Südpfalz
Leseraktion: Viele wollen auf Landauer Impfzentrum warten
Einfach mal Danke sagen – das möchte Manfred Gerstenberg. „Was ihr mit eurer Impfsorgen-Aktion losgetreten habt, das hat mich überwältigt.“ Die RHEINPFALZ sei damit wirklich „eine Stütze und Hilfe für uns ältere Menschen“. Und die große Resonanz der Leser und die Reaktionen der Politik hätten ja auch gezeigt, dass es unbedingt notwendig gewesen sei, sich zu beschweren. Er persönlich habe aber nichts zu klagen. Zwar sei er bei der Telefon-Hotline nicht durchgekommen, aber sein Nachbar habe ihn übers Internet angemeldet, berichtet der Landauer, Jahrgang 1933. Einen Termin habe er zwar noch nicht, aber der werde schon kommen. „Und ich freue mich, wenn ich dann dran bin.“ Aktuell müssen sich Impfwillige wieder mal gedulden. Laut der rheinland-pfälzischen Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) ist der bisher zugesagte Impfstoff bis Mitte Februar verplant. Das heißt, vorerst werden keine Termine vergeben.
Warten. Das kommt vielen Lesern bekannt vor. Anna Musielski erzählt, dass sie sich am selben Tag wie ihre Nachbarn für die Impfung angemeldet habe. „Alle haben schon einen Termin, nur ich nicht“, berichtet die Jockgrimerin. Seit 5. Januar sei nichts passiert, bis auf die Bestätigung ihrer Registrierung. Sie habe Lungenprobleme und sehne die Impfung schon herbei, sagt die 85-Jährige. Trotzdem bleibt sie entspannt. Irgendwann werde sie schon dran sein. Dasselbe Problem hat Klaus Wettach aus Jockgrim. „Wie kann es sein, dass drei meiner Bekannten, die am selben Tag wie ich die Registrierung per Telefon nach bis zu 50 Anrufversuchen durchgestanden haben, inzwischen längst geimpft sind?“, fragt der 84-Jährige, während er und seine 80-jährige Frau noch immer auf einen Termin warten. Vor acht Tagen habe er sich online registriert, seitdem herrsche „Schweigen im Walde“. Außerdem wundert er sich, dass im Internet kein Impftermin-Status abrufbar ist. Statusmeldungen biete doch heutzutage fast jeder Internet-Shop an, bescheinigt der „noch geistig wache Online-User“ dem Landesportal Rückständigkeit.
Anmeldungen für Landau noch nicht möglich
Im Warten übt sich auch Helga Güntner, die ihren 80-jährigen Mann anmelden will. Das Ehepaar wohnt in Maikammer und möchte zum Neustadter Impfzentrum. Denn Wörth ist ihm einfach zu weit weg. Anfang der Woche hatten der Kreis Südliche Weinstraße und die Stadt Neustadt eine Sonderregel für Bürger aus der Verbandsgemeinde Maikammer vereinbart. Allerdings muss das Land noch sein Okay geben. Bis zu dieser Entscheidung werden die Termine weiterhin für das Impfzentrum in Wörth vergeben. Aus diesem Grund hält auch Christa Jäckel aus Edenkoben ihre Anmeldung zurück. Sie will sich lieber im geplanten Impfzentrum in Landau piksen lassen – nicht in Wörth. Das soll am 20. Februar seine Tore öffnen. Anmelden können sich Bürger dafür aktuell allerdings noch nicht. „Aber wir sind im Kontakt mit dem Land. Sobald das die Terminvereinbarung für Landau freigibt, sagen wir Bescheid“, verspricht die städtische Pressesprecherin Sandra Diehl.
Wie verträglich ist die Corona-Impfung, wenn man Vorerkrankungen hat? Diese Frage beschäftigt zwei Landauer Leserinnen. Marion Kästel ist mit ihren 64 Jahren in der ersten Runde zwar noch nicht dran, aber sie möchte schon mal klären, ob die Impfung überhaupt für sie infrage kommt. Sie trage den Polio-Virus in sich, sei zu 90 Prozent schwerbehindert. Ihr Hausarzt habe ihr bei der Frage nicht weiterhelfen können. Grundsätzlich klärt ein Arzt in den Impfzentren ab, welche Medikamente die Menschen nehmen und welche Vorerkrankungen sie haben und bewertet danach, ob es einen Ausschlussgrund fürs Impfen gibt. Edeltrud Bauer hat Lymphdrüsenkrebs und möchte wissen, ob sie sich impfen lassen kann. Laut der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie sollte das möglich sein. Weder eine Krebserkrankung noch eine Krebstherapie schließen eine Corona-Impfung aus, heißt es. Allerdings könne die Wirksamkeit der Impfung bei immungeschwächten Krebspatienten eingeschränkt sein. Auch hier gilt: Ein Arzt muss die individuelle Risikosituation des Patienten bewerten. Ein Ausschlussgrund wäre zum Beispiel auch, wenn man auf bestimmte Inhaltsstoffe des Impfstoffs allergisch ist.
Aus was besteht der Impfstoff?
Aber aus was besteht der Impfstoff eigentlich? Das möchte Christel Ireland aus Landau wissen, die gewisse Zweifel hegt. Schließlich seien Langzeitfolgen der Impfung noch nicht absehbar. Hauptbestandteil der beiden aktuell zugelassenen Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna ist mRNA. Diese Boten-Ribonukleinsäure enthält die Information, wie ein Teil des Coronavirus – ein Antigen – aufgebaut ist. Mit der Impfung kann unser Körper das Antigen nachbilden und sich auf die Abwehr des Virus vorbereiten. Die restlichen Inhaltsstoffe sind verschiedene Salze, die die Aufnahme des Impfstoffs im Körper fördern. Verpackt ist das Ganze in einer Schutzhülle aus natürlichen Nanopartikeln.
Anni Jean ist noch unentschlossen, ob sie sich impfen lassen soll oder nicht. Sie fragt sich, wie lange der Impfschutz anhält. „Die üblichen Grippeschutzimpfungen müssen jährlich aufgefrischt werden. Da das Coronavirus anscheinend keine Pause macht, wie die Grippeviren, die meist saisonal auftreten, ist es wichtig zu wissen, wie lange die Impfung schützt“, schreibt Jean. Wie lange der Impfschutz wirkt, lässt sich laut Robert-Koch-Institut (RKI) noch nicht beantworten. Dazu laufen Studien noch nicht lange genug. Die Erfahrung mit anderen Coronaviren zeige aber, dass nach gewisser Zeit eine Auffrischung vonnöten ist. Das RKI verweist darauf, dass bei einer geimpften Person die Wahrscheinlichkeit um 95 Prozent geringer sei, an Covid-19 zu erkranken, wenn sie mit Sars-CoV-2 in Berührung komme. „Kann eine geimpfte Person, die sich mit Covid-19 infiziert hat, noch immer andere Personen anstecken?“, will Jean weiter wissen. Auch da lässt sich noch keine abschließende Aussage treffen. Experten des RKI halten für denkbar, dass sich das Virus trotz Impfung in der Nase und im Mund vermehrt. Der Geimpfte könnte dann ansteckend sein.
Muss man Impftermin bestätigen?
Norbert Stehle (83) aus Hagenbach hat sich über das Internet für eine Schutzimpfung angemeldet und zwei Termine in Wörth erhalten. Er fragt sich, ob er diese bestätigen muss. Nein, muss er nicht. Beide Termine sind fest für ihn gebucht. Allerdings sollte man absagen, wenn etwas Ernstes, wie zum Beispiel eine Erkrankung, dazwischenkommt, damit es keinen Leerlauf gibt und keine Impfdosen ungenutzt liegenbleiben. Falls man den zweiten Termin aus gewichtigen Gründen nicht wahrnehmen kann, muss man sich über die kostenfreie Rufnummer 0800 57 58 100 um einen neuen zweiten Termin bemühen. Eugen Schindler (72) aus St. Martin und Renate Härdter (69) aus Bad Bergzabern müssen sich noch etwas gedulden: Ihre Altersgruppe ist noch nicht an der Reihe, auch Impftermine können noch nicht vereinbart werden. Daran ändern auch mögliche Vorerkrankungen nichts.
Helmut Wesper, Abteilungsleiter Handball beim TV Wörth, hat sich mit einem Hilfsangebot in der Redaktion gewandt: Er fährt in Wörth ehrenamtlich den Bürgerbus und wäre bereit, Senioren ohne Transportmöglichkeit, wie beispielsweise eine in unserer Berichterstattung genannte 96-Jährige aus Herxheim und ein Ehepaar aus Edenkoben, zum Impfzentrum in Wörth zu fahren. „Da ich in Wörth wohne, ist die Wartezeit für mich kein Problem“, schreibt er. Falls er zur selben Zeit beim Bürgerbus eingeteilt sein sollte, „finde ich bestimmt hierfür Ersatz“, so Wesper.
Wann können sich Paare gemeinsam anmelden?
Die Frage nach der Möglichkeit, einen gemeinsamen Impftermin für Ehepaare zu vereinbaren, wird von unseren Lesern häufig gestellt. Zwar hat Gesundheitsministerium gegenüber der RHEINPFALZ mitgeteilt, dass im Laufe dieser Woche das System soweit umgestellt werden soll, dass über das Onlineportal gemeinsame Impftermine für Paare gebucht werden können. Bisher ist das aber noch nicht der Fall. „Bei uns hat es aber geklappt“, sagt Edwin Anton aus Annweiler. Der 82-Jährige verrät seinen Trick. Er habe zunächst einen Termin für sich geordert. „In dem Onlineformular war ein freies Feld, da habe ich reingeschrieben, dass ich einen gemeinsamen Termin mit meiner Frau haben möchte“, berichtet Anton. Direkt im Anschluss hat er einen Termin für seine Gattin beantragt und besagtes Feld wieder befüllt. Diesmal natürlich mit dem Wunsch nach einem gemeinsamen Impftermin mit eben ihm. „Jetzt können wir am 29. Januar zusammen nach Wörth fahren“, freut sich Anton.
Der CDU-Landtagsabgeordnete Martin Brandl hat sich derweil mit einem Schreiben an das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium gewandt und Verbesserungen bei der Informationspolitik gegenüber denjenigen Bürgern vorgeschlagen, die bereits einen Impftermin haben. Der Rülzheimer schreibt, die Menschen würden zwar Informationen rund um die Impfung und den Termin per Post vom Land erhalten, er würde es jedoch befürworten, wenn die Schreiben um eine regionale Seite ergänzt würden. „Auf dieser Seite wäre eine Wegbeschreibung zum jeweiligen Impfzentrum sinnvoll. Zudem gibt es in den Kreisen und Regionen vor Ort spezifische Angebote für den Transport zum Impfzentrum, Anlaufstellen für Fragen und einiges mehr“, schreibt Brandl.