Kreis Südliche Weinstraße Mit Purzelmarkt „verheiratet“
«BILLIGHEIM-INGENHEIM.» Wo andere nur zuschauen, packt er zu. Wo andere meckern, hat er etwas verändert. Die Rede ist von Günther Hauck (76) aus Billigheim-Ingenheim, der in Würdigung seines „langjährigen bürgerschaftlichen Engagements“ am morgigen Samstag mit der Goldenen Wappennadel des Landkreises Südliche Weinstraße ausgezeichnet wird.
Der Termin ist kein Zufallsprodukt. Die Ehrung erfolgt beim Billigheimer Purzelmarkt, um dessen Ausrichtung sich Günther Hauck in fast einem halben Jahrhundert Verdienste erworben hat. Seit 47 Jahren gehört er dem Vorstand des Purzelmarktvereins an, dessen Ehrenmitglied er auch ist. Selbst im Alter von 76 Jahren will er noch nicht in die Rolle des Zuschauers schlüpfen, sondern weiterhin als Festwirt tätig sein. In dieser Funktion ist er für den Aufbau der Zelte auf der Festwiese sowie im Dorf verantwortlich. Ein Purzelmarkt ohne Günther Hauck – undenkbar. In Landau erlernte er das Maurerhandwerk und war 41 Jahre lang als Maurerpolier bei der Baufirma Weisenburger (Karlsruhe) beschäftigt. Doch seine Heimatgemeinde ließ er nie hängen, wenn es um ehrenamtliches Engagement ging. Sein Organisationstalent, sein Engagement und vor allem auch seine beruflichen Kenntnisse waren schon ganz früh gefragt. Einen Teil seiner freiwilligen Arbeitsstunden hat er sogar in einem Heft aufgezeichnet. Allein bei Gebäuden wie beispielsweise der Tribüne auf der Festwiese oder dem Sportheim des damaligen TuS Billigheim/Mühlhofen in den Jahren 1979 bis 1981, bei denen er die Ärmel hochkrempelte, leistete er mehr als 1000 unentgeltliche Arbeitsstunden. Hauck engagierte sich beim TuS Billigheim/Mühlhofen nicht nur beim Clubhausbau, sondern war von 1972 bis 1981 als Jugendbetreuer im Einsatz und gehörte von 1982 bis 1987 dem Vorstand des Vereins an. Was den Purzelmarkt angeht, erinnert er sich noch gut daran, als 1975 das Festzelt nicht im Dorf, sondern draußen auf der Festwiese stand. Erst 1985 habe sich der Purzelmarktverein wieder für das Feiern im Dorfzentrum entschieden, sagt er. Sorge bereiteten ihm in all den Jahren die Wetterprognosen, denn das älteste Volksfest weit und breit stehe und falle natürlich mit dem Wetter. Noch präsent ist Hauck die Zeit, als der Purzelmarkt in Erinnerung an die einstige Vergabe der Markrechte ausschließlich dienstags gefeiert wurde. Neu war dereinst auch der Terminwechsel von Oktober in den September. Neben dem Billigheimer Fest der Feste gehört seine Leidenschaft der Feuerwehr, in deren Dienst er mit 17 Jahren eintrat. Von 1958 bis 1991 war er aktives Mitglied. Später Gruppenführer, dann stellvertretender Wehrführer und von 1976 bis 1990 – dem Jahr der Zusammenlegung der Wehren aus den vier Ortsteilen Billigheim, Ingenheim, Appenhofen und Mühlhofen – Wehrführer. 1982 gründete er die Billigheimer Jugendfeuerwehr. Beim Bau des Gerätehauses in Billigheim war Günther Hauck auch maßgeblich beteiligt. Als begeisterter Hobby-Radfahrer konnte es nicht verwundern, dass er vor 35 Jahren eine heute noch bestehende zehnköpfige Radfahrergruppe zusammentrommelte, die sich donnerstags in die Sättel schwingt und Ziele ansteuert, bei denen er als Tourenplaner fungiert. Für Hauck hat das Radeln mit Freunden einen großen Spaßfaktor und einen positiven Effekt für die eigene Psyche. Ein weiterer Schwerpunkt seines ehrenamtlichen Engagements war und ist die Kommunalpolitik. Von 1998 bis 2014 und damit 15 Jahre lang war er für die SPD Mitglied im Ortsgemeinderat und – wie sollte es anders sein – Mitglied im Bauausschuss. Eines gilt für Hauck in allen Bereichen des ehrenamtlichen Engagements: „Es gibt für einen Menschen kein schöneres Gefühl, als gebraucht zu werden“. Und: Ehrenamt sei keine Frage des Alters. Für ihn ist der größte Wunsch, dass die junge Generation erkennt, dass jeder mit seinen individuellen Fähigkeiten unsere Gesellschaft bereichern könne.