Göcklingen RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Bestattungsformen auf Friedhof geplant

Bald könnten auch Baumbestattungen auf dem Göcklinger Friedhof möglich sein.
Bald könnten auch Baumbestattungen auf dem Göcklinger Friedhof möglich sein.

Die Bestattungskultur verändert sich. Das weiß auch die Gemeinde Göcklingen, die ein neues Konzept für den Friedhof erarbeiten will. Welche Ideen kommen bei den Göcklingern an? Und warum gab es in früheren Zeiten Streit um die Bestattung auf dem Kirchhof?

Seit über 50 Jahren besteht die Friedhofsordnung von Göcklingen. Es wird Zeit, diese einer Frischzellenkur zu unterziehen, findet die Gemeinde und hat eine Bürgerversammlung einberufen, zu der 30 Teilnehmer kamen. Mit einer Umgestaltung des Friedhofs soll auf die sich verändernde Bestattungskultur eingegangen werden. Der Augenblick des Todes sei für Angehörige mit Trauer und Emotionen beladen, deswegen müssten bei der Neugestaltung viele individuelle Kriterien berücksichtigt werden, mahnte Landschaftsarchitektin Bettina Krell. Aus Bangen um eine ordnungsgemäße Grabpflege steige die Anzahl der Urnen- und Anonymbestattungen enorm. Auch Baum-, Wiesen- und Stelenbestattungen lägen im Trend. Auf einer Freifläche im Südosten des Friedhofs würde sich eine Baumbestattung anbieten, schlug sie vor. Über das Anlegen von Wiesen- oder Rasengräbern, von einem Friedweinberg, also der Bestattung unter Reben, einem Stelenstandort oder anderen Bestattungsformen bestehe noch Gesprächsbedarf.

Dabei soll der Friedhof auch als Ort der Begegnung in den Blick genommen werden. Mehrere Sitzgelegenheiten sind angedacht, vielleicht sei auch ein Brunnen mit einem beruhigenden Einfluss auf die Besucher denkbar. Zudem ist eine neue einheitliche Umzäunungshecke vorgesehen. Die Toiletten im Friedhofsgebäude bedürfen ebenso einer Erneuerung wie die befestigten Wege, die durch Wurzeldruck nahe stehender Bäume uneben geworden sind. Für den Müll soll einer neuer Standort gefunden werden, da der bisherige am Eingang den Gesamteindruck der Ruhestätte stört. Für das Vorhaben stehen im Gemeindehaushalt 160.000 Euro zur Verfügung. Ein Großteil der Ausgaben werde aber vom Land finanziell gefördert, berichtete Ortsbürgermeisterin Manuela Laub.

Einst Streit zwischen Konfessionen

Der umgestaltete Friedhof soll ein Ort der Ruhe und Andacht werden, doch es ging auch schon stürmischer auf diesem zu. Ab dem Ende der Reformation gab es in Göcklingen Streitigkeiten um die Bestattung der Leichen von Reformierten und von Katholiken. Mit der Einweihung des heutigen Friedhofs am 1. Mai 1828 wurden die Streitigkeiten zwischen den Konfessionen damit beendet, dass die katholische Kultusgemeinde die Leichen ihrer Verstorbenen auf dem südlichen Teil bestatten durfte, während alle übrigen Verstorbenen auf dem durch einen Mittelweg getrennten nördlichen Teil beigesetzt wurden. Wie kam es zu der strikten konfessionellen Trennung, die bis nach dem Zweiten Weltkrieg dauerte?

Im Mittelalter wurde der Kirchhof in der Regel um das Gotteshaus angelegt. Die Verstorbenen wollten auch nach ihrem Tod in Gottes Nähe sein. Die Streitigkeiten begannen mit dem Tod der ersten Reformierten. In einer Urkunde von 1731 schilderte der damalige Pfarrer Back: „Kirchhof offen um die Kirch, auf welchem die Reformierten und Lutheraner die Erlaubnis erhalten, ihre Toten zu beerdigen unten gegen die Mauer und kleinen Türlein“, also am äußersten Rand des Friedhofs.

Sogar Gericht bemüht

Um die Belegung des Kirchhofs korrekt nach Konfessionen getrennt einzuhalten, wurde er mit Holzstickeln unterteilt. Im Laufe der Jahre wurden die Pfähle morsch. So kam es zu Unregelmäßigkeiten. So „sey ein alter Junggesell (catholischer Religion) mit den Füßen auf die andere Seite zu liegen gekommen und ein Reformierter sey anderthalb Schritt auf catholischer Seit begraben worden“. Daraufhin wurden die Holzpfähle durch Grenzsteine ersetzt, von Unbekannten wieder entfernt und wieder erneuert. Wegen der Belegung entbrannte zwischen den Konfessionen ein heftiger Streit, der das Gericht bemühte. Der Konflikt eskalierte und wurde an die nächst höhere Instanz, an das Oberamt in Germersheim, verwiesen. Es wurde den Beteiligten angedroht, dass „unter Vermeidung von 20 Rutenhieben durch den herrschaftlichen Vogt nichts mehr privat und eigenmächtig geschehen solle“. Mit der Belegung des neuen Friedhofs endete der Streit.

Doch 1889 flackerte er aus eigentumsrechtlichen Gründen um das alte Kirchhofgelände erneut auf. Man scheute aber den gerichtlichen Weg – „der Kosten halber“. Der Rechtsstreit wurde beigelegt, indem das Eigentum auf die katholische Kultusgemeinde übertragen wurde. An die evangelische Kultusgemeinde musste eine Entschädigung gezahlt werden.

Mittlerweile friedliche Eintracht

Wahrscheinlich haben die Opfer der beiden Weltkriege ein Umdenken bewirkt. Seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts ist man von dem strengen Brauch der getrennten Bestattungen abgerückt. Mit dem 2006 gefassten Gemeinderatsbeschluss, ein gemeinsames Urnenfeld anzulegen, ist der Streit endgültig begraben. Auf dem früheren Kirchhof, dem heutigen Pfarrgarten, feiern Christen aller Konfessionen und Mitglieder anderer Religionen gemeinsam unter dem Schatten der noch aus damaliger Zeit stehenden Platane ihre weltlichen und kirchlichen Feste in friedlicher Eintracht.

Mehr zum Thema
x