SÜW
Kreis beendet Grünschnitt-Wirrwarr nach Bürgerprotest
Die Kreisverwaltung hat am Mittwoch auf die massive Kritik zahlreicher Bürger an der neuen Handhabung bei der Grünschnittentsorgung an der Südlichen Weinstraße reagiert. Wie Landrat Dietmar Seefeldt bei einer Pressekonferenz verkündete, gelten ab sofort wieder die bisher gängigen Regeln. Privatleute können also auch wieder Rasenschnitt und Laub kostenlos bei den Annahmestellen im Landkreis abgeben. „Wir wollen nicht, dass Gartenabfälle in der Landschaft entsorgt werden. Wir wollen nicht, dass die Menschen wegen erschwerter Regelungen für die Grünabfallentsorgung Steingärten anlegen. Wir wollen nicht, dass wir unser Miteinander aufs Spiel setzen und in einer Sache streiten, die den Ärger letzten Endes nicht wert ist. Es tut mir leid, dass die Bürgerinnen und Bürger der Südlichen Weinstraße letztlich unnötigen Ärger und Aufwand hatten“, sagte Seefeldt.
Der Stress auf den Deponien ist damit wohl vorbei. Aber der Unmut war seit der zu Jahresbeginn gestarteten Reform der Grünschnittentsorgung vor allem bei Gartenbesitzern riesig. Ein Bürger berichtet etwa das: „Unser Vorgarten ist nicht sehr groß, etwa 200 Quadratmeter, aber wir haben zehn kleine Bäume, dazu mehrere kleinere Hecken.“ Da komme im Lauf des Winters Grünschnitt für etwa 30 Behälter zusammen, der in der Biotonne unmöglich unterzubringen sei. Als er vor wenigen Wochen den Grünschnitt bei der Deponie in Rohrbach habe entsorgen wollen, sei ihm von einem Mitarbeiter gesagt worden, er müsse das Laub und den Rasenschnitt bei der kreiseigenen Deponie in Ingenheim abgeben. „Wenn meine Frau den Garten für den Frühling herrichtet, entsorgt sie natürlich Laub genauso wie Heckenschnitt – die Idee, das Biomaterial zu trennen, ist weltfremd und kann nur von jemandem stammen, der vom Gärtnern keine Ahnung hat“, so der Südpfälzer.
Landrat von Ansturm überrascht
Bei einem Besuch der RHEINPFALZ am vergangenen Samstag auf der Deponie in Offenbach waren einige Bürger ziemlich geladen wegen der neuen Entsorgungsregeln. Wenn es der Landkreis so genau nehme, werde er von der Behörde künftig eine Entsorgungsleistung einfordern, weil Laub des öffentlichen Grüns vor seinem Haus auf seinen Rasen falle und immer von ihm entsorgt worden sei, schimpft einer der Kritiker.
Viele solcher wütenden Reaktionen haben auch Landrat Dietmar Seefeldt erreicht, wie er am Mittwoch berichtete. Er und auch Werkleiter Rolf Mäckel, der für die Abfallwirtschaft im Landkreis verantwortlich zeichnet, hätten erkannt, dass die neuen Vorgaben aus Sicht der Menschen nicht praktikabel seien. Das hätten vor allem die Beschäftigten der Annahmestellen zu spüren bekommen. „Dennoch muss ich zugeben, dass mich dieser Ansturm überrascht hat“, sagte Seefeldt. Er selbst habe einen Garten und angenommen, es sei durchaus möglich, Laub und Rasenschnitt über die Biotonne zu entsorgen. Außerdem sei Laub ein wertvolles Gut, weil es sich als Dünger eigne. Aber er wolle da niemandem etwas vorschreiben. „Wir machen ja Politik für die Menschen, nicht gegen sie“, betonte Seefeldt.
Gewerbetreibende müssen weiter zahlen
Richard Dümmler von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises ergänzte, die Kompostierung von Grünschnitt spiele eine wichtige Rolle, dazu wolle er die Bürger ermutigen. Laub und Rasenschnitt ließen sich gut in einer Ecke des Gartens deponieren, daraus lasse sich Humus für das eigene Grün gewinnen. „Außerdem muss dann auch nicht jeder mit seinem Wagen zur Grünschnittdeponie fahren. Das heißt, es geht hier auch um den Umweltschutz“, sagte Dümmler.
Was sich durch die Rücknahme der Reform nicht ändern wird, und das war ja auch schon früher der Fall: Gewerbetreibende müssen weiter für die Grünschnittabgabe bezahlen, wie Seefeldt betonte. Jene Unternehmer, die aber Privatgrünschnitt abgeben möchten und dafür das Geschäftsauto nutzen, können das kostenlos tun, müssen aber eine Unterschrift leisten. Wer bisher als Privatperson seinen Grünschnitt anlieferte und bezahlte, soll sein Geld zurückbekommen.
Biotonne soll früher wöchentlich geleert werden
Trotz der Rücknahme der Regelungen appellierte Seefeldt an die Bürger, es doch beim Rasenschnitt und dem Laub mit der Biotonne zu versuchen. „Um die Biotonne gerade auch für Gartenbesitzer noch attraktiver zu machen, streben wir eine wöchentliche Leerung der Biotonnen auch für die Monate Mai, Oktober und November an“, sagte er. Das müssten jedoch die zuständigen politischen Gremien des Landkreises entscheiden.
Der Kreis hatte zum Jahreswechsel die Gebühren für die Biotonne merklich gesenkt – für das große Gefäß gar um fast 50 Prozentpunkte. Demnach kostet die 60-Liter-Tonne aktuell 3,70 Euro im Monat, die 80-Liter-Tonne liegt bei 4,40 Euro, die 120-Liter-Tonne bei 5,60 Euro. Dieser Senkung vorausgegangen war eine Neuausschreibung für die Entsorgung des Grünabfalls im Kreis, die eine Kostensteigerung zur Folge hatte.
Kommen weitere Annahmestellen?
Zudem sind die Grünabfallmengen auf den Deponien in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Das heißt: mehr Grünschnitt, mehr Kosten. Hat der Kreis vor diesem Hintergrund also mit der Senkung der Kosten für die Biotonne und der gleichzeitigen Neuregelung der Entsorgungspraxis für den Grünschnitt versucht, die Biotonne den Bürgern schmackhaft zu machen? Immerhin setzen derzeit im Kreis nur rund zwei Drittel der Haushalte auf die Biotonne. Sie ist, anders als etwa im Landkreis Südwestpfalz, hier keine Plicht. Seefeldt sagte auf diese Frage der RHEINPFALZ, es sei natürlich ein Ziel der Gebührensenkung und der Grünschnitt-Reform gewesen, die Biotonne attraktiver zu machen, weil sie viele Vorteile biete.
Für die Zukunft des Umgangs mit Gartenabfällen im Landkreis kündigte Seefeldt weitere Schritte an. Neben der deutlichen Ausweitung der Biotonne an der Südlichen Weinstraße wolle er auch die Verwertung von Grünabfällen vor Ort antreiben. „Dazu wollen wir mit den Gemeinden ins Gespräch kommen“, sagte Seefeldt. Und erklärte: „Wir denken da beispielsweise an kleinere, dezentrale Annahmestellen und an das Häckseln und die Weiterverwertung des Biomaterials direkt vor Ort.“