STEINFELD RHEINPFALZ Plus Artikel Neues Werk: Wasser „fer hiwwe un driwwe“

Nach der offiziellen Einweihung am Freitag war am Wochenende Tag der offenen Tür.
Nach der offiziellen Einweihung am Freitag war am Wochenende Tag der offenen Tür.

Das neue Wasserwerk in Steinfeld ist an den Start gegangen. Von hier aus werden nun neun Gemeinden in der Südpfalz und grenzübergreifend die Stadt Weißenburg versorgt. Am Wochenende konnten Besucher die knapp fünf Millionen Euro teure Investitionen in Augenschein nehmen.

Die Produktionsstätten von fünf Trinkwasserversorgern im Nordelsass und in der Südpfalz sind nun unter einem Dach. Am Freitag wurde das neu gebaute Wasserwerk in Steinfeld offiziell eingeweiht, in Kürze wird es in Volllast gehen. Von hier aus werden neun Gemeinden der Verbandsgemeinde Bad Bergzabern inklusive eines Teils der Kurstadt und die Stadt Weißenburg versorgt. In Spitzenzeiten soll das Werk täglich 1,7 bis 1,8 Millionen Liter Trinkwasser zur Verfügung stellen. Dies entspricht knapp 2,6 Millionen 0,7-Liter Mineralwasserflaschen oder 216.700 Kisten.

Rund 4,6 Millionen Euro hatten die Verbandsgemeindewerke Bad Bergzabern für den Neubau angesetzt. Wobei Bürgermeister Hermann Bohrer dazusagte, dass die angepeilte Investitionssumme letztlich wohl leicht überschritten werde. Zwei Millionen Euro kommen aus dem Fördertopf des europäischen Umweltfonds. Der Bau wurde über das EU-Projekt Pawena umgesetzt. Die Bezeichnung Pawena ist ein Wortkonstrukt, hergeleitet aus P für Pfalz (Palatinat), A für Alsace (Elsass), WE für Wasser (Eau) und NA für Natur (Nature). Die Bauzeit betrug drei Jahre, womit man größtenteils im Zeitplan blieb. Einzig Lieferengpässe bei Elektronikbauteilen waren zu verzeichnen.

Zusammenarbeit seit über 30 Jahren

Das neue Werk sei ein Meilenstein in einer seit über 30 Jahren andauernden grenzüberschreitende Zusammenarbeit, betonte Bohrer. Er erinnerte daran, dass zur Jahrtausendwende von Steinfeld aus nach Weißenburg die erste grenzüberschreitende Trinkwasserversorgungsleitung gelegt wurde. „Steinfeld kommt eine zentrale Rolle beim Wassertransport ,vun hiwwe noch driwwe un vun driwwe noch hiwwe zu’“, stellte der Bürgermeister im schönsten Dialekt fest.

Bei allen Pawena-Projekten gehe es um die langfristige Sicherheit der Trinkwasserversorgung und die Schonung von Grundwasserressourcen, erklärte Bohrer. „Wenn alle Pawena-Projekte abgeschlossen sind, wird es eine Wasserversorgung vom Rhein bis nach Birkenhördt geben.“ „Wenn viele da sind und mitarbeiten, dann bringt man auch über Grenzen hinaus etwas fertig. Wir haben noch viel vor“, schwor Sandra Fischer-Jungk, die Bürgermeisterin von Weißenburg, alle auf die weitere europäische Zusammenarbeit ein.

2000 Kubikmeter Speichervolumen

Das Werk wurde als Stahlhalle in Sandwichbauweise errichtet. Die Aufbereitungsanlage darin besteht aus einer Oxidationsstufe für Eisen und Mangan, Filtration und Entsäuerung. Die Technik ist in der Lage, rund 150 Kubikmeter Rohwasser pro Stunde zu Trinkwasser aufzubereiten, das dann in zwei zylinderförmigen Edelstahlbehältern zwischengespeichert wird. Diese Behälter haben ein Speichervolumen von je knapp über 1000 Kubikmetern, viermal so viel wie im alten Werk, das 1965 seine Arbeit aufgenommen hatte. Damit genügend Druck im Wassernetz erzeugt wird und auch die umliegenden Speicherbehälter mit Trinkwasser beschickt werden können, wurden moderne Druckerhöhungsanlagen eingebaut, die je nach aktuellem Wasserbedarf frequenzgesteuert werden. Damit geht auch eine deutlich energieeffizientere Steuerung gegenüber dem bisherigen Wasserwerk einher. Ein Teil des benötigten Stroms wird über eine rund 400 Quadratmeter große Fotovoltaikanlage erzeugt, die auf dem Gebäudedach platziert ist.

Gegründet worden sei der Wasserzweckverband Bad Bergzabern/Weißenburg im Jahr 2001, erinnerte Évelyne Isinger, die für den grenzüberschreitenden Verkehr zuständige Regionalrätin der französischen Region Grand Est. „Mit dem Projekt schließen wir uns zusammen für eine gemeinsame Zukunft.“ „Das Projekt zeigt den Bürgerinnen und Bürgern auf beiden Seiten der Grenze sehr anschaulich, wie sie von einer solchen Einrichtung profitieren können“, sah auch Staatssekretärin Petra Dick-Walther vom rheinland-pfälzischen Ministerium für Wirtschaft, Landwirtschaft und Weinbau, darin eine Chance zur weiteren europäischen Entwicklung.

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