Annweiler
Museum: Exponat wird Teil der Landesausstellung in Trier
Zwei Angestellte einer Spedition aus Frechen bei Köln, von Beruf Kunstpacker, also Spezialisten im Transport wertvoller Kunstgegenstände, schleppten Anfang dieser Woche die etwa zwei Zentner schwere Nachbildung der Kaiserstatue am einstigen Brückentor von Capua über eine der steilen Stiegen in dem verwinkelten Haus hinaus ins Freie. Dort schoben sie die aus Alabaster-Gips gefertigte Skulptur in einen Holzverschlag, sicherten sie fachgerecht mit gepolsterten Streben ab und transportierten sie auf einem per Hand gezogenen Hubtransporter, einer sogenannten Ameise, durch die Gassen zu einem auf dem Rathausplatz abgestellten und auf sie wartenden Lastwagens. Eine Aktion am Annweilerer Museum, von der kaum jemand etwas mitbekam.
Teil einer Ausstellung in Trier
Das Exponat aus der Südpfalz wird in Kürze an anderer Stelle zu bewundern sein. Es wird die rheinland-pfälzische Landesausstellung über den Untergang des Römischen Reichs bereichern, die am 25. Juni in Trier eröffnet wird. Die Ausstellung, die vom 25. Juni bis zum 27. November gehen wird, präsentiert sich nicht nur im Trierer Landesmuseum, sondern verteilt sich auch auf zwei weitere Orte der Stadt: Unter dem Thema „Im Zeichen des Kreuzes – Eine Welt ordnet sich neu“ werden ausgewählte Werke im Museum am Dom gezeigt, im Stadtmuseum Simeonstift geht es um „Das Erbe Roms. Visionen und Mythen in der Kunst“.
Bei der Figur des Stauferkaisers Friedrich II. handelt sich um eine Leihgabe des Trifelsvereins. Den Gipsabguss einer Rekonstruktion, die sich auf der Burg Hohenstaufen bei Göppingen befindet, ließ der Verein 1994 von der Staufergesellschaft Göppingen als Kopie anfertigen. Das Original thronte einst überlebensgroß in einer Nische über der Durchfahrt des mittelalterlichen Brückentors der Stadt Capua an der Grenze vom Kirchenstaat zum staufischen Südreich. Das Tor war etwa acht Meter breit und wurde von zwei mächtigen Türmen begrenzt. Es besteht schon längst nicht mehr. Auch die aus Marmor gefertigte Skulptur des Kaisers wurde 1799 von französischen Revolutionstruppen zerschlagen. Erhalten hat sich nur der Rumpf, der Kopf war im Fluss versenkt worden. Glücklicherweise hatte man ihm im 18. Jahrhundert einen Abguss anfertigen lassen.
Anregungen aus der Antike
Um einen Gesamteindruck von der Sitzfigur wieder herstellen zu können, wurde 1936 von dem Kopfabguss und dem Torso eine zusammengefügte Abformung in Gips vorgenommen, die noch vorhandene Rekonstruktion der Staufergesellschaft und Vorbild für die Version von Annweiler. Die an einer Ecke des Rathauses von Annweiler angebrachte Sandsteinfigur des Kaisers ähnelt dieser Skulptur. In einer Zeichnung von 1780, die sich in der Vatikanischen Bibliothek befindet, wird die Statue noch fast vollständig wiedergegeben. Nur die Hände waren schon nicht mehr vorhanden.
Die Bildhauerkunst des 12. und 13. Jahrhunderts holte sich häufig und nicht nur in Italien ihre Anregungen aus der Antike. Ihr Einfluss macht sich auch bei der Friedrich-Skulptur bemerkbar, was sich vor allem am Faltenwurf des Gewands zeigt. Die Form des Gesichts gleicht dem Idealtypus von Darstellungen in der Hochgotik um 1230. Der Kaiser wird auffallend jung dargestellt und wirkt dennoch mit strengen, edlen Gesichtszügen als Respekt gebietende Herrschergestalt. Es wird angenommen, dass sie dem einstigen Aussehen des Kaisers sehr nahekommen. Einst stand am Tor über der Skulptur in Hexametern die lateinische Inschrift „Sicher schreite hindurch, wer fehllos zu leben gewillt ist, – aber der Untreue fürchte Bann und im Kerker den Tod.“