Kreis Südliche Weinstraße Mit dem Rad aus der Krise

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RHODT. In der Rhodter Neugasse strampelt sich Jürgen Keil für seine Fahrrad-Bastlerwerkstatt ab. Außerdem hilft er Menschen, die – wie er einmal – unter Depressionen leiden und organisiert zum Wein-Testival am kommenden Wochenende die Ausstellung Radklassiker. Mit dem 55-Jährigen führte Michael Reuter folgendes Interview.

Sie sind Fahrrad-Doc. Wie vielen fahrbaren Untersätzen haben Sie schon zu einem zweiten Leben verholfen?

Zunächst einmal, den Namen habe ich von einem Kunden übernommen, der sich meine Telefonnummer unter diesem Namen im Adressbuch vermerkt hat. Wie viele Räder ich wiederbelebt habe, darüber habe ich nicht genau Buch geführt. Aber es waren eine ganze Menge. Es kamen auch Menschen zu mir, die das Geld für eine Reparatur in normalen Radläden nicht bezahlen konnten. Und wo kamen die „Patienten“ her? Ganz unterschiedlich. Vor zwei Jahren habe ich mitbekommen, dass die Deutsche Bahn in Bahnhöfen Räder entsorgte. Diese haben ich dann vor dem Verschrotten bewahrt und richtig aufgemöbelt. In anderen Fällen bekam ich Drahtesel durch Kleinanzeigen oder Versteigerungen. Manche Leute machen mir sie als Geschenk, damit sie wissen, dass die Räder in gute Hände kommen. Vor Kurzem habe ich einem Enkelchen das Rad der Lieblingsomi auf Vordermann gebracht. Manchmal werde ich nur als Berater gebraucht. Leider fehlen mir inzwischen Kapazitäten für das Lagern von Ersatzteilen. Nun organisieren Sie zum zweiten Mal die Radklassiker-Schau in Rhodt. Wie kam es denn dazu? Vor zwei Jahren war ich selbst Aussteller beim RC Friesenheim. Dort lernte ich den dortigen Vorsitzenden Hermann Ballosch kennen. Da es auch in meinem Heimatort Rhodt eine große Radsport-Tradition gibt, entwickelte ich die Idee, einen Radklassiker aufzuziehen. Der Inhalt soll nicht kommerzieller Natur sein, sondern ein zwangloser Treff für Radsportbegeisterte, vor allem zum Erfahrungsaustausch und Kommunizieren. Aus den Ausstellern von Friesenheim und meinen Kunden der vergangenen Jahre und auch Sammlern, die wieder etwas verkaufen wollen, setzt sich das Beschickerpotenzial in Rhodt zusammen. 2015 gingen noch während der Veranstaltungen Anmeldungen ein. Solange der Platz reicht, nehmen wir solche auch jetzt noch an. Was hat es mit der von Ihnen in Rhodt gegründeten Mut-Tour für depressionserfahrene Menschen auf sich? Einen ersten Kontakt mit dieser bundesweiten Aktion hatte ich 2012, als ich einen entsprechenden Flyer bei der Spezialradmesse in Germersheim entdeckte. Dann fuhr ich bei einem Aktionstag mit Tandems mit. Mich beeindruckten die Stimmung, die Gemeinsamkeit und der Respekt. Zwei Jahre später machte ich bei einer Elf-Tage-Tour von Kempten nach Bensheim mit. Auch dabei gab es viele positive Erlebnisse. Ende 2014 habe ich bei einem Rahmenbaulehrgang aus zwei alten Mountainbikes ein eigenes Tandem gebastelt. Nach der Gründung von Mut-Tour in Rhodt bin ich kräftig am Klappern, um an Interessierte zu kommen. Da gibt es die Nähe zu Selbsthilfegruppen, dann zum Bündnis gegen Depression und zum Pfalzklinikum.

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