Kreis Südliche Weinstraße „Meinen Schuhschrank baue ich mir selber“

Bärbel Conrad musste nicht lange überlegen, als der Kreisvorstand mit dem Kandidaturwunsch auf sie zukam.
Bärbel Conrad musste nicht lange überlegen, als der Kreisvorstand mit dem Kandidaturwunsch auf sie zukam.

«Bad Bergzabern.» Bereut hat Bärbel Conrad ihre Kandidatur nicht. „Auf gar keinen Fall. Es macht Spaß, mit den Leuten in Kontakt zu kommen, über Politik zu sprechen.“ Infostände auf Supermarkt-Parkplätzen sind das ihre nicht. Sie geht lieber von Haus zu Haus oder sucht sich ihre Gesprächspartner auf Festen oder bei Veranstaltungen. Das ist natürlich sehr zeitintensiv, vor allem für jemanden, der in Vollzeit berufstätig ist. 38,5 Stunden arbeitet Bärbel Conrad pro Woche – laut Arbeitsvertrag. In der Regel ist es ein bisschen mehr. Sie leitet in Dahn eine betreute Wohnanlage des Pfalzklinikums für psychisch beeinträchtigte Erwachsene. Dort gibt es zwölf stationäre Plätze für psychisch Kranke, die zu einem eigenständigen Leben aktuell nicht in der Lage sind, auch forensische Patienten sind dabei. Außerdem gibt es in Dahn 32 Tagesplätze. „Klar, wenn es irgendwelche Krisen gibt, dann kann ich nicht sagen: So, ich habe jetzt Feierabend“, erzählt Bärbel Conrad. Aber sie habe ein sehr gutes Team, das autark arbeiten könne. „Die halten mir den Rücken frei, gerade jetzt in der Zeit des Wahlkampfes“, lobt sie ihre 15-köpfige Mannschaft. Geboren wurde Bärbel Conrad vor 53 Jahren in Heidelberg. Nach dem Abitur hat sie zunächst eine Tischlerlehre absolviert. Sie hat auch als Restauratorin Berufserfahrung gesammelt. „Ich war schon immer praktisch veranlagt, einen Handwerksberuf erlernen, das wollte ich immer“, sagt sie. „Meinen Schuhschrank kann ich mir übrigens selbst bauen“, ergänzt sie mit einem Schmunzeln. Bärbel Conrad spielt dabei auf die RHEINPFALZ-Podiumsdiskussion an, in der sich die drei Kandidaten in kleinen Filmchen selbst vorstellen sollten. Conrad wurde dabei unter anderem die Frage nach dem Inhalt ihres Schuhschranks gestellt. 1989 zog sie in die Pfalz. Zunächst für drei Jahre nach Bad Bergzabern, dann nach Hauenstein. Bärbel Conrad hat drei Kinder: einen 25-jährigen Sohn und zwei Töchter, 21 und 23 Jahre alt. Alle drei Kinder studieren. Beruflich orientierte sich Bärbel Conrad Anfang der 1990er-Jahre neu. Sie machte eine Ausbildung zur Ergotherapeutin, hat damals schon viel mit psychisch kranken Menschen gearbeitet. Zudem hat sie verschiedene Praktika in psychiatrischen Einrichtungen absolviert. Seit neun Jahren leitet sie nun das Wohnheim in Dahn. Bärbel Conrad war außerdem fünf Jahre als Jugendschöffe am Landgericht Zweibrücken tätig. „Eine spannende Aufgabe“, sagt sie. „Da hat man es teilweise auch mit ganz schwierigen Biografien zu tun.“ Aber man könne den jungen Menschen auch helfen. „Ich wäre auch gerne noch länger Jugendschöffe geblieben, aber die Fahrerei nach Zweibrücken war sehr zeitaufwendig.“ Und außerdem hat Bärbel Conrad, die seit gut zwei Jahren wieder in Bad Bergzabern lebt, noch ein anderes zeitaufwendiges Betätigungsfeld: die Politik. „Ich war schon in jungen Jahren politisch aktiv. Zunächst in der Friedensbewegung“, erzählt sie. Den Grünen stand sie dabei immer nah, der Parteieintritt erfolgte aber erst Ende der 1990er-Jahre. Verbunden mit ihrem kommunalpolitischen Engagement. Für Bündnis 90/Die Grünen saß sie zunächst im Ortsgemeinderat Hauenstein, später auch im Verbandsgemeinderat. Der Kontakt an die Südliche Weinstraße ist nie ganz abgerissen. Die Vorstandsmitglieder der Kreisgrünen kannte sie alle. Bärbel Conrad hat auch nicht lange überlegen müssen, als der Kreisvorstand mit dem Wunsch nach einer Kandidatur bei der Landratswahl auf sie zukam. Zu kandidieren, das gehöre doch zur Demokratie. Sie habe deshalb schlucken müssen, sagt Conrad, als ihr bei der RHEINPFALZ-Podiumsdiskussion von einem Leser die Frage gestellt wurde, warum sie denn kandidiere, das werde doch voraussichtlich nur eine Stichwahl zwischen dem CDU- und dem SPD-Kandidaten zur Folge haben, die zusätzliche Kosten verursache. „Ich frage mich, welches Demokratieverständnis hinter so einer Frage steht“, sagt sie kopfschüttelnd. Gleichwohl führt sie ihren Wahlkampf bis zum Wahlsonntag mit großem Engagement weiter. Auch wenn die Zeit für Hobbys, etwa das Motorradfahren oder das Mountainbiken, ein wenig zu kurz kommt. Nur für die 14-jährige Mischlingshündin Paula bleibt ausreichend Zeit. Denn Paula begleitet Bärbel Conrad auch zur Arbeit. „Paula ist häufig bei den Gesprächen dabei, sie liegt dann ganz ruhig auf dem Boden“, erzählt Conrad. Für viele Patienten, die nicht in der Lage seien, für sich selbst zu sorgen, habe der Hund therapeutische Wirkung. „Die kümmern sich oft ganz rührend um Paula“, erzählt Bärbel Conrad.

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