Rohrbach RHEINPFALZ Plus Artikel Luftfahrt im Visier: X2E Group hat neuen Produktionsstandort

Geschäftsführer Karlheinz Weiss (links) und Personlleiter Max Mathes mit einem Datenlogger in einem Testfahrzeug.
Geschäftsführer Karlheinz Weiss (links) und Personlleiter Max Mathes mit einem Datenlogger in einem Testfahrzeug.

Die X2E Unternehmensgruppe hat ihren Entwicklungs- und Produktionsstandort von Kandel nach Rohrbach verlegt. Neben der Automobilbranche baut die Geschäftsleitung auf Luftfahrt und Solartechnik. In den vergangenen Jahren ist die Firma stetig gewachsen. Ihre Auszubildenden sucht sie sich ganz genau aus.

Das südpfälzische Unternehmen X2E GmbH entwickelt und produziert hauptsächlich sogenannte Datenlogger für die Automobilbranche. Datenlogger sind Messgeräte, die verschiedene Fahrzeugdaten in Echtzeit erfassen und mitschreiben können. Eingesetzt werden sie vorwiegend in der Fahrzeugentwicklung der Premiumklassen – beispielsweise im Crashtest oder in der Flottenerprobung. Die benötigte Software dafür schreibt das Unternehmen selbst.

Mit dem Gerät werden kleine Metallplatten zur Herstellung von Datenloggern ausgestanzt.
Mit dem Gerät werden kleine Metallplatten zur Herstellung von Datenloggern ausgestanzt.

2005 hat Karlheinz Weiss die Firma „im Schlafzimmer meiner Mutter“ in Winden gegründet, wie er selbst sagt. Mittlerweile kann der Geschäftsführer über ein etwas größeres Areal walten. 15 Jahre ist er dem Gründungsort der X2E treu geblieben, in diesem Jahr hat das Unternehmen seinen Standort nach Rohrbach verlegt. Die Bestandsfläche in den ehemaligen Räumen des Efco Hobbydepots in der Großen Ahlmühle mit zirka 3800 Quadratmetern und einer zirka 1800 Quadratmetern großen Gewerbehalle hatte Weiss Unternehmen 2019 gekauft. Diese Fläche wurde für das neue Produktionszentrum umgebaut. Laut Geschäftsführer hat das Unternehmen drei Millionen Euro dafür investiert. Zusätzlich habe die Firma gut 9000 Quadratmeter erworben, um ein Entwicklungsbüro zu errichten, dass ebenfalls drei Millionen Euro kosten und bis 2023 fertig sein soll.

Luftfahrt im Visier

Doch das sind nicht die einzigen Projekte, in die das Unternehmen in den kommenden Jahren investieren möchte. „Wir wollen uns noch mehr auf unsere Bereiche Luftfahrt und Solarenergie konzentrieren“, erklärt Weiss. Dafür soll zum einen ein Flugerprobungszentrum im Großraum Berlin entstehen, zum anderen will Weiss bis 2025 auch ein Innovationszentrum für junge Unternehmen und ein Agrar-Solar-Forschungszentrum errichten. In letzterem soll Technik getestet werden, bei der landwirtschaftlich genutzte Äcker mit Solarzellen bestückt werden, um Energie zu gewinnen. Investitionssummen stehen dafür allerdings noch nicht fest. Weiss sagt stolz: „Wir brauchen für all unsere Projekte keine Fremdinvestoren. Es gibt kein Fremdkapital. Wir leasen noch nicht mal ein Faxgerät.“

Karlheinz Weiss (links) und Max Mathes in der neuen X2E Produktionshalle in Rohrbach.
Karlheinz Weiss (links) und Max Mathes in der neuen X2E Produktionshalle in Rohrbach.

Dass die Firma so viel Geld in neue Projekte stecken kann, verdankt sie laut Weiss sehr erfolgreichen Jahren. Seit 2020 habe das Unternehmen seinen Umsatz jedes Jahr um 30 Prozent gesteigert. Und das trotz der Corona-Pandemie. Max Mathes, Leiter der Personalabteilung erklärt: „Aktuell hat das Unternehmen einen Jahresumsatz im mittleren zweistelligen Millionenbereich.“ Ein Betrag, den man eigentlich hätte verdoppeln können, wenn die aktuelle Chip-Krise nicht dazwischen gefunkt hätte. „Wir hatten zum Glück im Voraus gut eingekauft und können fertigen. Aber durch die Preissteigerung der Chips werden wir gebremst“, sagt Weiss. Gerade Zulieferer würden schweren Zeiten entgegen gehen.

Kein Einstellungsstopp

In Corona habe X2E eine Chance gesehen und auf Elektro-Technik gesetzt. „Zwei Drittel unserer Mitarbeiter sind Softwareentwickler. Dieser Markt boomt aktuell“, erklärt Weiss weiter. Angefangen habe er die Firma mit vier Mitarbeitern, momentan beschäftige er rund 140. Die meisten davon im neuen Standort Rohrbach. Einen Einstellungsstopp gebe es auch nach wie vor nicht. „Die Kunden bestellen, wir brauchen also Mitarbeiter. Mangel an Bewerbungen haben wir zwar nicht, aber es herrscht Mangel an ordentlich geschulten Kräften“, sagt Weiss. Viele Absolventen, ob Schule oder Studium, könnten seinen Ansprüchen nicht gerecht werden.

Auf qualifiziertes Personal legt Weiss besonders großen Wert. Mit einer guten Ausbildung könne man laut dem 58-Jährigen nicht früh genug beginnen. Deshalb will das Unternehmen schon Kinder im Grundschulalter für Technik und natürlich auch für die X2E begeistern. Mit seinem Jugendförder- und Schulungszentrum, dass Kurse und Clubs kostenlos für die Schüler zur Verfügung stellt, schließt der Firmenchef laut eigenen Aussagen eine große Lücke im Bildungssystem.

Tag der offenen Ausbildung

Die Einrichtung, die seine Frau leitet, soll junge Talente fördern und entwickeln. Auf das Bildungsprogramm ist Weiss besonders stolz. Deshalb soll auch in diesem Gebiet in Zukunft noch einiges passieren: So soll das Zentrum von Winden nach Rohrbach umziehen. „Außerdem wollen wir Lehrer anstellen, die sich noch besser um die Schüler kümmern können“, erklärt Weiss. Sein Anreiz für das Zentrum und die Ausbildung junger Leute sei, wie er mehrfach betont: „Privater Protest gegen das Rheinland-pfälzische Schulsystem.“

Für die insgesamt sechs möglichen Ausbildungsberufe will das Unternehmen jetzt junges Blut gewinnen. Die X2E GmbH öffnet deshalb am Samstag, 9. April, ihre Pforten für Ausbildungsinteressierte. Jugendliche und ihre Eltern erhalten einen Einblick in die Hightech-Arbeitswelt und können auch den neuen Unternehmensstandort kennenlernen. „Investition in die Jugend spielt bei uns eine große Rolle. Wir hoffen auf fähige Bewerber“, sagt Weiss.

Info

Der Tag der offenen Ausbildung findet am Samstag von 10 bis 14 Uhr auf dem Gelände der X2E Group (Große Ahlmühle 19) in Rohrbach statt. Für Interessierte gibt es neben viel Infomaterial auch kostenlose Versorgung durch einen Foodtruck.

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