Venningen RHEINPFALZ Plus Artikel Nächtlicher Glockenschlag wird trotz Klagen beibehalten

Die politische Gemeinde in Venningen ist für die Kirchturmuhr zuständig, nicht die katholische Kirchengemeinde.
Die politische Gemeinde in Venningen ist für die Kirchturmuhr zuständig, nicht die katholische Kirchengemeinde.

In Venningen wird man den nächtliche Glockenschlag der Kirche nicht verstummen lassen. Damit weist die Gemeinde den Antrag der Nachbarn zurück, die über Lärm geklagt hatten. Wie wird die Entscheidung argumentiert?

Die Glocke der katholischen Kirche in Venningen wird auch in Zukunft zu später Stunde zu hören sein, um 23 Uhr beispielsweise sage und schreibe 27-mal: Zu jeder vollen Stunde sind vier Schläge vorgesehen, jede weitere gibt dann an, wie spät es ist. Zeitschlagen lautet der korrekte Begriff. Es unterscheidet sich vom sakralen Läuten, das tagsüber zu religiösen Anlässen zu hören ist, etwa bei Gottesdiensten oder Trauungen, und rechtlich aufgrund der freien Religionsausübung besonders geschützt ist. Das nächtliche Zeitschlagen hingegen hat bundesweit nach Protesten von Anwohnern unzählige Gerichte beschäftigt, die den Klägern teilweise recht gaben.

Bürger zu ihrer Meinung befragt

Dadurch, dass das nächtliche Zeitschlagen in Venningen beibehalten wird, weist die Gemeinde die Klagen der Anwohner des Gotteshauses zurück, die sich darüber beklagt hatten. Sie fühlten sich um den Schlaf gebracht und wünschten, die Glocke zwischen 23 und 5 Uhr verstummen zu lassen. Vor seiner Entscheidung hatte der Gemeinderat Bürger zu ihrer Meinung befragt. Das sollte nicht als Bürgerentscheid gemeint sein. Die Gemeinde wollte vor ihrer Entscheidung ein Meinungsbild einfangen und schauen, ob und wie sehr das Zeitschlagen nach Mitternacht akzeptiert ist. Ein Mittel, auf das nach Angaben des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums bei dieser Thematik gesetzt werden kann. Das Ergebnis: Die Venninger haben sich mit deutlicher Mehrheit gegen eine Änderung ausgesprochen, und zwar der Tradition wegen.

CDU-Fraktionssprecher Thomas Rohr enthielt sich bei der Abstimmung. Er bemängelt gegenüber der RHEINPFALZ aber, dass diese besondere, mit Emotionen behaftete Thematik relativ zügig im Gremium abgehandelt worden sei. Dabei wäre es nicht so abwegig gewesen, nach anderen Möglichkeiten zu suchen, um die lärmgeplagten Anwohner zufriedenzustellen. In anderen Ortschaften, in Maikammer beispielsweise, gebe es schon seit längerer Zeit keinen nächtlichen Glockenschlag mehr. Wie Pfarrer Peter Nirmaier berichtet, sind die Glocken in der Zeit zwischen 22 und 6 Uhr morgens abgestellt.

„Im Dorf soll Ruhe einkehren“

Auf Anfrage der RHEINPFALZ teilt Ortsbürgermeister Jürgen Leibfried mit, dass dieser Tagesordnungspunkt reibungslos im Gremium behandelt wurde. Nachdem die Bürgerbefragung so eindeutig für die Beibehaltung des nächtlichen Glockenschlags ausgefallen war, sei es nicht als nötig erachtet worden, nach anderen lärmreduzierenden Maßnahmen zu schauen. Zumal auch die Mitglieder des Gemeinderates sich in dieser Angelegenheit mehrheitlich einig waren. „Wir wollten, dass mit unserer Entscheidung Ruhe in dieser Sache einkehrt“, so Leibfried.

Wie die betroffenen Anwohner auf die Entscheidung des Gremiums reagieren, ist nicht bekannt. Leibfried hatte bereits im Vorfeld keinen Kontakt zwischen der RHEINPFALZ und den Betroffenen herstellen können.

In der Vergangenheit auf Proteste reagiert

Losgelöst von diesem Fall in Venningen würde ein Abschalten des nächtlichen Zeitschlagens generell einem Verbot des Glockengeläuts gleichkommen, wie das rheinland-pfälzische Umweltministerium gegenüber der RHEINPFALZ mitteilt. Denkbar wäre, Maßnahmen unterhalb dieser Eingriffsschwelle zu ergreifen, etwa einen lärmreduzierenden Betrieb der Glocke durch eine Dämmung.

Der erste Beigeordnete Thomas Gienandt merkt im Zusammenhang mit der Kirchenglocke an, dass vor mehr als zehn Jahren auf Beschwerden von Anwohnern reagiert wurde. Früher gab es im Ort um 6 Uhr das Angelus-Läuten, das in der Regel aus einem dreimaligen Anschlagen der Glocke und einem längeren Nachläuten besteht. Als dagegen protestiert wurde, sei das morgendliche Läuten abgestellt worden, berichtet Gienandt. Seitdem werden Gläubige nur noch zweimal am Tag, um 12 und um 18 Uhr, dazu aufgerufen, den „Engel des Herrn“ zu beten, wie der kirchliche Gemeindeausschuss auf Anfrage bestätigt.

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