in die Hand nahm. Der Verkaufsraum befindet sich im Erdgeschoss des historischen Gebäudes. Genau dort ist nun etwas Neues vorgesehen. Ein Treffpunkt, das teils Dorfladen, teils Café sein soll, wo Einheimische und Touristen bei einer Tasse Kaffee ins Gespräch kommen sollen. So stellen es sich Hanel und Zinken zumindest vor.
Im Erdgeschoss würden an vier Werktagen Produkte des täglichen Bedarfs vertrieben, etwa Honig, Milch, Butter und Mehl. „Dabei würden wir auf regionale Produkte und Qualität setzen“, erklärt Zinken. Auch Kunsthandwerkliches oder Weine würden zum Sortiment zählen. Das Angebot soll sich generell an den Bedürfnissen der Einwohner und Gäste orientieren, für Vorschläge seien sie offen. Im Obergeschoss des Gebäudes sollten zu den Öffnungszeiten des Ladens die Toiletten zur Verfügung stehen. Denkbar wären zudem, dort zu Veranstaltungen wie Lesungen oder Ausstellungen von Künstlern einzuladen. Wie Möwes berichtet, soll es dort auch weiterhin Trauungen geben dürfen.
Online-Handel für Naturweine aufgebaut
Hanel und Zinken hatten bereits vor ihrem Umzug nach Weyher mit dem Gedanken gespielt, sich durch einen eigenen Laden beruflich ein zweites Standbein zu schaffen. Angetrieben von der Motivation, historische Räume zu neuem Leben zu erwecken, wie Zinken berichtet. Hanel ist freiberuflich als Autorin und im Marketing-Bereich tätig. Zinken, studierter Physiker, war 20 Jahre im Verlagswesen beschäftigt, entwickelte dabei für ein Wissenschaftsmagazin in den USA eine Digitalstrategie, weshalb die Familie zwei Jahre in den Staaten lebte.
Nach der Rückkehr schwenkte Zinken beruflich um und baute mit seiner Frau einen Online-Handel für Naturweine auf. „In den USA werden solche ungeschwefelten und unbehandelten Weine gut vertrieben“, erzählt Zinken. In Deutschland seien das noch Nischenprodukte mit viel Potenzial. Das Interesse komme auch daher, weil ihr Sohn Winzer sei. Ihre Tochter mache gerade ihr Abitur.
Die Ideen für den Dorfladen sind laut Zinken noch nicht ausgereift. Auch auf Wünsche und Bedürfnisse von Bürgern wolle man eingehen.