Kreis Südliche Weinstraße Neues Radio gar nicht Ga Ga

Es ist Mittwochnachmittag, genau 15.50 Uhr: Auf dem Freigelände des Pfalzklinikums Klingenmünster starten Mitarbeiter, Patienten, Ärzte und Besucher den Countdown – und dann ist es soweit. Mit dem gemeinsamen Schlag auf den roten Button starten Paul Bomke, Geschäftsführer des Pfalzklinikums, sein Stellvertreter René Berton und Musiktherapeutin Laura Lüdtke das erste Liveprogramm des „Patientenradio Peilsender“.
Dank der Unterstützung der Landeszentrale für Medien und Kommunikation in Ludwigshafen ist der „Peilsender“ nun über die UKW-Frequenz 87,9 im gesamten Bereich des Pfalzklinikum zu empfangen. Jeder, der ein Radio besitzt, hat nun die Möglichkeit, das „hausgemachte“ Programm zu hören. Teilweise ist der Empfang sogar in Eschbach und Göcklingen, oder auch in Pleisweiler-Oberhofen und mitunter sogar in Bad Bergzabern möglich. Es ist der erste nicht kommerzielle Sender in Rheinland-Pfalz, der eine eigene UKW-Frequenz durch die Bundesnetzagentur genehmigt bekommen hat. Bereits seit April 2012 gibt es das klinikinterne Radio, ein Projekt von Patienten der Sozialtherapie des Pfalzinstituts – Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Im Mai 2013 wurde der Sender der Öffentlichkeit präsentiert und nun ging er mit der ersten Livesendung „on air“. Die erste Stimme, welche den Zuhörern ins Ohr dringt, gehört dem jungen Moderator Steven Matterer. Ein bisschen Nervosität ist ihm ob der Premiere einer Liveübertragung schon anzumerken. Nach einigen einführenden Worten über das Entstehen des Patientenradios übergibt er das Mikrofon an Laura Lüdtke. Sie ist zusammen mit Saskia Schmidt, die ebenfalls als Musiktherapeutin viele Patienten betreut, und Rudi Pericki, der im pädagogisch-pflegerischen Dienst zu Hause ist, Hauptinitiatorin des Projekts. Auf Lüdtkes Frage, was sich der Geschäftsführer vom Patientenradio erhofft, antwortet Paul Bomke: „Wir wollen den Patienten natürlich gute Unterhaltung liefern, nicht zuletzt aber auch Informationen geben, die die Menschen hier auch verstehen. Damit meine ich, dass sie sich nicht immer mit dem für sie unverständlichen Fachchinesisch auseinandersetzen müssen.“ Ganz locker drückt sich René Berton aus: „Ich finde es einfach saucool, dass wir hier in Klingenmünster eine eigenes Patientenradio haben.“ Er sei total happy. Diese Sprache kommt natürlich vor allem bei den jungen Besuchern und Zuhörern sehr gut an. Dann geht auch schon das erste Lied über den Äther. Paul Bomke hatte den Vorzug, einen Wunsch äußern zu dürfen. Und treffender hätte seine Wahl kaum ausfallen können. „Radio Ga Ga“ von Queen animiert die Anwesenden aller Altersgruppen gleich zum Mitsingen. Doch nur „Ga Ga“ ist das Patientenradio keineswegs, soll es doch den Patienten in erster Linie gute Laune vermitteln und so etwas dazu beitragen, ihre Krankheiten zu überwinden. Aber nicht nur bekannte Hits aus verschiedenen Jahrzehnten und Stilrichtungen werden künftig laufen, sondern auch Lieder, welche die Schlagzeuger und Gitarristen der Mitarbeiter- und der Patientenband, oder auch die jungen Patienten aus der Kinderklinik selbst komponiert haben oder noch komponieren werden. Geplant ist dauerhaft ein 24-stündiges Programm einzurichten, was vordringlich mit Musik gefüllt wird, das aber Stück für Stück auch durch Wortbeiträge ergänzt werden soll. Dann hat die Mitarbeiterband ihren ersten Auftritt „Live on stage“. Der Refrain ihres Liedes passt wie die Faust aufs Auge. „Mach dein Ding“ heißt es im Stück von Udo Lindenberg und getreu der Zeilen im Text, wo es heißt: „… und ich mach mein Ding, egal was die anderen sagen, ich geh’ meinen Weg“ will der „Peilsender“ seinen Weg machen. Davon ist auch Michael Brünger überzeugt. Der Chefarzt am Pfalzinstitut wünscht sich ein „Radio von Patienten für Patienten!“ Die Band „Macchiato“ übernimmt dann den weiteren musikalischen Part und begeistert ebenfalls die Zuhörer. Sie liefert ihre Musik in „Macchiato“, also Milch, sprich „schneeweiß und ohne Latte“, also nicht gefleckt. Nach 90 Minuten ist das erste Liveprogramm beendet. (lam)