Kreis Südliche Weinstraße
Leinsweiler: Warum tut sich offenbar nichts beim Slevogthof?
Zwei Jahre nach dem Jubiläumsjahr „150 Jahre Max Slevogt“ ist es still geworden um den Slevogthof in Leinsweiler. Der Ortsbürgermeister ist enttäuscht. Der Investor schweigt sich aus. Das Wachküssen des historischen Kleinods dauert und dauert. Warum?
Max Slevogt (1868 bis 1932) und Leinsweiler, das ist eine historische Verbindung. In dem kleinen Ort zu Füßen des Kastells, das der Maler 1914 ersteigert hatte, hinterließ er viele Spuren. 18 Jahre lang wohnte der berühmte Maler dort und ließ sich bei seinen Werken von der Schönheit der Landschaft inspirieren. Der Slevogthof Neukastel ist ein Herrenhaus aus dem 19. Jahrhundert, welches aus einem ehemaligen Meierhof hervorgegangen ist. Dieser gehörte einst zur Reichsburg Neukastel. Der Meierhof, auf dessen Grundstück der Slevogthof steht, wurde 1689 beim Pfälzischen Erbfolgekrieg von französischen Truppen zerstört. Im Jahr 1828 entstand auf den verbliebenen Fundamenten der Hof als Gastwirtschaft.
Peter Finkler erwarb 1884 das Grundstück samt Burgruine und umliegendem Wald. 1890 lernte Antonie „Nini“ Finkler, eine Tochter des Gutsherren, Max Slevogt kennen – und lieben. 1898 wurde in der Martinskirche in Leinsweiler geheiratet. Da die Familie Finkler das Haus finanziell nicht halten konnte, ersteigerte Slevogt 1914 das Grundstück. In den Jahren 1922 und 1923 ließ er das Gebäude-Ensemble erweitern und schuf eine Bibliothek und einen Musiksaal. Außerdem schmückte er die Zimmer mit seinen einzigartigen Motiven.
Investor verweist stets auf „sensibles Projekt“
Was gab es für strahlende Gesichter, als vor zwei Jahren das Programm des Jubiläumsjahrs „150 Jahre Max Slevogt“ vorgestellt wurde. Zu Ehren des Impressionisten, Illustrators, Grafikers und Bühnenbildners, der auf dem Slevogthof seine letzte Ruhe fand, gab es Führungen, einen nach seinem Namen benannten Wanderweg, eine Weinedition und eine festlich gedeckte Kaffeetafel. Kinder konnten auf den Spuren des großen Sohnes der Gemeinde wandeln, ihre Werke wurden in einer Ausstellung in der Sonnenberghalle gezeigt. Doch nach dem Jubiläum ist es wieder ganz still um den Slevogthof geworden.
Seit 2011 ist Thorsten Holch im Besitz des denkmalgeschützten Gebäudes. Wann immer er auf die millionenschwere Sanierung angesprochen wurde, ließ sich der Investor und Projektentwickler aus Landau nicht zeitlich unter Druck setzen. „Das ist ein sensibles Projekt. Da darf man nichts übers Knie abbrechen“, unterstrich der Architekt, wenn es manchen Beobachtern der Bauarbeiten nicht schnell genug ging. Da verwies der ausgemachte Slevogt-Fan stets auf schwierige Aufräumarbeiten, auf langwierige Erforschung der Bausubstanz, auf Schadenskartierung, auf Ursachensuche bei Schäden oder auf Substanzsicherung. Und: Die Grundmauern stammten eben aus dem Mittelalter. Da komme manches erst zum Vorschein, was auf den ersten Blick verborgen gewesen sei.
Ist Gebäude bereits für Besichtigungen geeignet?
Was in den zwei Jahren nach dem großen Jubiläum baulich passiert sei, wollte die RHEINPFALZ jetzt von Thorsten Holch wissen. Doch auf schriftliche und telefonische Anfragen gab es keine Antwort, der Besitzer schweigt sich aus. Bitter enttäuscht, dass alles so lange dauert, zeigt sich Leinsweilers Ortsbürgermeister Thomas Stübinger. „Wir von der Gemeinde werden auch nicht informiert, wie es weitergehen soll. Wir hören immer nur Wanderer, die sich wundern, dass der Slevogthof nicht zugänglich ist und es nicht einmal die Möglichkeit einer Einkehr gibt,“ sagt der Dorfchef. Leinsweiler werbe als Malerdorf um Touristen, doch die stünden seit Jahren vor verschlossenen Türen.
Stübingers Informationen zufolge ist in dem geschichtsträchtigen Gebäude alles fertig für Besichtigungen. „Das Dach soll dicht sein. Ich verstehe nicht, dass der Investor die von ihm angekündigten zeitlichen Ziele nicht rechtzeitig hinbekommt“, betont der Ortsbürgermeister. Und: „Wenn er nicht das nötige Geld dazu hat, hätte er die Finger von dem Projekt lassen sollen.“
Anfragen zu Zukunft des Slevogthofs steigen
Torsten Blank, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Landau-Land, „sind keine weiteren Entwicklungen oder aktuell neue Sachstände bekannt“. Aber: Nach dem sehr erfolgreichen Slevogt-Jahr zum 150. Geburtstag sei der Künstler wieder stärker in den Blickpunkt gerückt. „Wir verspüren ein deutlich größeres Interesse für den Künstler, seine Werke, sein Leben und seinen Wohnsitz – sowohl bei Urlaubsgästen als auch in der Bevölkerung.“ Damit verbunden kämen vermehrt Nachfragen nach der weiteren Zukunft des Slevogthofs.