Rhodt RHEINPFALZ Plus Artikel Nach Wegfall von Parkflächen Widerstand von Anwohnern

Rechts der Durlacher Hof in Rhodt. Dort stehen die ersten Schilder, die auf das eingeschränkte Halteverbot an der Weinstraße in
Rechts der Durlacher Hof in Rhodt. Dort stehen die ersten Schilder, die auf das eingeschränkte Halteverbot an der Weinstraße in Richtung Edenkoben hinweisen.

In der Rhodter Ortsdurchfahrt kann nur noch zum Be- und Entladen gehalten werden. Sonst ist die Weinstraße frei zu halten, damit der Verkehr besser fließen kann. Das stößt bei Anwohnern auf Widerstand. Der Ortschef hat derweil Verbesserungsvorschläge.

Christine Gehrlein ist daran gewohnt, dass unzählige Autos an ihrer Haustür vorbeifahren. Sie wohnt in Rhodt, das allein schon wegen der Rietburg viele Touristen anlockt. Ihr Anwesen befindet sich zudem an der stark befahrenen Weinstraße. „Normalerweise stellt das für uns kein Problem dar“, berichtet sie gegenüber der RHEINPFALZ. Es stört sie auch nicht, dass seit der Sperrung der Edesheimer Ortsdurchfahrt im August noch mehr Blechlawinen durch das Dorf rollen. Und das, obwohl Rhodt eigentlich nicht auf der ausgewiesenen Umleitungsstrecke liegt. Dass aber wegen des gestiegenen Durchgangsverkehrs nur noch zum Be- und Entladen im unteren Bereich der Weinstraße gehalten werden kann, ärgert Gehrlein.

Nicht etwa, weil sie dort einen Stellplatz für ihren Wagen einfordert. Sondern weil Autofahrer wegen der nun freigewordenen Fahrbahn dazu verleitet würden, schneller als die erlaubten 30 Stundenkilometer unterwegs zu sein. Schon jetzt könne sie nicht mehr vom Hof fahren, ohne Angst davor haben zu müssen, dass jemand gegen ihren Wagen brettert. Und viel wichtiger: Als Familienmutter macht sie sich Sorgen um ihre Kinder. Unabhängig vom Tempo der Autofahrer sei die Unfallgefahr allein schon dadurch gestiegen, dass nun die komplette Straßenbreite bis zu den Hauswänden ausgenutzt werde. Die Gehwege seien in der Weinstraße dagegen schmal, zudem ohne Bordsteinkante. Es fehle somit an Hindernissen, damit die Fußgänger geschützt sind.

Busunternehmen hat Änderung angestoßen

Aus beruflicher Erfahrung weiß Gehrlein, dass innerhalb der Ortslagen gerne auf Bauwerke wie Fahrbahnteiler oder Verschwenkungen gesetzt wird, um Rasern Einhalt zu gebieten. Auch Stellplätze, etwa wechselseitige Parkbuchten auf der Fahrbahn, schafften Abhilfe. „Die geparkten Fahrzeuge waren bei uns bisher immer ein Schutz für Fußgänger, weil sie Autofahrer dazu brachten, langsamer zu fahren.“ Seitdem sie weggefallen sind, liefen Menschen Gefahr, angefahren zu werden, sobald sie einen Fuß auf die Straße setzten. Dabei gebe es so manche Engstellen in der Weinstraße, auch neu geschaffene Barrieren. Gehrlein meint damit die Standfüße der neuen Schilder, die Fußgänger dazu zwingen würden, teils auf die Fahrbahn auszuweichen.

Die Änderung in der Weinstraße angestoßen hat die Firma Palatina Bus GmbH aus Edenkoben. Wie ihr Fahrdienstleiter Jürgen Heil auf Nachfrage der RHEINPFALZ mitteilt, sei es generell schwierig, in Rhodt voranzukommen. Begegnen sich beispielsweise zwei größere Fahrzeuge, muss sich abgestimmt werden, was Zeit kostet. Zum einen sei das Verkehrsaufkommen sehr hoch. Zum anderen gebe es einige Engstellen in der Ortsdurchfahrt, auch im oberen Bereich der Weinstraße Richtung Hainfeld, wo es wegen der dichten Bebauung keine Parkplätze an der Fahrbahn gibt.

Zwei Buslinien von Einschränkungen betroffen

Gestört wurde der Verkehrsfluss durch die Parkplätze im unteren Bereich der Weinstraße Richtung Edenkoben. „Dadurch gab es immer wieder Momente, in denen der Verkehr zum Erliegen kam“, betont Heil. Betroffen sei die Buslinie 500, die ebenso wie die Linie 501 zwischen den Bahnhöfen in Neustadt und Landau verkehrt. Mit dem Unterschied, dass sie auch unter anderem Burrweiler und Gleisweiler bedient und deshalb durch Rhodt muss.

Die Linie 501 fährt dagegen über Großfischlingen und Venningen nach Landau. Die um mehr als zehn Minuten verlängerte Fahrzeit wird laut Heil dadurch kompensiert, dass sie nicht mehr durch Landau fährt, sondern ab der nördlichen Stadteinfahrt den schnellsten Weg zum Bahnhof nimmt. Um auch auf der Linie 500 die Fahrpläne einhalten zu können, sei ein fließender Verkehr in Rhodt wichtig.

„Dem ÖPNV mehr Bedeutung beigemessen“

Geht es nach Christine Gehrlein, hat es Palatina Bus verpasst, sich auf die neue Situation einzustellen, die sich durch die Sperrung in Edesheim ergeben hat. Das Busunternehmen hätte seine Fahrpläne ändern sollen. Wie Heil auf Nachfrage erklärt, geht das aber nicht so einfach: „Unsere Fahrzeiten sind so gehalten, dass Fahrgäste ihre Anschlüsse an den Haltestellen erreichen.“ Auch an Schulzeiten werde sich beispielsweise orientiert.

Nichtsdestotrotz kann Gehrlein nicht nachvollziehen, wieso dem Öffentlichen Nahverkehr mehr Bedeutung beigemessen wird als Anwohnern der Weinstraße. „Ich finde, das sagt schon sehr viel über den Wert der Fußgänger aus.“ Gehrlein befürchtet, dass am Ende ein Kind in einen Unfall verwickelt wird, weil es den Verkehr noch nicht so gut einschätzen könne. „Dann sind alle ganz traurig und niemand will es gewesen sein.“

VG-Verwaltung weiß von Beschwerden

Sabrina Jung macht sich ebenfalls Sorgen wegen der neuen Situation, weshalb sie sich an die RHEINPFALZ wandte. Die zweifache Mutter sieht nicht nur Fußgänger gefährdet. Sie sorgt sich auch um die Patienten ihrer Physiotherapie-Praxis, die sie vor ihrem Wohnhaus, direkt an der Weinstraße, führt. Viele von ihnen seien im hohen Alter und täten sich schwer, den Parkplatz auf ihren Hof zu verlassen. Auch das Ein- und Aussteigen vor der Praxis werde zu einem Abenteuer. „Viele Patienten fühlen sich deswegen unwohl und haben Angst“, sagt Jung. Zumal die Bedingungen gerade im Herbst und Winter schlimm seien, da es bei den Behandlungen am Morgen und späten Nachmittag noch beziehungsweise schon dunkel und die Sichtverhältnisse eingeschränkt seien.

Ortsbürgermeister macht Änderungsvorschläge

Die Verkehrsbehörde der Verbandsgemeinde Edenkoben hat ebenfalls von Beschwerden mitbekommen und diese an den Landesbetrieb Mobilität (LBM) weitergeleitet. Ausschließlich der Straßenbaulastträger ist laut VG-Bürgermeister Olaf Gouasé (CDU) verantwortlich und handlungsbefugt. Auf Anfrage der RHEINPFALZ teilt der LBM mit, dass Parkverbote auf Umleitungsstrecken immer wieder Diskussionen auslösten. Werden sie eingerichtet, werden rasende Autofahrer befürchtet. Ändert man nichts, werde über Staus, Verkehrschaos sowie zusätzliche Lärmbelastung geklagt. „In der Abwägung entscheiden wir uns regelmäßig für Parkverbote“, sagt der LBM-Dienststellenleiter in Speyer, Martin Schafft.

Wie die Behörde mitteilt, werde sie auf begründete Kritik oder bei Verbesserungsvorschlägen reagieren, auch kurzfristig. Ortsbürgermeister Armin Pister, der den aktuellen Zustand ebenfalls als nicht zufriedenstellend einstuft, hat nach eigener Aussage kürzlich Vorschläge eingebracht, wie Fußgänger besser geschützt werden können. „Ich habe angeregt, an besonders engen Stellen der Gehwege parallel zur Straße Barrieren als Hindernisse aufzustellen, damit die Gehwege nicht von Autos überfahren werden.“ Zudem habe er sich gewünscht, auch auf dem letzten Abschnitt der Weinstraße in Richtung Edenkoben die Geschwindigkeit auf Tempo 30 zu beschränken, damit Autofahrer erst später aufs Gaspedal treten. Nun warte er auf eine positive Antwort der Behörden.

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