Kreis Südliche Weinstrasse RHEINPFALZ Plus Artikel Modellschule fehlen nur noch die Schüler

Die Klassenräume und Labors der BBS sind bereits gut ausgestattet. Für die neue Fachschule Digitalisierung sollen sie sukzessive
Die Klassenräume und Labors der BBS sind bereits gut ausgestattet. Für die neue Fachschule Digitalisierung sollen sie sukzessive noch nachgerüstet werden, kündigt Schulleiterin Petra Reuter an.

Am vergangenen Freitag ist das lang ersehnte Schreiben aus Mainz eingetroffen. Das Bildungsministerium hat die neue Fachschule „Digitalisierung“ an der Berufsbildenden Schule SÜW am Standort Bad Bergzabern genehmigt. „Jetzt kann die Arbeit endlich richtig losgehen“, sagt Schulleiterin Petra Reuter.

von Jörg Petri
Bad Bergzabern. In der Kurstadt ist der gewerblich-technische Standort der BBS Südliche Weinstraße angesiedelt. „Deshalb passt die neue Fachschule Digitalisierung auch hierher. Das ist der Baustein, der uns noch gefehlt hat, damit stärken wir den Standort“, betont Oberstudiendirektorin Petra Reuter. Der BBS-Standort in Edenkoben hat den Schwerpunkt Hotel- und Gastronomie, in Annweiler ist die Ausbildung in den pflegerischen und sozialpädagogischen Berufen konzentriert.
In Bad Bergzabern werden bereits Elektroniker für Geräte und Systeme, Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik sowie Fachinformatiker ausgebildet. „Wir sind mit unseren Labors bereits sehr gut ausgestattet, werden aber sukzessive nachrüsten“, sagt Reuter mit Blick auf den neuen Studiengang. Ihr ist nicht bange vor dem Frühstart bereits zu Beginn des neuen Schuljahres. Die Fachschule „Informationstechnik – Digitalisierung“, wie sie offiziell heißt, wird die erste in dieser Form in Rheinland-Pfalz sein. Sie ist ein Modellprojekt. Zunächst wird es ab Sommer eine Art Probelauf geben, der reguläre Start des BiIdungsgangs ist dann für das Schuljahr 2020/2021 vorgesehen. Träger der BBS ist der Landkreis Südliche Weinstraße. Der Kreistag hat bereits im Dezember die neue Fachschule abgesegnet.
Die BBS SÜW liege in einem sogenannten Softwarecluster. „Das ist die größte Bündelung an IT in Europa, dazu gehören die Standorte Kaiserslautern, Darmstadt, Karlsruhe und Zweibrücken“, erläutert Reuter. Und mittendrin liegt der Landkreis SÜW. „Die Abgänger der Fachschule werden die Lücke schließen, die zwischen den Ingenieuren und den Abgängern aus der dualen Ausbildung derzeit noch vorhanden ist“, beschreibt die Schulleiterin die Zielsetzung. „Smart-Home“ und „Smart-Building“ werden Einsatzgebiete für die Absolventen der neuen Fachschule sein. Die Vernetzung der Haustechnik und Steuerung per App im Eigenheim ist ebenso eine Aufgabe wie die Vernetzung gewerblich genutzter Gebäude, Maschinen und Anlagen. In der sogenannte Industrie 4.0 ist die Verzahnung der Produktion mit moderner Informationstechnologie essenziell.
Entsprechend groß sei das Interesse bei den Unternehmen der Region. „Wir setzen ganz stark auf die Kooperation mit den Betrieben. Wir bekommen viel Unterstützung“, sagt Reuter. Sie erwähnt besonders das Technologie-Netzwerk Südpfalz. Dieses hat sich vor rund anderthalb Jahren mit dem Ziel gegründet, dem Fachkräftemangel entgegenzusteuern. Inzwischen zählen viele Unternehmen, aber auch Städte und Kreise zu den Mitgliedern. „Wir sind assoziierter Partner, ohne Kosten für uns“, betont Reuter. Die Unterstützung für die Fachschule soll so aussehen, dass bei Bedarf Räume zur Verfügung gestellt werden oder auch Dozenten. „Wir planen einige Module mit externen Dozenten, um die Qualität der Ausbildung so hoch wie möglich zu halten“, so Reuter.
Zwölf oder 13 Module, also Lehreinheiten, sind derzeit geplant. Die Ausbildung wird drei Jahre dauern. Die Schüler sollen drei Tage pro Woche im Betrieb arbeiten, die übrigen zwei Tage werden sie die Schulbank drücken. „Die Bindung an den Betrieb ist wichtig, zudem garantiert das den Schülern ein Arbeitseinkommen“, sagt Reuter.
Für das Probejahr muss ein Mindestzahl von 16 Schülern erreicht werden. Für den regulären Betrieb ab 2020 sind dann mindestens 23 Schüler Voraussetzung. Normalerweise endet die Anmeldung für die BBS Ende März. „Da wir in diesem speziellen Fall erst so spät anfangen, kann man sich auch länger bewerben, bestimmt bis Ende Mai“, versichert die Schulleiterin. Zielgruppe sind Elektroniker, Fachinformatiker, Schüler, die in Karlsruhe die Technikerschule besuchen oder Studienabbrecher. „Aber auch Bewerber, denen der Facharbeiter zu wenig und die Hochschule zu viel oder zu theoretisch ist“, ergänzt Reuter. Dass es Probleme damit geben könnte, die Mindestschülerzahl zu erreichen, kann sich Reuter nicht vorstellen.

Info
www.bbs-suew.de

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