Spirkelbach / Hauenstein RHEINPFALZ Plus Artikel Mit Mountainbike und Säge im Pfälzerwald: So geht innovative Nachwuchsgewinnung

Fast alle sind schon wieder versammelt: Jetzt geht es von Hauenstein zurück in den Wald bei Spirkelbach.
Fast alle sind schon wieder versammelt: Jetzt geht es von Hauenstein zurück in den Wald bei Spirkelbach.

In den Ferien mountainbiken und etwas selbst gestalten: Diese Idee der Handwerkskammer haben 13 Kinder und Jugendliche jetzt im Wald bei Spirkelbach in die Tat umgesetzt.

Der Kranzkuchen hat seit dieser Woche eindeutig an Bedeutung gewonnen, ob nun die trockene oder die gefüllte Variante. Obwohl 13 Kinder und Jugendliche aus der Südwestpfalz und von der Südlichen Weinstraße die gefüllte lieber mögen. „Elite-Kranzkuche-Bänkl“ steht unübersehbar auf einem Schild, das eine brandneue Sitzkombination samt Fahrradständer am Höllenberg bei Spirkelbach ziert.

Doppelt beschildert, einmal klein und im Hintergrund über die gesamte Breite.
Doppelt beschildert, einmal klein und im Hintergrund über die gesamte Breite.

An jener Stelle gabeln sich drei Mountainbike-Trails, ein überdachter Rastplatz für die vor allem jugendlichen Nutzer hat noch gefehlt. Deshalb musste Frank Sell nicht lange überlegen, wie ein neues Ferienprogramm-Angebot der Handwerkskammer der Pfalz (HWK) aussehen könnte. Dort ist Sell Ausbildungsberater, in seiner Freizeit engagiert er sich als Mountainbike-Trainer für die „Trailkids“ in Spirkelbach.

Kids fanden es cool

Also kombinierte er den Sport mit dem Handwerk, und heraus kamen drei ausgefüllte erste Ferientage, die die Acht- bis 14-Jährigen ziemlich cool fanden, für Sell „das schönste Kompliment“. Robert zum Beispiel hat das Aufbauen des Unterstands gut gefallen. Moritz, der mal studieren und ein Handwerk lernen will, schwärmt davon, „dass wir eine Gruppe waren – und dass man am Ende etwas sieht“. Ebenso geht es Karl, Fabio, Janosch, Sebastian, Marlon, Samuel, Ben, Joel, Toni, Lasse und Lucie, dem einzigen Mädchen unter den radelnden Ferienhandwerkern.

Hartplatzhölle und Kranzkuche-Päddel heißen zwei der drei Trails, die sich am neuen Rastplatz gabeln.
Hartplatzhölle und Kranzkuche-Päddel heißen zwei der drei Trails, die sich am neuen Rastplatz gabeln.

Drei Tage wurde gehämmert, gesägt, gehobelt, lasiert, wurden Dachpfannen montiert und mit einer Blende versehen. Auch beim Material für den Fahrradständer wurde ganz auf nachhaltiges Material gesetzt: ein Baumstamm, in den Kerben gesägt wurden, die die breiten Mountainbike-Reifen gut stützen. Notwendig waren auch kleinere Arbeiten mit Beton Und da dieser aushärten muss, ging es zwischendrin nach Hauenstein zur Dachdeckerei und Spenglerei SeiSt. Dass es ausgerechnet auf diesen insgesamt 20 Radkilometern regnete, machte den Ferienkindern wenig aus.

Orientierung geben

Auch wenn die 13, die ganz unterschiedliche Schulen in der Region besuchen, noch jung sind, verspricht sich Sell ein wenig Werbung für das Handwerk: „Vielleicht erinnert sich der eine oder die andere daran, wenn es um die Berufsorientierung geht.“ Dann steht er wieder als Ansprechpartner bereit, ebenso wie seine Kollegen Oliver Schäfer und Sascha Doll, die sich im Berufsbildung- und Technologiezentrum der HWK in Kaiserslautern um solche Themen kümmern und beim Ferienprogramm mit dabei sind.

Die Arbeit mit Holz, bei der in Hauenstein auch moderne Technik eingesetzt wird, war für die Kids auf jeden Fall ein Einblick in eine ganz neue Welt. Um seinen jungen Besuch gut betreuen zu können, hatte sich Firmenchef Christoph Seibel, selbst vierfacher Vater, zwei Stunden Zeit freigeschaufelt. „Das ist nicht selbstverständlich“, würdigt Frank Sell das Engagement Seibels, der auch das „Kranzkuche“-Schild gefertigt hat.

Und wie geht’s weiter?

Zum Abschluss wurde am Mittwoch mit den Eltern am neuen Rastplatz gegrillt. Das einhellige Fazit ihres Nachwuchses: Das war toll, was steht als nächstes an? Frank Sell lacht und hofft darauf, Vorbild für andere, seien es Vereine, Gemeinden oder Kollegen – gewesen zu sein. Eine Fortsetzung will er aber nicht ausschließen.

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