Kreis Südliche Weinstraße Mobiles Heim zwischen Bäumen

. „Ich habe den Platz Ostern entdeckt und war gleich eine Woche hier zum Zelten“, erzählt eine Mutter, die nun mit ihrer Familie aus Mannheim um einen kleinen Kocher herumsitzt und Tee zubereitet. Sie habe sich hier in der ruhigen Natur wunderbar erholt, berichtet die Mutter. Allein der Zeltplatz der Familie ist ein kleines Idyll: Autos haben hier keine Zufahrt, dafür steht mitten auf einer Wiese ein großer Mammutbaum. „Der ist erst 45 Jahre alt, aber er wächst noch“, erzählt Maria Siepenkort, die den Platz betreibt und deren Mutter er gehört. „Bei Sturm steht er wie eine Eins.“ Bereits zum neunten Mal verbringen Roland Letzelter und Erika Härtwig ihren Urlaub an der Wappenschmiede. Die Münchener sind vor dem Oktoberfest-Rummel geflüchtet. „Das Schöne ist hier, dass man kein Auto braucht“, ist Letzelter angetan vom kurzen Weg ins Dorf. Die Münchener haben Kastanien gesammelt. „Die werden eingeritzt und kommen in den Backofen“, erzählen sie. „Dazu gibt es Neuen Wein.“ Den gebe es zwar auch in München, doch werde er dort mit dem Tanklaster aus Italien eingeführt. „Das ist kein Vergleich.“ Sauber müsse es für sie auf dem Campingplatz sein, so wie in St. Martin. Hier sei das Notwendigste vorhanden: Duschen, Toilette, Waschmöglichkeiten für Geschirr. „Der Preis hier ist allerdings für die geringe Ausstattung nicht günstig“, berichtet Letzelter, der auch schon in Wachenheim mit seinem Wohnwagen gestanden hat. Wenn der Wappenschmiede-Platz voll sei, müsse man an den sanitären Anlagen auch mal warten. „Zwei Duschen für die Damen, zwei für die Herren – da steht man an.“ Was die beiden Münchener aber am meisten kritisieren, ist die Tatsache, dass der Platz Anfang November schließt. „Dabei ist es doch so traumhaft, das Martinsspiel hier, die Kirche und die Kerzen im Dorf zu erleben“, schwärmen sie von den Feierlichkeiten Mitte November zu St. Martin. „Für mich wäre dies unrentabel“, antwortet Siepenkort darauf. „Im November ist es oft sehr nass, auf dem Gelände wären tiefe Furchen – das sind die Erfahrungen der letzten 50 Jahre.“ Außerdem müsse sie in der kalten Jahreszeit die Toilettenanlage beheizen. „Ich habe es schon mal probiert, bis zum 11. November geöffnet zu lassen, aber für diesen einen Tag kamen nur drei, vier Wohnmobile.“ Wenn das Weinlesefest herum sei, ende die Campingsaison hier. Siepenkorts Großvater hat den Campingplatz 1952 gegründet. Ihre Eltern haben ihn weitergeführt, erzählt die St. Martinerin. „Es ist toll, was Frau Siepenkort an Geschichtlichem zu erzählen hat – sie ist ja hier aufgewachsen“, sagt die zeltende Mannheimerin. Sie meint beispielsweise die Geschichte aus den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges: In dem kleinen Teich vor dem heutigen Toilettenhaus sei früher ein Mühlrad gewesen, gibt Siepenkort weiter, was sie von ihrer Mutter erzählt bekommen hat. „Acht Tage vor Kriegsende ist hier die einzige Bombe eingeschlagen, die auf St. Martin gefallen ist.“ Siepenkort ist quasi Mädchen für alles auf dem Platz, kümmert sich um die Buchhaltung, die Statistik, die Reinigung, bringt Altglas ihrer Gäste zum Container und hilft ihren Campern beim Rangieren und Aufstellen der Mobile oder Wohnwagen. Doch nicht alle Reisenden bleiben. „Es fahren tatsächlich Leute wieder weg, wenn sie keinen Fernsehempfang haben“, sagt Siepenkort kopfschüttelnd. „Mit Fernsehgucken kriegt man doch gar keinen Kontakt zu anderen Campern.“ Da der Platz in einem engen Tal zwischen Breiten- und Hochberg liegt und „die Bäume rundherum wie eine Wand sind“, ist der TV-Empfang über Satellitenschüssel nur bedingt möglich. Maria Siepenkort erzählt, noch immer kopfschüttelnd und auf einen großen Baum zeigend, dass „Leute verlangt haben, dass wir die alte Eiche fällen“. Dabei funktioniere das Fernsehschauen mit DVB-T, weiß die Campingplatz-Managerin. Mit dem digitalen Überall-Fernsehen – DVB-T ist die Abkürzung für „Digital Video Broadcast-Terrestrial“ – kann man Fernsehprogramme digital über eine Haus- oder Zimmerantenne empfangen. „Man kann auch mal 14 Tage auf Fernsehen verzichten“, betont die Münchenerin Härtwig. Aufs Essen kann hingegen keiner verzichten. Viele Camper kochen selbst. Aber: „Es ist toll, dass die Gaststätte da ist, wenn man mal keine Lust hat zu kochen“, betonen Gäste auf dem Zeltplatz. Seit Juni hat der Edenkobener Miguel Gutierrez das Lokal an der Wappenschmiede gepachtet und bietet dort Pfälzer Spezialitäten an. (sab)